Zöliakie: Mit dem „Chamäleon“ leben lernen

BUXTEHUDE. Die Diagnose Zöliakie bedeutet eine erhebliche Umstellung für die Patienten. Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft bietet in Kooperation mit dem Buxtehuder Kompetenzzentrum Seminare für Neubetroffene im Norden. Außerdem: Wissenswertes zu Ursachen, Symptome und Therapie.


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Diagnose Zöliakie – wer die gestellt bekommt, muss seine Essgewohnheiten komplett umstellen. Denn das Problem mit dem Gluten löst nur ein Verzicht auf ebendieses Klebereiweiß. Doch das versteckt sich auch in so manch verarbeitetem Lebensmittel, in dem es nicht unbedingt sofort vermutet wird. Um mit der aufgrund seiner vielgesichtigen Symptomatik auch als „Chamäleon unter den Krankheiten“ bezeichneten Glutenunverträglichkeit leben zu lernen, bedarf es eingehender Information. Und genau dahin zielt ein Schulungsangebot für Neubetroffene, das die Deutsche Zöliakie Gesellschaft e. V. (DZG) in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum für chronische Hauterkrankungen der Elbe Kliniken Buxtehude nun ganz neu auch im Norden Deutschlands auf den Weg gebracht hat.

Gastroenterologie rückt in den Fokus

Diplom-Oecotrophologin Silke Kothe – seit 20 Jahren in verschiedenen Bereichen als Ernährungsexpertin tätig und seit drei Jahren Mitarbeiterin des interdisziplinär aufgestellten Kompetenzzentrums – initiierte diese Kooperation. „Mal davon abgesehen, dass gastroenterologische Zusammenhänge allgemein immer stärker in den Fokus rücken, haben wir im Kompetenzzentrum tagtäglich mit Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten zu tun, und unter unseren Patienten sind natürlich auch immer wieder Weizenallergiker.

So hat die Dermatologie natürlich im Hinblick auf glutenfreie Ernährung einen entsprechenden Anknüpfungspunkt“, erklärt Silke Kothe. Nicht nur aus beruflichen Gründen, sondern auch aus eigenem Interesse hat sie sich intensiv mit dem Thema Zöliakie beschäftigt und ist selbst langjähriges Vereinsmitglied in der DZG.

Eine Anlaufstelle für Patienten im Norden

Die Idee, ein Zöliakie-Schulungsangebot für Neudiagnostizierte und deren Familien sowie für Ernährungsfachkräfte unter dem Dach des Buxtehuder Kompetenzzentrums anzusiedeln, stieß auch bei der DZG sofort auf positive Resonanz. „Ein solches Angebot gab es bis jetzt nur in unserer Zentrale in Stuttgart, unter der Leitung von hauptamtlichen DZG-Mitarbeitern. Denn dafür braucht es Experten, die nicht nur im Thema sind, sondern dieses auch patientengerecht und praxisnah vermitteln können. Insofern war die Zusammenarbeit mit dem Ernährungsteam des Kompetenzzentrums ideal, um eine Anlaufstelle im Norden zu schaffen“, so Ellen Duba, die sich mit Silke Kothe gemeinsam um die Organisation und Vorbereitung kümmert.

Silke Kothe vom Kompetenzzentrum der Elbe Kliniken Buxtehude und Ellen Duba von der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e. V. (v. l.) haben das Schulungsangebot organisiert und die erste Veranstaltung in Buxtehude geleitet. Foto: Weselmann

Warum umfassende Information unabdingbar ist

Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Dienst der DZG, ist dort Leiterin vom Team Ernährung und weiß aus Erfahrung: „Nach der Diagnose Zöliakie gestaltet sich für viele Neubetroffene der Start in einen glutenfreien Alltag häufig schwierig. Je besser Betroffene informiert sind, desto leichter kommen sie im Alltag mit ihrer Erkrankung zurecht.“ Das ist auch der Ansatz des Kompetenzzentrums, das Patienten mit Neurodermitis, Psoriasis, Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten interdisziplinär und individuell betreut. Es hat bereits entsprechende Schulungen für Neurodermitis- oder Psoriasis-Patienten genauso wie für Anaphylaxie-Patienten etabliert und konnte das örtliche Schulungsprogramm so nun noch um einen sinnvollen Baustein erweitern.

Austausch und praktische Tipps

Das Seminar für Neubetroffene thematisiert nicht nur die medizinischen Grundlagen der Zöliakie von den Symptomen bis hin zu möglichen Begleiterkrankungen, vor allem die glutenfreie Ernährung steht im Fokus. Dabei geht es zum Beispiel um Lebensmittelkennzeichnung und Spurenhinweise auf Produktverpackungen. Auch praktische Tipps zum glutenfreien Backen gehören dazu. „Besonders förderlich ist aber auch der Austausch Betroffener untereinander“, betont Ellen Duba. Auch dafür ist genügend Zeit eingeplant.

Und über die DZG bekommen betroffene auch Kontaktdaten zu kompetenten Ansprechpartnern in ihrer Region. Die Plätze für den ersten Schulungstermin im Februar waren schnell vergeben – mit Teilnehmern aus Norddeutschland vom Raum Hannover bis nach Flensburg hoch. Das zeige, wie groß der Bedarf sei, so Silke Kothe.


Termine für weitere Schulungen

  • Ein weiteres Grundlagenseminar im Buxtehuder Kompetenzzentrum ist für Sonnabend, 7. September, von 9 bis 15.30 Uhr geplant.
  • Ein Schulungsangebot, das sich speziell an Ernährungsfachkräfte wie Oecothrophologen, Diätassistenten, Ernährungsmediziner und diätisch geschulte Köche richtet, ist für Freitag, 6. September, geplant.

Näheres und Anmeldung: unter www.elbekliniken.de oder  0 41 61 /  7 03 65 05 sowie über die Deutsche Zöliakie Gesellschaft e. V. unter www.dzg-online.de oder  07 11 / 4 59 98 10.

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