Wie Nahrungsmittel-Allergien bei Kindern entstehen

LANDKREIS. Wie unterscheiden sich Nahrungsmittel-Allergien im Kindes- und Erwachsenenalter? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Darüber diskutierten Vertreter der Elbe Kliniken in Buxtehude während der diesjährigen Fortbildung „Derma meets Pädiatrie“.


Gastgeber und Moderator dieser Veranstaltung für niedergelassene Haut- und Kinderärzte aus der Region war in diesem Jahr Dr. Volker Berg, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Stade. Das Fortbildungsformat findet alle zwei Jahre entweder in den Räumlichkeiten der Klinik in Buxtehude oder Stade statt. Rund 50 Fachleute, neben Ärzten auch Ernährungswissenschaftler und Pflegekräfte trafen sich zum Austausch. Neben der Darstellung verschiedener Fallberichte, die unterschiedliche dermatologische Fragestellungen aufwarfen, war das Kernthema in diesem Jahr die Diagnostik und Behandlung von Nahrungsmittelallergien im Kindesalter.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Neue Erkenntnisse erhielten die Teilnehmer vom Hauptreferenten Dr. Lars Lange, der sich im Bonner Marienhospital seit vielen Jahren der Kinderallergologie widmet und an Studien mitwirkt. Lange machte klar, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. Sie haben meist nur ein oder zwei Allergien mit der größten Häufigkeit für Ei und Kuhmilch. Deren Sensibilisierung scheint sich insbesondere bei Kindern mit Neurodermitis über die Haut und nicht über den Magen-Darm-Trakt zu entwickeln.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen sind Nahrungsmittelallergien eher pollenassoziiert und äußern sich als Kreuzreaktion zur eigentlichen Allergie auf Frühblüher. Während im Kindesalter nur wenige primäre Nahrungsmittel eine Allergie auslösen, kann eine Allergie gegen Fisch zu jeder Zeit unabhängig vom Alter auftreten.

Ein Adrenalin-Pen rettet Leben

Weil die Schwere einer Reaktion anhand der klassischen Haut- oder Bluttests nicht vorhersehbar ist, sollten Nahrungsmittelallergiker oder -sensibilisierte unter ärztlicher Aufsicht dem verdächtigen Lebensmittel ausgesetzt werden. Dies geschieht in so genannten oralen Provokationstestungen. Die Kinderklinik des Elbe Klinikums in Stade solche Testungen im stationären Setting durch. Dadurch wird gewährleistet, dass die Allergengaben strukturiert, die Reaktionen nachvollziehbar sind und ein Abbruch der Testung sofort möglich ist.

Wenn eine allergische Reaktion auftritt, ob im Rahmen der Provokationstestung oder auch im Alltag des Allergikers, muss adäquat gehandelt werden. Zu diesem Thema referierte Dr. Klaus-Gerrit Gerdts, im Ruhestand befindlicher Kinderarzt und Notfallmediziner aus dem Landkreis Cuxhaven. Er machte er deutlich, dass die Gabe von Adrenalin Leben retten kann und eine Schulung im Umgang jeweiligen Adrenalin-Pens insbesondere für das betroffene Umfeld außerordentlich wichtig sei.

Schulung macht fit für den Notfall

Unter den Teilnehmern herrschte Einigkeit, dass eine strukturierte Schulung, wie sie die Arbeitsgemeinschaft Anaphylaxieschulung (AGATE e. V.) ausgearbeitet hat, alle Beteiligten am besten auf einen Notfall vorbereitet. Das Kompetenzzentrum für chronische Hauterkrankungen der Dermatologie am Elbe Klinikum Buxtehude bietet regelmäßig Schulungstermine an. Interessierte wenden sich an: 0 41 61 / 703 65 05.

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