„Krankenhausbesucher stärker in das Thema Händehygiene einbinden“

HAMBURG. Professor Johannes K. Knobloch, Leiter des Arbeitsbereichs Krankenhaushygiene im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), beantwortet anlässlich des „Internationalen Tages der Händehygiene“ die wichtigsten Fragen zum Thema.


Von Janine Vonderbank

Warum ist Händehygiene im Krankenhaus so wichtig?

Weil dort kranke Menschen behandelt werden, die sich besonders leicht mit Infektionserregern anstecken können. Da viele Patienten während ihres Aufenthalts in der Klinik eine Therapie mit Antibiotika benötigen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich resistente Erreger ausbreiten. Medizinisches Personal sollte sich die Hände vor und nach Kontakt mit Patienten, aber auch vor und nach bestimmten Tätigkeiten die Hände desinfizieren. Dies dient dem Schutz der Patienten, aber natürlich auch der Mitarbeiter.

Was gehört zu einer gründlichen Händedesinfektion?

Diese basiert auf den sogenannten fünf Momenten der Händedesinfektion der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Händedesinfektion sollte mindestens 15 oder 30 Sekunden dauern – je nach dem, welches Mittel zum Einsatz kommt. Dabei sollte man darauf achten, dass die gesamten Hände mit Desinfektionsmittel benetzt sind. Das Händewaschen wird für medizinisches Personal übrigens nur bei sichtbarer Verschmutzung, nach dem Toilettengang und zu Beginn eines Arbeitstages empfohlen. Häufiges Händewaschen kann die Haut schädigen, während das Desinfizieren der Hände viel verträglicher ist.

Welche Rolle spielt Händehygiene in Bezug auf Klinikkeime?

Die Händedesinfektion gehört zu den Standardhygienemaßnahmen im Krankenhaus. Wenn wir uns strikt an alle Standardmaßnahmen halten, lässt sich die Verbreitung von solchen Erregern gut eindämmen. Leider klappt das aus verschiedenen Gründen nicht immer zu 100 Prozent. Auch kommt es immer häufiger vor, dass es die Patienten sind, die besondere Keime ins Krankenhaus mitbringen. Diese werden dann trotzdem oft als „Klinikkeime“ bezeichnet.

Eine australische Studie hat kürzlich nachgewiesen, dass einige Bakterien eine Toleranz gegen Desinfektionsmittel haben. Wie problematisch ist das?

Das ist nur bei falschem Umgang mit Desinfektionsmitteln ein Problem. Wenn die bei uns in Deutschland erhältlichen Mittel in der richtigen Dosierung eingesetzt werden, gehen wir immer noch von einer vollen Wirksamkeit aus.

Was hat es mit der neuen Hygienekampagne im UKE auf sich?

Sie ist eine Weiterentwicklung der Kampagne, die schon seit Jahren läuft. Bisher haben wir vor allem die Mitarbeiter des UKE angesprochen, um sie immer wieder an die Bedeutung der Händedesinfektion zu erinnern. Mit der neuen Kampagne möchten wir jetzt auch Patienten und Besucher stärker in das Thema der Händehygiene einbinden. Viele haben den Wunsch, sich beim Betreten oder beim Verlassen des Krankenhauses die Hände zu desinfizieren. Es ist aber viel sinnvoller, sich erst kurz vor dem Kontakt mit seinen Angehörigen im Krankenhaus die Hände zu desinfizieren.

Wir werden flächendeckend Händedesinfektionsmittelspender auf den Stationen installieren – und zwar in leuchtendem Orange, damit sie auch jeder sieht. Sie sollen alle an die Händedesinfektion erinnern. Mit dem heutigen Aktionstag haben wir begonnen, die Spender auf den Stationen anzubringen. In den nächsten Wochen werden alle Bereiche damit ausgestattet sein. Zusätzlich gibt es noch Informationsmaterialien, die über die Händehygiene informieren.

Was sollten Besucher von Krankenhauspatienten beachten?

Dass sie sich erst unmittelbar vor dem Kontakt mit ihren erkrankten Angehörigen die Hände desinfizieren. Auch beim Verlassen der Stationen ist es sinnvoll, sich nochmals die Hände zu desinfizieren, um keine Keime in die Umwelt zu tragen.

Ist die Händedesinfektion auch außerhalb der Klinik, sprich: im Alltag, sinnvoll?

Außerhalb von Krankenhäusern ist es nur selten notwendig, sich die Hände zu desinfizieren. Händewaschen genügt, da man viel weniger Keime „aufschnappt“ und in der Regel mit gesunden Menschen Umgang hat. Wer zu Hause kranke Angehörige pflegt, für den kann eine Händedesinfektion jedoch sinnvoll sein.

Unser Experte

Foto: UKE
Professor Dr. med. Johannes K. Knobloch, Leiter des Arbeitsbereichs Krankenhaushygiene am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf (UKE), www.uke.de

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