Israel: Reise durchs Heilige Land

Vielfältige Kultur in Jersualem, quirliges Nachtleben in Tel Aviv, ein Hauch von Luxus am Toten Meer: In Israel prallen Gegensätze aufeinander. Aber genau das macht den Reiz des hoch entwickelten Industriestaats im Nahen Osten aus. Hier die besten Reisetipps.

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Wir Israelis sind wie die Frucht der Kaktusfeige, außen stachelig und innen ganz weich“, sagt Tali und lächelt. Die schwarzhaarige Jüdin reicht einem Paar in Bademänteln Handtücher für das Bad im Toten Meer. Einst aus Marokko eingewandert, arbeitet sie wie viele ihrer Landsleute im Tourismus. Tatsächlich sind die meisten Israelis in den touristischen Hochburgen ganz und gar nicht stachelig.

Schlau wie sie sind, bringen sie ihre religiösen Vorgaben auf praktische Art und Weise im täglichen Leben unter. Wer nach der hebräischen Bibel am Sabbat kein Feuer in seiner Wohnstätte anzünden, also auch keinen Strom anschalten darf, verwendet Programmierungen für Toaster, Fön, Fahrstuhl, TV oder Radio. Und schon funktioniert’s, ohne dass man gegen die Tora verstößt.

Der Konflikt erschwert Urlaubern das Reisen im Land

Nur mit den Palästinensern tun sich die Israelis schwer – und die Entscheidung der US-Regierung, das palästinensische Ost-Jerusalem als Teil der israelischen Hauptstadt anzusehen, wird das Verhältnis nicht einfacher machen. Für den Urlauber ist es durch den Konflikt manches Mal nicht gerade leicht, im Land zu reisen. Dabei sind die Wege kurz. In nur einer Stunde kommt man von Tel Aviv nach Jerusalem. Wer jedoch ins Westjordanland, etwa nach Bethlehem, will, muss Zeit einplanen, denn Kontrollen an Militärposten sind gang und gäbe. Und das kann dauern.

Rund vier Millionen Urlauber kommen jährlich in den hoch entwickelten Industriestaat, in dem krasse Gegensätze aufeinanderprallen. Aber genau das macht den Reiz des Landes im Nahen Osten aus. In der Skyline-Strandschönheit Tel Aviv werden an sieben Tagen die Woche Partys gefeiert, am stillen See Genezareth schippert man mit Gläubigen über Jesus‘ heiliges Wasser. Einen Hauch von Luxus gibt’s am Toten Meer, wo Salzkristalle wie Diamanten am Ufer funkeln und Menschen rücklings in 400 Metern unter dem Meeresniveau floaten. Größter Magnet ist und bleibt aber Jerusalem. Nichts ist spannender als am Sabbat an der Klagemauer das Treiben Hunderter schwarz gekleideter Orthodoxer zu verfolgen.

Jerusalem: Die Altstadt strotzt vor Kultur

Jerusalems Altstadt strotzt nur so vor Kultur. An der berühmten Klagemauer auf dem Tempelberg (Sicherheitskontrolle) beten jüdische Gläubige und stecken Gebetszettel in die Mauerritzen: links die Männer mit Schläfenlocken, einem Kneitsch, dem schwarzen Filzhut auf dem Kopf, rechts, durch einen Zaun getrennt, die Frauen. Gesellen Sie sich einfach dazu. Eine Kippa für Männer wird kostenlos verliehen und fotografieren ist erlaubt. Dahinter thront der mehr als tausend Jahre alte blaue Felsendom mit seiner goldenen Kuppel. Kreuz und quer ziehen sich die Gassen durch die Altstadt, flankiert von Devotionalien- und Kippa-Shops, Saftständen (Limo ab Euro 2,50) und Barbieren.

Tipp: Unbedingt auf der Altstadtmauer entlang spazieren und den tollen Blick auf das jüdische Viertel genießen (Ramparts Walk ab Euro 4,50, Tickets am Jaffa-Tor). Wer Jesus‘ Kreuzweg nachempfinden will, folgt der Via Dolorosa bis zur Grabeskirche (Eintritt frei), einem der bedeutendsten Heiligtümer des Christentums. Spektakulär ist die neue abendliche King David Show, eine Open-Air-Multimediashow an der Davidzitadelle (ab Euro 16/45 Min., außer freitags, Tower of David Museum).

