Die Igel und Igelhelfer von der Geest brauchen Hilfe

FREDENBECK. Was den Gärtner freute, droht für Igel in diesem Jahr für die Igel zum Problem zu werden: ein Sommer fast ohne Schnecken. In Fredenbeck schlägt die Auffangstation Alarm. Sie braucht mehr Platz für geschwächte Tiere.

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Zwischen Hamburg und Balje sind viele Aufnahmestationen für geschwächte Igel bereits an ihre Grenzen gekommen. Monika Severing aus Fredenbeck, seit 30 Jahren in der Igelhilfe aktiv, schlägt ebenfalls Alarm. „Wir brauchen zusätzlich ein neues Igelhaus“, sagt sie und hofft auf Unterstützung.

Nur kranke oder Jungigel mit deutlich zu wenig Gewicht werden aufgenommen. Der beste Igelschutz beginnt im Garten, unterstreicht Monika Severing. Wer in der Dämmerung einen der kleinen „Stachelritter“ sehe und helfen wolle, sollte ruhig Futter bereitstellen, rät die Igelmutter. Allerdings gibt es immer noch viele falsche Futterlegenden in Sachen Igel, sagt die 67-Jährige. Milch oder Käse zum Beispiel gehört nicht auf den Futtertisch für den Igel. „Und auch wenn ein Igel mal am Apfel gesehen wird, dann sitzt er da, um sich die Insekten abzuklauben und nicht um ihn zu essen“, so Severing.

Was füttern?

Was also füttern? Rinderhack gegart, ein Rührei mit etwas Wasser, wenig Fett und ohne Salz, getrocknete Würmer aus dem Futterhaus oder Katzenfutter könnten abends an geeigneter Stelle im Garten aufgestellt werden, erklärt Severing. Bei ihr im Garten wird das Futter in einem speziellen Igelhäuschen platziert, so dass weniger Fressnachbarn, die keine Zufütterung brauchen, an die Teller kommen. Trotzdem werden es wieder einige Igel nicht schaffen, rechtzeitig zum Winterschlafbeginn Mitte Oktober bis in den November hinein das nötige Gewicht zu erreichen.

600 bis 700 Gramm sollten es sein. Wer eine Vorstellung dafür haben möchte, welchen Umfang ein Igel dann hat: Acht Zentimeter Durchmesser entsprechen etwa 250 Gramm, zehn Zentimeter Durchmesser circa 500 Gramm. Genaue Auskunft gibt immer die Waage. In Deutschland ist es dabei generell verboten, Igel aus der Natur zu entnehmen. Hilfsbedürftige Igel dürfen jedoch sachgemäß aufgezogen beziehungsweise gesund gepflegt werden.

Wie kann ich Igeln helfen?

„Es war ein sehr trockener Sommer fast ohne Schnecken, mit wenig Wasser und weniger Käfern“, erzählt Severing. Bei der Suche nach Futter mussten die Igel oft weitere Wege gehen, nicht selten endete das tödlich auf der Straße. Geschwächte Tiere sind außerdem anfälliger für Krankheiten oder haben Probleme bei der Aufzucht des Nachwuchses. „Wir nehmen Igel auf, die so nicht in Winterschlaf gehen können, die Parasiten haben, Pilzerkrankungen oder Verletzungen“, erklärt Severing. Für ein neues Igelhaus im Garten sucht der Verein dringend Spender oder eine Firma, die eventuell ein Ausstellungs-Holzhaus von der Größe von etwa vier Mal vier Meter abgeben würde. Auch über Patenschaften für einzelne Igel für eine Spende von fünf Euro pro Monat oder Futterspenden würden sich die Tierschützer freuen.

Der Verein Tierhilfe Stade ist als gemeinnützig anerkannt und kann Spendenbescheinigungen ausstellen. Das Spendenkonto der Tierhilfe Stade e.V. hat die IBAN DE79 241 51116 0000 802 843. Bei einer Überweisung sollte auf den Verwendungszeck für Igel hingewiesen werden. Monika Severing ist bei Spendenangeboten, Fragen oder beim Auffinden eines augenscheinlich kranken Igels unter Telefonnummer 0 41 49/ 85 50 zu erreichen oder per Mail an die Adresse m.onika(at)gmx.net. Sie hält auch Kontakt zu anderen Igel-Hilfsstationen, unter anderem zu Bärbel Schromm und Günter Stelling aus Hollern-Twielenfleth, die ebenfalls sehr aktiv sind. Die Igelstationen im Landkreis Stade arbeiten bereits an einer gemeinsamen Präsentation.

www.pro-igel.de

www.igelkomitee-hamburg.de

Mitte Oktober ins Winternest

Wenn es dämmert, sind die Igel unterwegs. Die Insektenfresser begeben sich jetzt noch mehr auf die Suche nach Laufkäfern, Larven oder Regenwürmern, um sich Reserven für ihren Winterschlaf anzufressen. Doch dies gestaltet sich immer schwieriger. In einer zunehmend aufgeräumten Landschaft zieht es den Igel in die Siedlungsbereiche.

Hier suchen sie Lebensraum, Nahrung und Unterschlupf für den Winter, aber stoßen sie oftmals auch auf Bedrohungen wie Gifteinsätze oder Strukturarmut in den Gärten, die die Nahrungs- und Überwinterungsmöglichkeiten stark einschränken. „Naturnahe Gärten mit wilden Ecken, heimischen Pflanzen und Gehölzen bieten Käfern, Spinnen und Regenwürmern und somit auch dem Igel einen guten Lebensraum“, erläutert Dr. Maren Meyer-Grünefeldt, Leiterin der Nabu-Umweltpyramide in Bremervörde.

Was brauchen Igel, um gut durch den Winter zu kommen?

„Gerade wenn die Alttiere ab Mitte Oktober anfangen ihr Winternest zu bauen und die Jungigel noch versuchen so viel an Gewicht wie möglich zuzulegen, um gut durch ihren ersten Winter zu kommen, sind sie auf solche Rückzugsräume mit guten Nahrungsquellen angewiesen“, so die Umweltwissenschaftlerin weiter.

Gartenbesitzer könnten ihnen auch aktiv mit Laub- oder Reisighaufen oder durch das Aufstellen von Igelhäuschen einen Unterschlupf gewähren. Für einen dauerhaften Platz eignen sich Reisighaufen mit einer Basis aus Feldsteinen. Zusätzlich sollte der Garten giftfrei gehalten werden, um die Nahrungsgrundlage der kleinen Säugetiere zu erhalten, zum anderen, weil Gifte wie Rattengift und Schneckenkorn für die Tiere selbst höchst gefährlich sind.

Was braucht ein igelfreundlicher Garten?

  • Den Garten möglichst naturnah gestalten
  • Heimische Pflanzen und Bäume anpflanzen
  • Laub- oder Reisig anhäufen oder Igelhäuschen aufstellen
  • Keine Gifte verwenden  
  • Fütterung: Rinderhack gegart, ein Rührei mit etwas Wasser, wenig Fett und ohne Salz, getrocknete Würmer aus dem Zoofachgeschäft oder Katzenfutter abends an geeigneter Stelle aufstellen 

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