Sonntag, 11.07.2021, 12:59 Uhr

Farbe statt Fliesen: So gelingt der Anstrich im Badezimmer

Symbolbild. Foto: iStockphoto

STADE. Bis unter die Decke geflieste Wände gehören längst der Vergangenheit an. Im Badezimmer ist die Wandfarbe auf dem Vormarsch. An welchen Stellen sie problemlos eingesetzt werden kann und welche Ansprüche der Feuchtraum an die Farbe stellt.

Vorbei sind die Zeiten, in denen das Badezimmer nur notwendige Nasszelle war. Heute steht der Wohlfühlaspekt im Fokus. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Materialien. Der Trend geht zu fugenlosen Oberflächen. Sie sind nicht nur besonders pflegeleicht, sie lassen gerade kleinere Räume optisch größer wirken.

Während auf dem Fußboden Designbeläge, Kork, Holz oder Steinteppiche ins Spiel kommen, ist die Farbe eine beliebte Alternative zur Wandfliese geworden. Und das in fast allen Bereichen. Gefragt sind helle, warme und fein aufeinander abgestimmte Töne. „In der Dusche würde ich bis auf zwei Meter Höhe allerdings bei der Fliese bleiben“, sagt Timo Pils, Fachberater beim team baucenter Stade. Er erklärt: „Auf die Wassermengen in der Dusche sind die Farben nicht ausgelegt.“ Im Bereich des Waschbeckens, der Toilette oder der Badewanne sieht er hingegen keine Probleme – solange die richtige Farbe zum Einsatz kommt.

Robust und strapazierfähig: die Latexfarbe

Im Badezimmer herrschen extreme Bedingungen, denen die Wandfarbe standhalten muss. Spritzer hinter dem Waschbecken, Schaum über dem Wannenrand, eine hohe Luftfeuchtigkeit und starke Temperaturschwankungen erfordern einen Anstrich, der wasserabweisend und abwischbar ist. Gleichzeitig muss er atmungsaktiv bleiben, um Schimmelbildung zu vermeiden. Eine normale Dispersionsfarbe, wie sie in der Regel im Rest des Hauses zum Einsatz kommt, stößt hier an ihre Grenzen. Experte Pils empfiehlt: Latexfarbe. „Sie ist besonders kratzfest, Schmutz und Wasser lassen sich ganz einfach abwischen.“ 

Latexfarbe ist allerdings nicht gleich Latexfarbe. In der echten, ursprünglichen Variante wurde der Milchsaft des Kautschukbaumes als Bindemittel verwendet. Er verlieh der Farbe Wasserbeständigkeit und Elastizität, führte aber auch dazu, dass der Untergrund versiegelt wurde. In feuchten Räumen begünstigte die echte Latexfarbe die Schimmelbildung. Mittlerweile ist sie auf dem Markt praktisch nicht mehr erhältlich. Als Bindemittel wird jetzt Kunstharz verwendet, das den Farben die gleichen Eigenschaften verleiht. Mit einem Unterschied: Je nach Qualität sind die Kunstharz-Farben deutlich atmungsaktiver als die klassischen Latexfarben. „Ein Anti-Schimmel-Zusatz kann die Schimmelbildung außerdem verhindern“, sagt Timo Pils.

Nach einer passenden Grundierung lässt sich die Latexfarbe auf alle Untergründe auftragen. Allerdings: Soll die Latexfarbe irgendwann durch einen anderen Anstrich ersetzt werden, wird es kompliziert. Pils: „Sie ist sehr schwierig überzustreichen. Im Zweifel muss die Wand bis auf den Grund  abgeschliffen werden.“ Besonders Mieter sollten sich den Einsatz also gut überlegen und sicherheitshalber mit ihrem Vermieter abstimmen.

Schimmeltötend und atmungsaktiv: die Silikatfarbe

Eine Alternative zur Latexfarbe ist Silikatfarbe. In puncto Schimmelvermeidung hat sie sogar die Nase vorn. Sie legt sich nicht wie ein Film auf die Wand, sondern verbindet sich mit dem Untergrund. Die Silikatfarbe bleibt diffusionsoffen, das heißt sie ist durchlässig für Luft und Wasserdampf, so dass sich kaum Kondenswasser an der Wand bildet. Einer der Hauptgründe für die Schimmelbildung fällt also weg. Außerdem ist der pH-Wert der Silikatfarbe so hoch, dass sie eine natürliche schimmeltötende und antibakterielle Wirkung hat. Chemische Zusätze werden damit nicht mehr benötigt.

Silikatfarbe lässt sich allerdings nicht auf jede Wand aufbringen. Sie haftet ausschließlich auf mineralischen Untergründen wie Kalk- oder Zementputz und rohem Beton. Mit Gipsputz gespachtelte Wände oder Tapeten eignen sich nicht zum Streichen mit Silikatfarbe.

Regelmäßiges Lüften: das A und O im Badezimmer

Ob das Raumklima die Schimmelbildung begünstigt, liegt aber nicht allein an der Farbe. Nach einer heißen Dusche oder einem ausgiebigen Bad schnellt die Luftfeuchtigkeit in die Höhe. „Anschließend sollte man sofort die Fenster öffnen und gut durchlüften“, sagt Fachberater Timo Pils. Gerade in großen Tageslichtbädern sieht er dann auch kein Problem mit der Wandfarbe. Etwas anders sieht es laut Pils in einem sehr kleinen Bad ohne Fenster aus. „Da würde ich gegebenenfalls auf etwas mehr Fliesen setzen.“

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