Jerusalems Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Shoppen und bummeln heißt es in der Neustadt. Die schicke Fußgängerzone Mamilla Avenue präsentiert regelmäßig moderne Kunst vor den Luxusgeschäften. Man fährt mit der Tram (ab Euro 1,50) durch die Jaffa Street und genießt im hippen Café „Kadosh“ (Shlomtzion St. 6) einen hausgemachten Sfinge, den marokkanischen Donut. Von hier sind es nur ein paar Schritte bis zum Mahane-Yehuda-Markt. Mit der „Bite Card“ (Euro 26, http://en.machne.co.il) lädt Israels größter Markt zu einer Tour der Köstlichkeiten ein. Den schönsten Blick auf die Stadt hat man vom Ölberg. Tipp: Das “Restaurant Zuni„ (Yoel Moshe Solomon St. 15) serviert leckere „Zuni-Burger“ (ab Euro 18), gegrillte Aubergine (ab Euro 11) und Muscheln (ab Euro 19).

Tel Aviv: Strand-Stadt mit Nightlife

Kilometerweit zieht sich die Promenade von Tel Aviv am Mittelmeer entlang, auf der einen Seite Wolkenkratzer, auf der anderen endlose Sandstrände. Morgens ist es hier noch ruhig, am Nachmittag aalen sich die Sonnenanbeter im goldenen Sand, bis sich die Scharen auf ein Schwätzchen im Abendrot treffen. Am besten, man leiht sich ein Rad, Tel-O-Fun-Stationen gibt es überall (ab Euro 4/Tag, 30 Min. kostenlos, dann ab Euro 1,50/30 Min). Lohnend ist ein Blick in die schönen Wohnalleen wie die Simcha Ben Tsiyon oder den Rothschild, wie die Städter die von Akazien gesäumte Avenue mit ihren Jugendstil- und Bauhausgebäuden nennen.

Hier ist das Zentrum der Restaurants und Kneipen. Schicke Stände wie „Gili’s Kosk“ bieten bis 22 Uhr leckeren Hafouch an, israelischen Cappuccino (ab Euro 3, Rothschild Bd. 31) und das Nachtleben tobt. Am besten mischt man sich unter das trendige Partyvolk bei DJs und Kunstausstellungen in der Clubbar „Kuli Alma“ (ab 21 Uhr, Eintritt frei, Mikveh Israel 10) oder auf der Terrasse der retro-futuristischen „Sputnik Bar“ (Mixdrinks ab Euro 12,50, ab 19 Uhr, Allenby St 122).

Kilometerlange Strände und ein lebendiges Nachtleben mit Kneipen und schicken Clubs bietet die moderne Metropole Tel Aviv.

Nur zwei Kilometer sind es von hier bis nach Jaffa. Die Gassen der Altstadt offenbaren noch orientalischen Charme, im kleinen Hafen dümpeln bunte Fischerboote, der Abrasha-Park hält eine tolle Aussicht bereit. Wer Jaffa nicht allein entdecken will, schließt sich einer Tour an (kostenlos, Treff täglich 11 und 14 Uhr am Uhrenturm).

Tipp: Im beliebten Restaurant „Puaa“ gibt es vorzügliche traditionelle Küche, etwa rote Tahini, Sesamcreme, ab Euro 6,50, oder Mansaf, ein Lamm-Reis-Gericht ab Euro 16; Tel Avivs Nachtleben erlebt man gratis dazu (Rabbi Yohanan St. 8).

Totes Meer: Am größten natürlichen Spa der Welt

Das Tote Meer ist bekannt für seine Heilkraft und macht Spaß dazu. Nirgendwo kann man sich so schön auf dem Wasser treiben lassen, ohne unterzugehen, dabei die einsamen goldfarbenen Judäischen Berge bestaunen und noch etwas für die Haut tun. Kein Wunder, dass die Hotels in En Bokek mit zahlreichen Spas punkten (Schlammtherapie ab US$ 150). Früher reichte das Wasser hier bis zur Straße. Heute spaziert man auf der neuen Promenade und einem breiten Sandstrand mit kostenlosen Sonnenliegen, Süßwasserduschen und stattlichen Digitaluhren, die an die Badezeit erinnern, zum edlen Nass (Eintritt frei).

