Warum Hunde die besten Freunde des Menschen sind - Sieben Fragen an die Expertin

LANDKREIS. Ist das nicht schön? Heute ist der „Internationale Welthundetag“. Zehn Millionen Deutsche sollen einen Hund halten. Aber warum eigentlich? Was ist am Zusammenleben mit einem Hund so erstrebenswert? Das TAGEBLATT hat bei Diplom-Psychologin Ute Slebos-Klein nachgefragt.


In diesem Artikel:

„Für viele Menschen ist der Hund eine wichtige Bezugsperson und ersetzt auch fehlende menschliche Beziehungen“, sagt die Buxtehuder Diplom-Psychologin Ute Slebos-Klein. Na denn: Am Hunde-Boom gibt es keine Zweifel, die Zahl der registrierten Hunde in Niedersachsen steigt stetig an. 347.500 waren im April 2018 gemeldet, ein Jahr zuvor waren es 40.000 weniger. In Stade sind es derzeit 2385 und in Buxtehude 1511 Hunde, für die Steuer bezahlt werden müssen. In der Gemeinde Neu Wulmstorf gibt es gut 1200 gemeldete Hunde. Wobei die Statistik nicht unbedingt das wahre Hundeleben spiegelt, denn noch immer sind nicht alle Tiere im zentralen Hunderegister gemeldet, was letztlich bedeutet, dass etliche Hunde illegal gehalten werden.

Nach dem im Jahr 2013 in Kraft getretenen Niedersächsischen Hundegesetz müssen alle Hunde offiziell gemeldet werden, ihre Herrchen oder Frauchen müssen gleichzeitig ihre Tauglichkeit für die Hundehaltung nachweisen. Spätestens einen Monat nach der Anschaffung muss der Hund gemeldet sein, wer dies nicht macht, begeht eine Ordnungswidrigkeit – ein Bußgeld kann laut Gesetz bis zu 10.000 Euro betragen. Der offizielle Hundehalter muss seine Sachkunde nachweisen und eine Prüfung ablegen. Der theoretische Teil mit 35 Fragen muss vor der Anschaffung absolviert werden – der Test kostet 14 Euro und kann beliebig oft wiederholt werden. Die praktische Prüfung muss innerhalb des ersten Jahres nach der Anschaffung erfolgen.

Warum der Hunde-Boom?

„Es gibt sicherlich nicht nur den einen Grund“, sagt die Buxtehuder Psychotherapeutin und Diplom-Psychologin Ute Slebos-Klein, letztlich hätten sich die Bedingungen zum Halten eines Hundes verbessert, das gelte aus wirtschaftlicher Sicht auch für junge Leute, aber auch für die veränderten Situationen in der Arbeitswelt. „Somit sieht man heute in vielen Büros Hunde neben den Schreibtischen“, sagt die Psychologin. Außerdem sei es heute „in“, einen Hund zu haben, das Tier gehöre mitunter zum Lifestyle von jungen Menschen.

Woher kommt das Bedürfnis nach einem Hund?

„Haustierhaltung wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden der Halter aus, es kommt zu Stressabbau, höherer Lebenszufriedenheit, Senken des Depressionsrisikos, gesteigerter körperlicher Aktivität und dem Gefühl des Gebrauchtwerdens. Hier sind es vor allem die Hunde, die als volles Familienmitglied gesehen werden und somit zur Abrundung der Persönlichkeit gelten“, so Ute Slebos-Klein. „Menschen brauchen Empathie und Zuwendung, und zwar nicht nur über Facebook und Whatsapp, der Hund hört uns zu und ist froh, wenn jemand für ihn da ist“, sagt Udo Kopernik vom Verband des Deutschen Hundewesens.

Welche Hunde sind im Trend?

In den Hunderegistern ist in den vergangenen Jahren vor allem die Zahl bei den Rassen gestiegen, die als Lifestyle-Hunde gelten. In Hamburg sind es Labrador-Retriever, Jack Russell Terrier, Dackel, Golden Retriever. Auch Mops und Chihuahua liegen offenbar im Trend. „Kleine Hunde mit großem Kopf und großen Augen passen perfekt ins Kinderschema und lösen bei vielen Menschen einen Pflegetrieb aus“, sagt Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen.

Warum haben viele junge Paare einen Hund?

„Nur weil man jung ist, heißt das nicht, dass ein Haustier nicht zum Lifestyle passt oder der Killer für eine unbeschwerte Liebe ist“, sagt Silke Wechsung. Seit vielen Jahren forscht die Diplompsychologin an der Universität Bonn zur Mensch-Tier-Beziehung, vor allem mit Hunden. „Ein Haustier ist eine besondere Art von Verpflichtung“, erklärt sie, „eine Art Absicherung, dass man auch in schwierigeren Zeiten bereit ist, für die Beziehung zu kämpfen und aneinandergebunden ist. Für viele Paare vermitteln Haustiere ein Gefühl von Angekommensein.“ „Hunde sind für viele Kinderersatz“, sagt die Tierpsychologin Gabriela Hansen in der „Zeit“. Sie sagt aber auch: „Viele Hundebesitzer sind mit der Erziehung total überfordert, es ist auffällig, wie viele ihre Hunde nicht im Griff haben.“

Warum haben so viele TAGEBLATT-Journalisten Hunde?

Dafür gibt es keine wissenschaftliche Untersuchung. Fest steht aber, nach einer Untersuchung des Kölner Rheingold-Institutes, die wissenschaftlich fundierte These, dass der Hund ein entscheidender Flirt-Faktor ist. 77 Prozent aller befragten Hundebesitzer haben es bestätigt: Die beste, natürlichste Art, unbefangen mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen, sei ihr Hund. Der Hund tue das, was der Mensch sich nicht traue.

Gibt es auch Hundehasser in der Redaktion?

Die Vermutung ist groß, allerdings traut sich wegen des Betriebsfriedens niemand, das zu sagen, manche schlagen sogar aus Vertuschung derlei Hunde-Storys vor. Es stehen vor allem die Journalisten in Verdacht, die viel joggen und immer wieder den beliebten Satz hören: „Der will nur spielen.“

Was verraten uns Hunde über ihre Besitzer?

Die Wissenschaftler des Rheingold-Institutes haben auch ermittelt, dass der Hund vieles vom Leben und Charakter seines Besitzers widerspiegelt. Somit ermögliche er dem Gegenüber eine schnelle erste Einschätzung beim Kennenlernen. Der Wiener Verhaltensforscher Kurt Kotrschal hat die alte Binsenweisheit wissenschaftlich belegt: „Wie der Herr, so’s Gescherr“. „Es findet eine gegenseitige Stimmungsübertragung statt, vor allem vom Menschen auf den Hund“, sagt der Professor von der Uni Wien. In 80 Prozent der Fälle treffe das zu. Umgekehrt heißt das: Jeder fünfte Hundehalter übernimmt die Charakterzüge seines treuen Freundes.

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