Donnerstag, 01.07.2021, 15:41 Uhr

Nach Wiedereröffnung: Erneuter Ärger um Fitnessstudio-Verträge

Symbolbild. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

HANNOVER/LANDKREIS. Fitnessstudios sind wieder geöffnet – doch der Ärger reißt nicht ab. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen berichtet von Anbietern, die Verträge um die Schließzeiten während des Lockdowns verlängert hätten. Was Betroffene tun können.

Verbraucherschützer raten Kunden von Fitnessstudios zu einer genauen Prüfung einseitiger Vertragsanpassungen während der Corona-Pandemie. Nachdem die Fitnessstudios wegen des Lockdowns mehrere Monate schließen mussten, hätten einige Anbieter nun Verträge verlängert, indem sie die Schließzeiten angehängt hätten, teilte die Verbraucherzentrale Niedersachsen am Donnerstag in einer Presseinformation mit. Dies sei jedoch ohne Zustimmung der Kunden nicht zulässig.

Die Verbraucherzentrale rät daher Betroffenen, sich zu wehren und wenn nötig auch vor Gericht zu ziehen. Laut Verbraucherzentrale gibt es auch Fitnessstudio-Betreiber, die bereits bestätigte Kündigungen um die Schließzeit verschieben. Im Fall einer Verbraucherin aus Niedersachsen interpretiere das Fitnessstudio das Aussetzen der Beitragszahlungen als vereinbarte Ruhezeit, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Die Unterbrechung des Vertrags müsse beidseitig nachgeholt werden, wodurch sich die Kündigung um sechs Monate verschiebe.

Chancen im Falle einer Klage stehen „gut“

„Der Vergleich ist absurd. Eine Ruhezeit wird vertraglich vereinbart, wenn ein Kunde die angebotenen Leistungen vorrübergehend nicht nutzen kann, etwa aufgrund einer Krankheit. Hier ist es genau andersherum: Das Fitnessstudio musste schließen, konnte also selbst den Vertrag nicht erfüllen“, sagt die Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen, Tiana Preuschoff. Somit müsse die Verbraucherin die Schließzeiten auch nicht nachholen, die Kündigung sei wirksam.

 „Unserer Einschätzung nach dürfen Fitnessstudios die Verträge nicht einseitig um coronabedingte Schließzeiten verlängern“, teilte Preuschoff  mit. Bislang gebe es zwar keine höchstrichterliche Entscheidung dazu. „Wir schätzen die Erfolgsaussichten für Verbraucherinnen und Verbraucher im Fall einer Klage aber gut ein.“

Vertragsverlängerung als einvernehmliche Lösung

Sofern Kunden ihren Vertrag fortführen möchten, sei die Situation anders zu beurteilen. Hier könne es durchaus sinnvoll sein, während des Lockdowns gezahlte Beiträge als kostenfreie Monate an die Vertragslaufzeit anzuhängen oder erhaltene Gutscheine entsprechend umzuwandeln. (mit dpa)

Weitere Informationen zum Thema Fitnessstudios sowie ein Musterbrief, um der Vertragsverlängerung zu widersprechen.

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