Krankschreibung wegen Heuschnupfen: Was Arbeitnehmer wissen müssen

LANDKREIS. Jeder fünfte Deutsche leidet nach Angaben von „Lungenärzte im Netz“ unter Pollonosis, besser bekannt als Heuschnupfen. Aber ist das ein Grund, sich krankschreiben zu lassen?


Von Julia Balzer

In diesem Artikel:

Urteil des BGH zur „Allergie-Krankmeldung“

Heuschnupfen kann der Gesundheit stark zusetzen. Wenn ständiges Niesen, juckende Augen und dadurch bedingte allgemeine Abgeschlagenheit es nicht zulassen, seine Arbeit zu verrichten, gilt man als arbeitsunfähig. Das Bundesarbeitsgericht urteilte dazu: „Ein Mitarbeiter – egal, ob wegen einer Allergie oder einer anderen Erkrankung – ist dann arbeitsunfähig, wenn sein Zustand ihn außerstande setzt, die ihm nach dem Inhalt des Arbeitsvertrags obliegende Arbeit zu verrichten, oder wenn er die Arbeitsleistung nur unter der Gefahr erbringen kann, dass sich sein Gesundheitszustand verschlechtert (Urteil vom 29. Januar 1992, Aktenzeichen: 5 AZR 37/91). Allergien gehören demnach nicht zu den vermeintlich harmlosen Krankheiten und sollten auch vom Arbeitgeber ernstgenommen werden. Für die Krankschreibung wegen Heuschnupfen gelten die gleichen Regelungen wie bei anderen Erkrankungen.

Wie melde ich mich krank?

In Paragraph 5 Entgeldfortzahlungsgesetz (EntgFG) heißt es: „Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen.“ Es ist hier jedoch nicht geregelt, bei wem und auf welchem Weg die Krankmeldung zu erfolgen hat. Geht das nicht aus dem Arbeitsvertrag hervor, am besten mit dem Arbeitgeber im Vorfeld klären. Sich per Telefon oder E-Mail krankzumelden, ist die Regel, in Zeiten von Messenger-Diensten kann auch Whatsapp eine Option sein.

Krankschreibung per Whatsapp?

Für Erkältungspatienten bietet das Hamburger Unternehmen AU-Schein sogar die Krankschreibung per Whatsapp an – ganz ohne Besuch beim Arzt. Ein paar Angaben zur medizinischen Vorgeschichte, Fragen zu Symptomen der akuten Erkältung, und der Telearzt schickt die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, kurz: AU, via Whatsapp aufs Smartphone.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung per Whatsapp: Diesen Service bietet ein Hamburger Unternehmen für Erkältungspatienten an.

Zweimal im Jahr hat der Arbeitnehmer die Möglichkeit, sich auf diese Weise krankschreiben zu lassen. Das kostet jeweils 9 Euro. Die Ärztekammern Hamburg und Schleswig-Holstein raten allerdings nicht nur aus datenschutzrechtlichen Gründen von der Nutzung des Online-Service ab. Auch müsse die rechtliche Grundlage des Online-Angebots geklärt werden, sagte Nicola Timpe von der Ärztekammer Hamburg.

Ab welchem Tag muss ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen?

Laut Gesetz muss der Arbeitnehmer am Folgearbeitstag des dritten Krankheitstages eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber vorlegen. Der Vorgesetzte kann jedoch schon ab dem ersten Tag ein ärztliches Attest verlangen, sofern dies im Arbeitsvertrag geregelt ist.

Wie muss ich mich verhalten, wenn ich krankgeschrieben bin?

Der Arbeitnehmer darf alles tun, was seine Genesung nicht verzögert. Zur Apotheke oder mal eben in den Supermarkt, um Medikamente oder Zutaten für die Hühnersuppe einzukaufen, sind selbstverständlich erlaubt. Sogar der Spaziergang an der frischen Luft ist zulässig, sofern er gesundheitsfördernde Wirkung hat. Der Kinobesuch, wenn der Arbeitnehmer wegen Grippe krankgeschrieben ist, ist hingegen selbstverständlich tabu.

Was tun, wenn ich mich wieder arbeitsfähig fühle?

Auch wenn der Arbeitnehmer noch krankgeschrieben ist, kann er seine Beschäftigung wieder aufnehmen. Er muss sich dafür nicht von einem Arzt „gesundschreiben“ lassen. Es besteht Versicherungsschutz sowohl in der Kranken- als auch in der gesetzlichen Unfallversicherung. Ein Beschäftigungsverbot gibt es also während der Krankschreibung nicht, allerdings sollte vorher Rücksprache mit dem Arbeitgeber gehalten werden. Hat sich der Gesundheitszustand noch nicht gebessert und liegt eine Verlängerung der Krankschreibung an, unbedingt vor Ablauf des Attests vom Arzt eine Folgebescheinigung ausstellen lassen.

Wenn ich krank bin, dann …

… teile ich dies und die voraussichtliche Dauer unverzüglich meinem Arbeitgeber mit.

… unterlasse ich alles, was meine Genesung verzögert.

… reiche ich ein ärztliches Attest zu der vertraglich oder gesetzlich festgelegten Frist ein.

… lege ich bei Verlängerung der Krankmeldung eine Folgebescheinigung vor Ablauf vor.

Was ist Heuschnupfen?

Betroffene, die unter Heuschnupfen leiden, reagieren auf Pollen, also die Blütenstaubteilchen, von Pflanzen allergisch, allen voran von Getreide, Gräsern und Bäumen wie Birke, Erle und Hasel. Typische Symptome sind fließender Schnupfen, verstopfte Nase, gerötete, juckende und tränende Augen sowie häufiges Niesen. Heuschnupfen tritt hauptsächlich während der Hauptblühperiode im Frühjahr und Sommer auf. Im Gegensatz zum ganzjährigen allergischen Schnupfen, der durch Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Tierallergene ausgelöst wird.

Die Nase läuft, die Augen brennen: Heuschnupfen kann Betroffene so stark beeinträchtigen, dass sie arbeitsunfähig werden. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
 

Digitale Helfer: Pollen-Apps

Wie hoch ist die Pollen-Belastung? Welche allergenen Gewächse blühen gerade? Wie hoch ist das Allergierisiko? Fürs Smartphone sind zahlreiche kostenlose Apps erhältlich, die über die aktuelle Pollen-Lage – oft per Push-Meldung – informieren.

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