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Friseurhandwerk

TAllein unter Männern: In Wiegersen gibt es eine Barbierin

Trends und Techniken des Barberhandwerks gehen Stefanie Lauritsen gekonnt von der Hand.

Trends und Techniken des Barberhandwerks gehen Stefanie Lauritsen gekonnt von der Hand. Foto: Laudien

Barbier? Viele denken da an einen Mann. In Wiegersen ist das Gegenteil der Fall. Hier lockt Stefanie Lauritsen Kunden von weit her in ihren Laden. Was macht sie so besonders?

Von Susanne Laudien 01.08.2026, 11:50 Uhr

Wiegersen. „So wie immer“, sagt Rick kurz und knapp und setzt sich auf einen der bequemen Friseurstühle. Früher habe er sich die Haare selber geschnitten, erzählt der junge Mann aus Hammah. Eine Freundin habe ihm dann den Tipp zum Barbershop in Wiegersen gegeben. Seitdem komme er regelmäßig alle vier Wochen in den Ortsteil der Gemeinde Sauensiek.

Das Besondere: Der Barbier in dem 800-Seelen-Dorf ist eine Frau. In der traditionellen Barber-Szene sind Frauen eher selten. Der Beruf des Barbiers wird von Männern dominiert, die klassische Rasur und das Bartstyling gelten immer noch als eine Männerdomäne.

Rick aus Hammah gehört inzwischen zu Lauritsens Stammkunden.

Rick aus Hammah gehört inzwischen zu Lauritsens Stammkunden. Foto: Laudien

Die präzise Handwerksarbeit von Stefanie Lauritsen wird geschätzt. Ihre Kunden nehmen weite Wege auf sich, kommen etwa aus Cuxhaven oder Schwerin, um sich bei Steffi, wie alle sie nennen, unter das Messer zu begeben.

Rasieren, Bartpflege und ein moderner Schnitt gehören zu den häufigsten Männerwünschen in ihrem Barbershop. „Bei mir finden Männer einen Rückzugsort. Ich setze die Tradition des Barbier-Handwerks fort und biete Pflege und Entspannung.“

Bier und Dart im Barbershop

Der Barbershop in Wiegersen wurde seit der Eröffnung vor zwei Jahren geradezu überrannt. Aufgrund langer Wartezeiten kann Lauritsen im Moment keine Neukunden annehmen. Was ist für sie das Besondere am Barber-Handwerk?

„Ich mag es oldschool so wie früher die Barber mit Messer und Schürze“, sagt die 50-Jährige. Aber sie nehme sich auch Zeit für ihre Kunden. „30 bis 40 Minuten dauert etwa der Friseurtermin bei mir. Für die Männer gibt es Kaffee, im Kühlschrank ist Bier kalt gestellt, und wer Lust und Zeit hat, kann auch gerne eine Runde Dart spielen oder sich vor die Tür in die Sonne setzen.“

Angesagte Schnitte: Slickback, Razor Fade und Taper Fade

Die Atmosphäre sei locker und entspannt. Manche Männer genießen die Auszeit und schließen beim Schneiden die Augen. Andere wollen reden, manche nur über das Wetter, einige erzählen, was sie bewegt.

Anschauliche Beispiele für unterschiedliche Frisurentrends im Barbershop in Wiegersen.

Anschauliche Beispiele für unterschiedliche Frisurentrends im Barbershop in Wiegersen. Foto: Laudien

Klasse statt Masse ist Steffi wichtig. Dazu zählen angesagte Herrenschnitte wie der klassische Slickback (Haare werden glatt nach hinten gekämmt, Seitenpartien kurz geschnitten), Razor Fade (Kurzhaarschnitt, bei dem der untere Bereich bis auf die Haut abrasiert wird), Taper Fade (weichere Variante), Modern Mullet (vorne kurz, hinten lang) sowie Grauhaartuning, Strähnchen, Dauerwelle und Bartpflege.

Auswanderung nach Norwegen

Das klassische Friseurhandwerk hat Stefanie Lauritsen, die in Wernigerode geboren ist, in jungen Jahren im Harz gelernt. „Ich wollte nie etwas anderes machen“, sagt sie heute. Mit großer Leidenschaft für ihren Beruf hat sie sich im Laufe ihres Berufslebens bei Trends, Techniken und Farben weiterentwickelt.

Das „Quartier 27“ an der Wiegerser Straße 27.

Das „Quartier 27“ an der Wiegerser Straße 27. Foto: Laudien

Die Initialzündung für ihren Umstieg in die Männerwelt kam nach der Rückkehr aus dem Ausland. Im Jahr 2010 war sie ausgewandert, lebte sieben Jahre in Norwegen. „Ich wolle einfach mal raus und hatte Lust auf das skandinavische Land.“ Eine Anstellung habe sie dort sofort gefunden. „Als Friseurin findet man auf der ganzen Welt einen Job.“

Doch in der provinziellen, stark regnerischen Region wurde sie auf Dauer nicht glücklich. „Norwegen ist landschaftlich sehr schön, aber ich wollte dann etwas Neues ausprobieren.“ Zurück in Deutschland und ohne weitere Lust auf Fasson- und Rundschnitt, spezialisierte sie sich nach einer entsprechenden Ausbildung auf den Herrenbereich und das Barbierhandwerk.

Ehemann baut ihr einen Barbershop

Hinsichtlich der Altersversorgung für angestellte Friseure sind die Aussichten im Allgemeinen nicht besonders rosig. „Ich habe immer in Vollzeit für den Mindestlohn gearbeitet, und meine beiden Kinder waren stets die Ersten und Letzten im Hort. Dennoch habe ich nur eine geringe Rente zu erwarten“, erzählt sie.

Umso dankbarer sei sie ihrem heutigen Ehemann Felix Lauritsen, den sie nach ihrer Rückkehr aus Norwegen kennenlernte. 2019 zog sie zu ihm nach Wiegersen, wo er eine Firma für Haustechnik führt. Er unterstützte sie bei ihrer Selbstständigkeit und baute an der Wiegerser Straße 27 das „Quartier 27“.

Die Männerwelt in Wiegersen mit rustikaler Einrichtung.

Die Männerwelt in Wiegersen mit rustikaler Einrichtung. Foto: Laudien

Mit rustikalen Details wie Naturholzbrettern und rostbraunen Wänden richtete Stefanie Lauritsen dort ihren Wohlfühlort für die Männerwelt ein. Sie sei schon früher in der Schule lieber mit Jungs zusammen gewesen, sagt sie. „Männer sind meistens unkomplizierter.“

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