Wenn Händler das Einwegpfand nicht auszahlen

Bei der Verbraucherzentrale Hamburg sind in den letzten Wochen zahlreiche Beschwerden von Bürgern eingegangen, denen Händler kein Pfand von Einwegflaschen und Einwegdosen auszahlen wollten - obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet waren. Das raten die Verbraucherschützer.

"Der Handel führt oft vorgeschobene Gründe an, um die Annahme von Einwegverpackungen zu verweigern", berichtet Tristan Jorde, Umweltberater bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Mal sei die Dose zu zerdrückt, mal führe man die Marke nicht, mal fehle ein Teil des Etiketts auf der Flasche. Dabei sind die Vorgaben des Gesetzgebers eindeutig und Händler in den meisten Fällen auch unter diesen Umständen in der Pflicht, das Einwegpfand auszahlen. "Doch die Leute mit den nicht ganz einwandfreien Flaschen und Dosen werden einfach abgewimmelt und bekommen kein Geld. Das ist vor allem dann schlimm, wenn die Menschen auf den Notgroschen angewiesen sind", so Jorde.

Besonders über den Einsatz von Pfandautomaten in Einkaufsmärkten ärgern sich viele Verbraucher. So gilt laut den Schilderungen einer Verbraucherin aus dem Kreis Neuss in ihrem Discounter vor Ort: Spuckt der Automat das Leergut wieder aus, nimmt der Markt die Flaschen und Dosen grundsätzlich nicht zurück. "Das geht nicht! Auch Supermärkte und Discounter müssen sich ans Gesetz halten", sagt Jorde. Die Rücknahmepflicht sei im Verpackungsgesetz klar geregelt und sie gelte auch für Leergut, das ein Automat vielleicht ablehnt. "Automat und Handel sind hier das Problem, nicht Flasche oder Dose."

Kioske sind ausgenommen

Seit 2006 können Verbraucher Verpackungen mit Einwegpfand überall dort abgegeben, wo sie auch verkauft werden. Ausnahmen gelten nur für Geschäfte mit weniger als 200 Quadratmetern Grundfläche, wie zum Beispiel Kioske. Ist die Pfandkennzeichnung zu erkennen, müssen die Einkaufsmärkte das Einweg-Leergut annehmen, ob mittels Automat oder Personal ist irrelevant. Form, Marke oder Inhalt dürfen bei der Rückgabe keine Rolle mehr spielen.

Umweltberater Jorde rät Verbrauchern, sich nicht abwimmeln zu lassen und die Händler in die Pflicht zu nehmen. "Sind die Filialen nicht einsichtig, ist eine Beschwerde bei den Abfallbehörden der Städte oder Landkreise angebracht." In Hamburg sind die Fachämter für Verbraucherschutz der verschiedenen Bezirke zuständig. Mehr Infos: www.vzhh.de/einwegpfand

Antworten auf die wichtigsten Fragen rund ums Flaschenpfand

Von Janine Vonderbank

Auf welche Verpackungen wird Einwegpfand erhoben? 

Auf Einwegverpackungen wie Getränkedosen aus Aluminium und Getränkeflaschen aus Glas und Kunststoff (Einweg-PET-Flaschen) mit einem Fassungs­vermögen zwischen 0,1 und drei Litern.

Was ist der Unterschied zwischen Einweg und Mehrweg?

Der Name sagt es schon: Einweg-Getränkeflaschen und -dosen werden nur einmal verwendet und anschließend recycelt. Mehrwegflaschen werden gereinigt und dann erneut befüllt, was umweltschonender ist.

Wie hoch ist das Einwegpfand?

25 Cent. Das Mehrweg-Pfand beträgt acht Cent (Bier) oder 15 Cent.

Woran erkenne ich Verpackungen mit Einwegpfand?

Einweg-Getränkeflaschen und -dosen tragen in der Regel das DPG-Zeichen (DPG steht für Deutsche Pfandsystem GmbH).

Einweggetränkeverpackungen sind mit dem DPG-Siegel gekennzeichnet. Foto: Lukas Schulze/dpa
 

Wo kann ich Einwegflaschen und Einwegdosen zurückgeben?

Überall dort, wo sie verkauft werden, zum Beispiel in Supermärkten und Discountern mit mehr als 200 Quadratmetern Grundfläche. Geschäfte, die kleiner sind, müssen nur Einweg-Leergut von Marken annehmen, die sie im Sortiment führen.

Was tun, wenn der Händler das Pfand nicht erstatten will, zum Beispiel, weil der Pfandautomat das Einweg-Leergut nicht angenommen hat und/oder die Verpackung beschädigt ist?

Laut Verpackungsgesetz ist der Händler verpflichtet, Einwegdosen und Einwegflaschen mit entsprechender Kennzeichnung anzunehmen, auch, wenn diese zerdrückt oder beschädigt sind. Wenn der Pfandautomat streikt, ist das Personal in der Pflicht. Weigert sich der Händler vehement und bringt ein Gespräch mit der Filial- oder Geschäftsleitung keinen Erfolg, empfiehlt es sich, Beschwerde bei den Abfallbehörden der Städte oder Landkreise einzureichen.

Wie lange kann ich meinen Bon aus dem Pfandautomaten einlösen? 

Drei Jahre ab Ausstellungsdatum.

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