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Jakobsweg

TAbenteuer Pilgertour: Von Apensen bis nach Santiago de Compostela

Mit Rucksack, Pilgerpass und Urkunde: Dennis Tiedemann-Harder hatte in Apensen auch Tipps zum Pilgern im Gepäck.

Mit Rucksack, Pilgerpass und Urkunde: Dennis Tiedemann-Harder hatte in Apensen auch Tipps zum Pilgern im Gepäck. Foto: Laudien

Der Jakobsweg war zweimal sein Ziel. Warum Dennis Tiedemann-Harder gepilgert ist und welche Tipps er mitbrachte.

Von Susanne Laudien Dienstag, 24.03.2026, 15:45 Uhr

Apensen. „Ich bin dann mal weg“ - das Buch und der Film über die Pilgertour von Hape Kerkeling haben manchen zum Nachmachen angespornt. Auch für Dennis Tiedemann-Harder aus Apensen war das Hörbuch der erste Impuls.

Gleich zwei Mal ist er mittlerweile den berühmten Jakobsweg gegangen - aus ganz unterschiedlichen Gründen: Beim ersten Mal war es die klassische Sinnkrise zum 40. Geburtstag in der Corona-Zeit. Er brauchte den Ausstieg aus dem Hamsterrad als Führungsposition eines großen Bekleidungsunternehmens. „Bei der zweiten Pilgertour im vergangenen Jahr folgte ich einer inneren Eingebung“, erzählte der Verwaltungsangestellte im Apenser Rathaus bei seinem Vortrag auf Anregung des Seniorenbeirats der Samtgemeinde.

Staubige Schotterpisten statt Urlaub am Strand

Sechs Wochen Urlaub nahm er 2025, um fast 800 Kilometer Fußmarsch zurückzulegen. „Gleich der Anfang über die Pyrenäen war die schlimmste Etappe.“ Nebel, Dauerregen, kein Handynetz und am Ende des Tages ein Etagenbett in einem kleinen Zimmer mit zwölf anderen Pilgern. Das ließ bei dem 45-Jährigen die quälende Frage aufkommen, warum er seinen Urlaub nicht entspannt am Strand verbrachte, sondern stattdessen nass bis auf die Unterhose Hunderte von Kilometern bergauf und bergab über Schotterpisten stolperte.

Zweimal unterwegs auf dem Jakobsweg: Dennis Tiedemann-Harder 2025 (links) und 2020.

Zweimal unterwegs auf dem Jakobsweg: Dennis Tiedemann-Harder 2025 (links) und 2020. Foto: Tiedemann-Harder

Unterhaltsam und realitätsnah berichtete Tiedemann-Harder von öden Strecken entlang der Autobahn, ausgestorbenen Orten und verschwitzter Kleidung bei sengender Sonne über 40 Grad. „Sechs Stunden lief ich geradeaus durch das Nichts.“ Zwischen Strapazen und Seelenstriptease gab es aber auch idyllische Lichtblicke wie grüne Weinberge, idyllische Gutshäuser, faszinierende Kathedralen und gastfreundliche Menschen, die Wasser anboten und zum Essen einluden.

Auf der Strecke blieben manchmal Ruhe und Besinnung, etwa wenn morgens 800 Pilger gleichzeitig zur Tagesetappe aufbrachen. „Das Gute daran, ich konnte mich nicht verlaufen.“ Ansonsten gibt es zur Orientierung auch gelbe Pfeile und Hinweistafeln. „Trotzdem habe ich mich zweimal verlaufen.“ Manchen Pilgern begegnete er mehrmals, mit einigen verbindet ihn seit der Tour eine Freundschaft.

Tipps für eine Pilgertour

Vielleicht die wichtigste Erkenntnis von Dennis Tiedemann-Harder: Pilgern ist nicht das gleiche wie wandern - und nicht so romantisch wie häufig geschildert. Hilfreich sei jedenfalls eine gute Reisevorbereitung. Den Pilgerpass beantragte der Apenser vor der Reise bei der Jakobskirche in Hamburg. Damit konnte er in günstigen Herbergen für rund 6 Euro in einfachen Mehrbettzimmern übernachten - „Gummimatratze und Bettwanzen inklusive“, sagt er. Mehr Komfort bieten private Unterkünfte für 10 bis 20 Euro.

Statt Reiseführer empfiehlt er eine Planungs-App - und einen Rucksack mit leichtem Gepäck. Dem Apenser reichten zwei Hosen, drei Paar Socken, drei Shirts, Smartphone und Powerbank, da es in den Herbergen oft keine Steckdosen gibt. „Alle vier Tage habe ich eine Herberge aufgesucht, wo ich waschen konnte.“

„Das Duschtuch trocknete während der Tagesetappen von rund 30 Kilometern hinten auf dem Rucksack.“ Wanderstöcke und Hirschtalg für die Füße wurden zu nützlichen Begleitern.

Am Ende des Weges und um etliche Eindrücke und Stempel der Stationen im Pilgerpass reicher, sei er einfach nur stolz gewesen, dass er es bis zum Ziel in Santiago de Compostela geschafft habe. Fazit des Pilgers: „Ich würde es noch mal machen.“

Neben einfachen Herbergen mit Mehrbett-Zimmern gab es auch komfortablere Privatunterkünfte, wie diese beiden Einzelzimmer zeigen.

Neben einfachen Herbergen mit Mehrbett-Zimmern gab es auch komfortablere Privatunterkünfte, wie diese beiden Einzelzimmer zeigen. Foto: Tiedemann-Harder

Der Jakobsweg führt über die Pyrenäen (rechts) quer durch Spanien bis nach Santiago de Compostela im Westen.

Der Jakobsweg führt über die Pyrenäen (rechts) quer durch Spanien bis nach Santiago de Compostela im Westen. Foto: Laudien

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