Mittwoch, 23.10.2019, 07:00 Uhr

Haus und Wohnung gegen Einbrecher schützen

Einbrecher hebeln Fenster häufig mit einem gewöhnlichen Schraubendreher auf, wie die Polizisten Svenja Wigger, Rainer Bohmbach und Andreas Mai (von links) in der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Stade simulieren. Foto: Beneke

LANDKREIS. Mit Beginn der dunklen Jahreszeit sind verstärkt Einbrecher unterwegs. Anlässlich des bundesweiten Tages des Einbruchsschutzes am Sonntag, 27. Oktober, wirbt die Polizei für das Sichern von Fenstern und Türen.

Derweil berichten die Ermittler von einem „positiven Trend“, was Fallzahlen und Aufklärungsquote angeht. Von Januar bis September 2019 hat die Polizei im Landkreis Stade laut Sprecher Rainer Bohmbach rund 150 Wohnungseinbrüche verzeichnet. Das seien an die 40 Prozent weniger Taten als im Vorjahreszeitraum. Gleichwohl gehe er davon aus, dass die Zahl der Taten mit Beginn der dunklen Jahreszeit ansteige.

Die Ermittler hätten in den vergangenen Wochen zahlreiche Taten aufklären können, sagt der Leiter der fünfköpfigen Sondereinheit bei der Stader Polizeiinspektion, Andreas Mai. Sowohl einheimische als auch reisende Täter gingen ihnen ins Netz. Gerade habe seine Mannschaft eine Einbrecherbande aus Südosteuropa festnehmen können, die für 40 bis 50 Taten verantwortlich sein soll und nun in Untersuchungshaft sitzt. Die Beamten konnten sie auf frischer Tat ertappen.

Diebe nehmen sogar Katzenstreu mit

Trotz der jüngsten Erfolge sollten die Bürger aber sensibilisiert sein und ihre Wohnungen und Häuser schützen, rät die Präventionsbeauftragte Svenja Wigger. Ein Trend, den die Beamten vor allem im Raum Stade zu verzeichnen haben, sind Einbrüche in Kellerräume. „Das ist dieses Jahr unser Thema“, sagt Bohmbach. Hier seien die Täter im Milieu der Beschaffungskriminalität zu verorten. „Sie nehmen alles mit“, sagt Mai, sogar Katzenstreu, Weinflaschen oder tiefgefrorenes Essen. Neben Radios, alten Computern und Fahrrädern, die sich für kleines Geld veräußern lassen, würden die Lebensmittel für den Eigenbedarf genutzt.

Die Täter seien vor allem in Mehrfamilienhäusern aktiv, würden auf Verdacht klingeln und sich an gar nicht oder schlecht gesicherten Holzverschlägen in den Kellern zu schaffen machen. Der Schaden durch das Aufbrechen der Räume sei häufig höher als der Wert der entwendeten Gegenstände, sagt Wigger. Die Täter hinterließen bei den Einbrüchen in den Kellern kaum Spuren, oft reiche ein Schraubenzieher als Werkzeug aus. „Wir sind hier dennoch sehr optimistisch, was die Aufklärung betrifft“, unterstreicht Bohmbach.

Mehr Einbrüche auf Firmengelände

Einen leichten Anstieg gibt es in diesem Jahr bei den Einbrüchen auf Firmengelände. Hier werden vor allem Baumaschinen und Werkzeug gestohlen. Auch Rohbauten sind betroffen. Der Bauboom mache sich bemerkbar, sagt Bohmbach. Wenn Geräte nicht durch Kennzeichnungen durch den Eigentümer identifizierbar seien, erschwere das die Zuordnung von sichergestelltem Diebesgut. Markierungen oder Nummerierungen seien hilfreich. Bei den Wohnungseinbrüchen zählen Smartphones, Tablets, Schmuck und Geld zur beliebten Beute. Wigger empfiehlt, eine Liste mit Fotos der Wertgegenstände anzufertigen und sicher aufzubewahren. Schmuck und wichtige Dokumente sollten in einem Tresor oder Schließfach verwahrt werden.