Entspannend: Floaten im Toten Meer. Das Treiben auf dem Wasser des ablauflosen Sees ist wegen des hohen Salzgehalts möglich.

Wer sich selbst mit dem Heilschlamm des Sees einschmieren möchte, ist am Kalia-Strand (ab Euro 15 inkl. Sanitäranlagen) am Nordufer gut aufgehoben. Dort stehen ganze Tonnen davon bereit. In den Badepausen fährt man mit dem Rad (kostenlos im Hotel) entlang funkelnder Salzkrusten, wandert am Bokek-Fluss zu einer Oase oder besucht Masada, die Bergfestung von König Herodes, ein Unesco-Weltkulturerbe mit grandioser Aussicht (Eintritt Euro 7, Seilbahn Euro 12 return).

Tipp: Im “Restaurant Taj Mahal„ (beim “Leonardo Inn Hotel„, En Bokek) gibt es eine köstliche Grillplatte mit orientalischen Vorspeisen (ab Euro 22,50), die auf Bodenkissen wie in einem Beduinenzelt serviert werden.

See Genezareth: Auf den Spuren der Bibel

Schilf raschelt am Ufer, schwarz-weiße Libellen flattern umher. Der See, auf dem Jesus gewandelt sein soll, strahlt eine beruhigende Atmosphäre aus und der Blick auf die teils grüne, teils karge Landschaft des Ginosartals und die Bergwelt um den Arbel ist famos.

Jerusalems Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.
Wer möchte, kann im See baden – es gibt kostenlose Badestellen und Strandbäder. Ausflugsboote im Antik-Look dümpeln auf dem Wasser. Fahren Sie mit (ab Euro 15/45 Min., www.jesusboats.com). Oder wollen Sie lieber selbst aktiv werden? Walk on Water Kayak (ab Euro 113/ 6 Std, www.walkonwaterkayak.com) bietet schöne Kajaktouren auf dem See an. An der Taufstätte am Jordan Baptismal Yardenit können Sie später Hand anlegen lassen. Hier reihen sich Gruppen von Gläubigen in weißen Kitteln, bis zum Bauch im Flusswasser, aneinander (Eintritt frei, Kittel obligatorisch, Gebühr ab US$ 10) und lassen sich von einem Priester taufen, den Fotografen gleich dabei.

Wer höflich fragt, darf sich sicher dazugesellen. Trubelig ist es auch im biblischen Dorf Capernaum (Eintritt ab Euro 1,30) und in der heiligen Stätte Tabgha (Eintritt frei), wo die Brotvermehrungskirche den berühmten Stein beherbergt, auf den Jesus wenige Brote legte, um Tausende zu sättigen. Tipp: Das Restaurant „Ktsy Hanahal“ serviert vorzügliche Kibbeh, Bulgur-Klöße mit Hack und Zwiebeln (ab Euro 9), und leckere Shish Taouk, gegrillte Hähnchenspieße (ab Euro 7 Kibbuz Ginosar).

Individuell reist man am besten per Mietwagen

Am besten per Mietwagen. Die Strecken sind kurz und die Sehenswürdigkeiten lassen sich gut mit dem Auto erreichen. Wichtig: Wegen der teils schlechten Ausschilderung lohnt ein Navi. Klären Sie vorab, ob Sie Versicherungsschutz im Westjordanland haben. Halten Sie den Reisepass immer parat. Startpunkt ist Tel Aviv. Zwei Tage für die Stadtbesichtigung und weitere Planung reichen aus. Nach Jerusalem braucht man nur eine Stunde (Morgen und späten Nachmittag wegen Staus meiden) und kann den restlichen Tag in der Altstadt verbringen. Zwei weitere Tage sollte man hier einplanen, um die Atmosphäre der geteilten Stadt zu schnuppern.

