TAdrenalin-Kick am Stahlseil: Einmal quer über die Elbe fliegen
Ziplining auf der Insel Harvest Caye vor Belize. Eine Attraktion auch fürs Alte Land? Foto: Stephen Beaudet/Norwegian Cruise Line/dpa-tmn
Eine Megazipline als Touristenattraktion über die Elbe oder Mehrgenerationenwohnen im leer stehenden Gasthaus „Zur Post“. Beim Markt der Ideen gab’s keine Denkverbote.
Steinkirchen. Die Gemeinden Steinkirchen, Grünendeich und Hollern-Twielenfleth setzen auf Bürgerbeteiligung. Bei einem Markt der Ideen haben Bürger gemeinsam mit Kommunalpolitikern und Vertretern von Vereinen und Verbänden ihre Wünsche und Vorschläge für einen Dorfentwicklungsplan zu Papier gebracht - unterstützt von einem Team um die Stadtplaner Bentje Büttner und Frederik Stroot vom Fachbüro E&P Evers Stadtplanungsgesellschaft aus Hamburg.
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Ende 2026 könnten die ersten Projekte in der Dorfregion „An der Lühe“ starten. „Es gibt keine Denkverbote“, sagte die Bürgermeisterin von Steinkirchen, Sonja Zinke. Sie und ihre Kollegen Dirk Thobaben (Hollern-Twielenfleth) und Ulrike Mohr (Grünendeich) begrüßten das Engagement. Bei dem Treffen im Dorfgemeinschaftshaus füllten die Besucher unzählige Karteikarten aus.
Ideen für Alte Seefahrtschule und Gasthäuser
Bürger wünschen sich, dass unter anderem die 1890 errichtete Gaststätte „Zur schönen Fernsicht“ und die Alte Seefahrtschule von 1858 in Grünendeich, aber auch der leer stehende Gasthof „Zur Post“ in Steinkirchen aufgewertet werden. So könne im Haus der Maritimen Landschaft Unterelbe ein Café entstehen, um mehr Gäste in die frühere Navigationsschule zu locken. Das Planetarium und die neue Ausstellung zur Geschichte der Altländer Schifffahrt mit einem 3D-Modell der Elbe könnten davon profitieren.

Dorfregion: Erste Ideen liegen auf dem Tisch. Foto: Vasel
Damit nicht genug. Zinke und weitere Steinkirchener hoffen, dass der Eigentümer des Gasthofs „Zur Post“ die Chance ergreift - und sich Fördermittel sichert. Die Bürgermeisterin hat Ideen. Sie verweist auf das Mehrgenerationen-Wohnprojekt „Haus der Horizonte“ in der Alten Druckerei von 1926 am Freiburger Hafen. Im Juli 2022 gründeten Birte Riel und Frank Meier gemeinsam mit vier Mitstreitern die Genossenschaft „Haus der Horizonte - Wohnen und Leben ins Alter“ und schufen barrierearme Wohnungen mit Gemeinschaftsräumen plus Ferienzimmer. Sie kooperieren mit dem Altländer E-Carsharing-Verein Dorfstromer.

Das Dorfgemeinschaftshaus „Zur schönen Fernsicht“ in Grünendeich - bald Jugendzentrum und Haus der Kultur? Foto: Vasel
Bei der Fernsicht gab es die Idee, die gemeindeeigene Immobilie als Haus der Jugend und Kultur der Öffentlichkeit zu erhalten. Das samtgemeindeeigene Jugendzentrum könnte einziehen. Ein Käufer fand sich bekanntlich bislang nicht für das als Dorfgemeinschaftshaus genutzte Denkmal. Diese Pläne entsprächen ganz dem Geist des Förderprogramms: die Dorfgemeinschaft erhalten und fördern. Weitere Idee: Indoorspielplatz - ähnlich dem Kidsplanet in Harsefeld. Karls Erdbeerhof wird es wohl nicht geben. „Doch wir brauchen mehr Schlechtwetter-Angebote“, so Zinke mit Blick auf den Tourismus.
Auch der ÖPNV war Thema: Der Anleger in Twielenfleth sollte von Elbfähren angelaufen werden. Gewünscht wird eine regelmäßige Busverbindung zum S-Bahnhof in Dollern. Bürger Stefan Walter aus Hollern-Twielenfleth machte sich für autonom fahrende Busse im Alten Land und E-Ladesäulen an touristischen Hotspots wie dem Bassenflether Strand stark. Stichwort Einzelhandel: Gewünscht wird ein Vollsortimenter in Hollern.
Mit 21 Jahren war Frederik Schindler der jüngste Teilnehmer. Der Fußballer der SG Lühe machte sich für einen Kunstrasen stark, um Training und Spielbetrieb ganzjährig zu sichern. Auch eine Soccer Arena (Fußballkäfig) wie in Dollern - geeignet für Fußball und Basketball - war Thema. Mehr Abenteuer und mehr Abwechslung, das hatten auch die Schüler bei Treffen mit den Stadtplanern ihnen auf den Weg gegeben: Bessere Bolz- und Spielplätze, ein Wasserspielplatz ist im Gespräch, wünschen sich die Kinder und Jugendlichen. Auch auf der Liste: Wildpark, Alpaka-Farm, Hallenbad und eine Achterbahn.
Megazipline als Touristenattraktion
Letztere wird wohl ein Wunschtraum bleiben. Doch im Gespräch ist eine Zipline zwischen Elbdeich und Lühesand. Ansatz: Adrenalin und Panorama-Ausblick. Gesichert an einem Gurt, könnten Menschen an einem Drahtseil über die Nebenelbe gleiten. In der Urlaubsregion Harz ziehen diese viele Besucher an - etwa an der Rappbodetalsperre.
Auch Radwege durch die Obstplantagen stehen auf dem Wunschzettel. Wege auf den Deichen sollen besser gepflastert werden. Der Hafen Steinkirchen soll Radfahrer und Spaziergänger zum Verweilen einladen - mit Infos zur Geschichte. Weitere Ideen: Beachbar, Geschichtslehrpfad, Wassertourismus-Touren an Elbe, Schwinge und Lühe und Gemeinschaftssolaranlagen.

Ideensammler bei der Bürgerbeteiligung der Dorfregion „An der Lühe“ im Dorfgemeinschaftshaus in Steinkirchen. Im Hintergrund: die E&P-Stadtplaner Bentje Büttner und Frederik Stroot und Regionalmanagerin Anne Rosenfeld. Foto: Vasel
Der Dorfentwicklungsplan dient als Regiebuch. Es soll ein Leitbild und beabsichtigte Projekte beinhalten. Zuschüsse bis zu 500.000 Euro sind bis 2034 möglich. Eine Förderung von bis zu 75 Prozent winkt für öffentliche Maßnahmen wie Freibad-Sanierung oder Spielplatzbau. Bei Privaten gibt es Zuschüsse von bis zu 35 Prozent, beispielsweise zum Erhalt ortsbildprägender Gebäude durch Schaffung von Wohnraum, Büros, Ferienwohnungen, Hofläden und -cafés oder Reetdachsanierung.
Wenn das Land den Plan absegnet, könnten zum 30. September 2026 erste Förderanträge gestellt werden, so Regionalmanagerin Anne Rosenfeld. Das Feintuning beginnt am 17. April mit der Projektwerkstatt.
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