Montag, 15.03.2021, 06:00 Uhr

Reisen in Corona-Zeiten: Worauf Urlauber bei der Buchung achten sollten

Passagiere warten in einem Terminal des Frankfurter Flughafens auf das Einchecken (Symbolbild). Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Pauschal oder individuell? Welchen Vorteil bieten Flex-Tarife? Ist der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung während der Pandemie sinnvoll? Eine Expertin der Verbraucherzentrale in Stade beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Urlaubsbuchung während der Pandemie.

Die Osterferien rücken näher, doch keiner weiß, wie das Reisen im zweiten Corona-Jahr aussehen wird. Viele sind unsicher, ob sie überhaupt etwas buchen sollen. Gerade zu Beginn der Pandemie haben Kunden oft schlechte Erfahrungen gemacht: Rückzahlungen blieben aus, Gutscheine und Umbuchungsoptionen waren nutzlos, Stornokosten wurden unrechtmäßig verlangt. Renate Schlünzen von der Verbraucherzentrale in Stade gibt Tipps, was bei der Buchung zu beachten ist und was Kunden tun können, wenn es Probleme gibt.

Reisen werden nach dem Lockdown vermutlich nur eingeschränkt möglich sein. Sollte man jetzt schnell buchen, um sich sein Wunschziel zu sichern?

Verbraucher müssen für sich abwägen, welche Risiken sie bereit sind zu tragen. In jedem Fall sollten sie sich aber vorab gut über mögliche Kosten und Stornomöglichkeiten informieren.

Worauf genau ist hier zu achten?

Optimal ist, eine Vorauszahlung zu vermeiden und schriftlich eine Regelung für den Fall eines Lockdowns, eines Beherbergungsverbots oder einer Ausgangssperre festzuhalten. So lassen sich Rechtsstreitigkeiten und unerwartete Kosten verhindern. Weil das jedoch nicht immer möglich ist, sollten Stornobedingungen und auch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) vor der Buchung geprüft werden.

Sind sogenannte Flex-Tarife empfehlenswert, die viele Reiseveranstalter inzwischen anbieten?

„Flex-Tarife, also flexiblere Stornierungs- oder Umbuchungsmöglichkeiten, sind grundsätzlich positiv“, sagt Schlünzen. „Aber auch hier sollte man genau hinschauen, da teils Ausnahmen gelten, auf die nur versteckt hingewiesen wird.“ Ein Beispiel: Pauschalreiseanbieter, die mit einer kostenfreien Umbuchung bis 14 Tage vor Abreise werben, die Linienflüge aber ausschließen. Damit ist das Angebot eigentlich wertlos.

Sind Pauschalreisen besser abgesichert als Individualreisen?

Anders als bei Individualreisen ist der Reisepreis bei Pauschalreisen gegen Insolvenz abgesichert. Außerdem sind sie in der Regel kostenlos stornierbar, wenn für den Reisezeitraum eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt. Bereits geleistete Zahlungen können Kunden dann zurückverlangen, Stornoentgelte sind unzulässig. Das Pauschalreiserecht ist hier eindeutig. „Aus unseren Beratungen wissen wir allerdings, dass Verbraucherinnen und Verbraucher ihr Recht oft nicht alleine durchsetzen können. Viele warten noch immer auf ihr Geld“, weiß Renate Schlünzen.

Was können Verbraucher tun, um bei einer Individualreise nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben?

Wer etwa eine Ferienwohnung direkt beim Vermieter bucht, sollte schriftlich festhalten, was im Falle einer coronabedingten Absage gilt. Bei Buchung über ein Vermittlungsportal wird es schwieriger, da unterschiedliche AGB gelten und nicht immer sofort klar ist, wer der Vertragspartner und damit der Ansprechpartner für den Kunden ist.

Was gilt bei der Flugbuchung?

Wird nur ein Flug gebucht, gelten die Allgemeinen Beförderungsbedingungen (ABB) des Luftfahrtunternehmens und die Fluggastrechte. Bei teureren Tarifen besteht mitunter die Möglichkeit, kostenlos zu stornieren. Auch hier ist es ratsam, die genauen Bedingungen vor der Buchung zu prüfen. In jedem Fall gilt aber: Kündigt die Airline, können Kunden zwischen einer vollständigen Erstattung und einer anderweitigen Beförderung an ihr Reiseziel wählen. Ansprechpartner ist hier immer die Airline – wurde über ein Portal gebucht, kann es aber helfen, dieses zusätzlich zu kontaktieren.

Lohnt es sich, eine Reiserücktrittsversicherung abzuschließen? Pandemien werden ja meist ausgeschlossen.

Der Ausschluss von Pandemien war bis vor kurzem üblich, ist aber nicht mehr zeitgemäß. Viele Versicherungen haben ihre Bedingungen angepasst oder neue Tarife entwickelt. Schlünzen rät, Angebote zu vergleichen und das Kleingedruckte aufmerksam lesen. Dann könne sich der Abschluss durchaus lohnen.

Was können Kunden bei Fragen oder Problemen tun?

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat auf ihrer Website umfassende Informationen zusammengestellt. Außerdem bieten wir eine kostenlose Telefonberatung bei Fragen rund um Reisebuchung, Rücktritt sowie bei Problemen mit abgesagten Reisen, Stornokosten oder Rückerstattungen. Bei Bedarf können wir Kunden auch schriftlich gegenüber Anbietern vertreten.

Tipp: Kostenloses Online-Seminar

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen bietet am Dienstag, 16. März 2021, von 12 bis 13.30 Uhr ein kostenloses Online-Seminar zum Thema „Reisen in Corona-Zeiten“ an. Teilnehmer können Fragen vorab per E-Mail an weltverbrauchertag2021@vzniedersachsen.de schicken oder sie während der Veranstaltung im Chat stellen. Anmeldung und weitere Informationen unter: www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/weltverbrauchertag2021

Unsere Expertin

Renate Schlünzen, Beraterin der Verbraucherzentrale in Stade

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