Für einen Ausflug nach Bethlehem bietet sich eine organisierte Tour an. Abenteuerlustige fahren mit dem Stadtbus (Euro 1,50) bis zum Checkpoint und nehmen anschließend ein Taxi ins Zentrum (ab Euro 6,50) – Pass nicht vergessen und sich auf Gepäckkontrollen einstellen. Zurück in Jerusalem geht es über die Straßen 1 und 90 weiter zum Toten Meer (1–2 Std). Hier sind zwei Tage schön inklusive Ausflug in die Negev-Wüste. Durch das Westjordanland führt die Straße 90 in drei Stunden zum See Genezareth (2 Tage). Die Strecke lässt sich problemlos bereisen, hat aber Passkontrollen, zum Beispiel am Abzweig nach Merav. Vom See geht es über Akko und Haifa (jeweils ein halber Tag) zurück nach Tel Aviv, wo man die Reise am Strand ausklingen lassen kann.

Die neue REISE & PREISE

Kilometerlange Strände und ein lebendiges Nachtleben mit Kneipen und schicken Clubs bietet die moderne Metropole Tel Aviv.
Den kompletten Beitrag mit vielen Infos, Hoteltipps etc. finden Sie in der neuen Ausgabe von REISE & PREISE. Titelthema ist ein Fernreise-Special mit handverlesenen Beachresorts an den schönsten Stränden der Welt – schicke, bezahlbare Traumhotels an tropischen Palmenstränden, die allesamt pauschal buchbar sind. Im zweiten Teil stellt die Redaktion zehn individuell geplante Rundreisen in Südostasien vor, die leicht zu organisieren sind und auch mit schmalem Budget machbar sind. Weitere Themen: Reiseplaner Südafrika & Kruger Nationalpark, New York, Thailand, Sizilien, Sri Lanka, Bolivien u.v.m. Die neue Ausgabe von REISE & PREISE gibt es jetzt am Kiosk.

Zehn Dinge, die Sie in Israel auf jeden Fall tun sollten

1. Mit der Tram durch Jerusalem fahren: Eine Fahrt kostet pro Strecke nur ab 1,50 Euro und bietet immer wieder neue Einblicke – eine preisgünstige und erlebnisreiche Form des Sightseeings.

2. Einen Granatapfelsaft trinken: Den frisch gepressten Saft bieten zahlreiche Stände in den Altstädten an (ab 3,75 Euro ) – gesund und lecker.

3. Surfen vor Tel Avis Skyline: Das ist Wassersport vor atemberaubender Kulisse. Kurse bietet das ISC-Surfcamp in Jaffa Port an (Retsif Ha-Aliya Ha Shniya 8, ab 38 Euro/90 Min).

4. In einem Kibbuz übernachten: Die traditionelle israelische Wohnform begrüßt auch Touristen, beispielsweise im Kibbuz Shaar Hagolan im Jordantal (www.elmulgolan.co.il; EZ/DZ ab US$ 144 ÜF, Lunch/Dinner in der Kibbuz-Kantine US$ 12).

5. Den Straßenmusikern lauschen: In Jerusalems nobler Mamilla Avenue spielen und singen regelmäßig orthodoxe Juden – was für ein Kontrast zum modernen Partyvolk in Tel Aviv.

6. Wandern in der Wüste Negev: Im Nationalpark En Avedat wandert man zwischen Steinböcken in atemberaubender, schattiger Schluchtenlandschaft (am besten per Mietwagen über Sede Boqer anreisen).

7. Mit einem Schreiber plauschen: In der Bergfestung Masada schreibt der 57-jährige Rabbi Shimshon an Tora-Rollen und weiß viel Spannendes darüber zu berichten (Eintritt Masada Euro 7).

8. Koscheren Wein probieren: Die Golan Heights Winery, Israels drittgrößte Weinkellerei, bietet klassische Touren über das Gut inkl. Weinverkostung an (ab Euro 5, www.golanwines.co.il).

9. Ballonflug ohne Fahrt: Einen wundervollen Blick auf Tel Avis Skyline hat man vom TLV Balloon (ab Euro 20/Erwachsener, Euro 14/Kind, www.tlv-balloon.co.il), der im HaYarkon Park in die Lüfte steigt – ein toller zehnminütiger Flug in einem fixierten Heißluftballon.

10. Ein Markt-Souvenir kaufen: Murat Jakobian bietet auf Jerusalems Mahane-Yehuda-Markt traditionelle Gewürzmischungen für Reisgerichte an (ab Euro 3/100 g) – ein leckeres Mitbringsel für zu Hause.

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