„Immer mehr Taten bleiben im Versuch stecken“, sagt Wigger. Die bessere Sicherung der Gebäude mache sich bemerkbar. Wenn die Kriminellen nicht schnell ins Gebäude kämen, würden sie es woanders versuchen. „Auch eine aufmerksame Nachbarschaft ist für uns wichtig“, sagt Mai. Hinweise von Zeugen seien von unschätzbarem Wert, etwa wenn es um Fahrzeuge oder Verdächtige gehe. Sein Team kombiniert die Informationen aus verschiedenen Taten und sucht nach Mustern, um Serien zu erkennen. Die Bürger sollten sich nicht scheuen, bei verdächtigen Geräuschen oder Beobachtungen – etwa dem Klirren von Fensterscheiben in der Nacht – die Polizei über die Notrufnummer 110 zu verständigen, sagt Bohmbach. „Wir kommen lieber einmal zu viel als zu wenig.“

Kostenlose Beratung bei der Polizei

Noch immer machen es viele Bürger den Einbrechern leicht: Nicht abgeschlossene Türen oder gekippte Fenster seien eine Einladung für Einbrecher, sagt die Präventionsbeauftragte der Stader Polizei, Svenja Wigger. Fenster und Türen könnten mit speziellen Schlössern und Riegeln gesichert werden. Schlüssel sollten auch von drinnen abgezogen werden. Die Hauptkommissarin rät davon ab, die Türen von Wohnzimmer oder Küche beim Verlassen des Hauses abzuschließen. Einbrecher würden sie aufbrechen, wenn sie erst ins Haus gekommen sind. Der Schaden sei hoch.

Bei Mehrfamilienhäusern sollten Haustüren verschlossen bleiben. Unbekannte sollten nicht unbeaufsichtigt ins Haus gelassen werden. Holzverschläge sollten mit hochwertigen Schlössern gesichert werden. Mehrere Fahrräder könnten zusammengeschlossen werden, das erschwere den Abtransport. Optimal seien im Boden verankerte Fahrradständer.

Beleuchtete Grundstücke und Häuser – etwa durch Zeitschaltuhren – würden die Täter abschrecken.

Wigger bietet Häuslebauern an, vor Baubeginn die Architektenzeichnungen und Grundrissskizzen im Hinblick auf den Einbruchsschutz zu optimieren. Sie berät die Bürger auch in ihren eigenen vier Wänden, Termine können unter der Rufnummer 0 41 41/ 10 21 09 vereinbart werden.

www.k-einbruch.de

Die wichtigsten Maßnahmen gegen Einbruch

  • Türen und Fenster beim Verlassen des Hauses oder der Wohnung schließen, gegebenenfalls abschließen und die Schlüssel abziehen. Spezielle Schlösser und Riegel sorgen für zusätzliche Sicherheit.
  • Liste mit Fotos der Wertgegenstände anfertigen und sicher aufbewahren.
  • Der Keller ist ein Schwachpunkt. Bei Kellerräumen daher besonderes Augenmerk auf Sicherungsmaßnahmen legen. 
  • Schmuck und wichtige Dokumente in einem Tresor oder Schließfach verwahren.
  • Ein aufmerksamer Nachbar sein. 
  • Bei verdächtigen Geräuschen oder Beobachtungen die Polizei rufen (Telefonnummer: 110).
  • Die kostenlose Beratung der Polizei zum Einbruchschutz in Anspruch nehmen.
  • Bei Mehrfamilienhäusern: Haustüren geschlossen halten, damit Unbefugte keinen Zutritt haben.
  • Gartenlauben und Holzverschläge, in denen beispielsweise Fahrräder untergebracht sind, mit hochwertigen Schlössern sichern.
  • Durch Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren gesteuerte Beleuchtung wirkt abschreckend auf Einbrecher.
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