TApenser Familienbetrieb: Drei Schwimmmeister aus drei Generationen
Enkel Bulwye, Großvater Rainer Peters und Tochter Esther Deppe-Becker sind Schwimmlehrer aus Leidenschaft. Foto: Laudien
Großvater, Tochter und Enkel - etlichen Kindern haben sie das Schwimmen schon beigebracht. Wie es dazu kam und was sie an diesem Beruf begeistert.
Apensen. Bei tropischem Klima um die 30 Grad sitzen zehn Kinder vergnügt am Beckenrand und strampeln ausgelassen mit den Füßen im Wasser. Die Vier- und Fünfjährigen wurden von ihren Eltern zu dem Seepferdchen-Kursus bei Robby die Schwimmschule in Apensen angemeldet.
Die Eltern nehmen weite Anreisen in Kauf
In einem Wartebereich verfolgen die Eltern auf einem großen Bildschirm live das Geschehen. Sie sind mit ihren Kindern am Samstagmorgen teils über weite Strecken aus Norderstedt und Kellinghusen nach Apensen angereist. Schwimmkurse für Kinder sind vielerorts ausgebucht und die Wartelisten teils sehr lang.

Samstagvormittag beim Seepferdchen-Kursus in Apensen. Foto: Laudien
„Wir sind froh, dass wir hier für Tom einen Platz bekommen haben“, sagt Julia Holst aus Hollenstedt. Die Schwimmschule sei ihr von Freunden empfohlen worden. Einfühlsam und mit Spaß werde hier unterrichtet, sei ihr berichtet worden.
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„Wir haben uns anfangs für den Flipperkurs angemeldet und nur wenige Tage später Bescheid bekommen, dass Tom an dem Wochenend-Crash-Kurs für das Seepferdchen-Abzeichen teilnehmen kann. Mir war es wichtig, dass er bis zur Freibadsaison schwimmen kann“, sagt die Mutter.
Drei Generationen in einem Lehrschwimmbecken
Der Schwimmkursus in Apensen geht über zehn Termine und wird samstags und sonntags, jeweils eine dreiviertel Stunde, von erfahrenen Schwimmlehrern geleitet. An diesem Vormittag sind gleich drei Generationen des Familienbetriebes im Wasser: Rainer Peters (74), Tochter Esther Deppe-Becker (53) und ihr Sohn Bulwye (24).

Ohne Frierfaktor: Seepferdchen-Kursus in Apensen bei 32 Grad Wassertemperatur mit drei Schwimmlehrern aus einer Familie. Foto: Laudien
Der 74-jährige Großvater ist mit Leib und Seele Schwimmlehrer. Über 16 Jahre hat er im Hollenstedter Freibad etlichen Kindern das Schwimmen beigebracht. „Auch Esther hat damals bei mir als Vierjährige ihre ersten Schwimmzüge gemacht“, sagt der Senior. Gerne erzählt er von der damaligen Zeit im Freibad.
Max Schmeling weihte die Wasserrutsche ein
„Die Wasserrutsche hat noch Max Schmeling, der deutsche Box-Weltmeister, gespendet. Ich habe ihn damals kennengelernt, er wohnte mit seiner Ehefrau, der Schauspielerin Anny Ondra, bei Hollenstedt.“

Mit Spaß und Geduld: Der 74-jährige Rainer Peters hat schon vielen Kindern das Schwimmen beigebracht. Foto: Laudien
Doch dass früher nicht alles besser war, weiß auch Peters. Manchmal sei es ganz schön hart für die Kinder gewesen, berichtet der 74-Jährige. Etwa wenn die Kids bei einer Außentemperatur von 16 oder 17 Grad beim Schwimmkursus ins kühle Wasser mussten und mit blauen Lippen vor Kälte zitterten.
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Er freue sich daher besonders über die moderne Schwimmschule ohne Frierfaktor seiner Tochter in Apensen. „Es ist ein Traum mit einer Wassertemperatur von 32 Grad und einer umweltfreundlichen Technik“, schwärmt Peters.
Die Leidenschaft und Berufung, Kindern das Schwimmen beizubringen, liegt der Familie offensichtlich im Blut. Tochter Esther hängte dafür sogar einst ihren Beruf als Buchhalterin an den Nagel. Als ausgebildete Schwimmlehrerin wagte sie den Sprung ins kalte Wasser und gründete ihre eigene Schwimmschule in einem Buxtehuder Seniorenheim mit kleinem Schwimmbecken.
Von Buxtehude nach Apensen ins neue Domizil
Als der Betrieb dort aufgrund der großen Nachfrage zunehmend aus den Nähten zu platzen drohte, suchte die Buxtehuderin nach einem neuen Domizil. Dabei stieß sie auf zwei Investoren, die ihr für einen Neubau in Apensens Gewerbegebiet unter die Arme griffen.
2021 stieg ihr Sohn Bulwye in den Schwimmschulbetrieb mit ein. „Ich habe schon vorher hier geholfen“, sagt der 24-Jährige. Was sei für ihn das wichtigste beim Schwimmunterricht mit den Kindern? „Gefühl und Geduld haben und keinen Druck machen, damit die Kids auch Spaß am Schwimmunterricht haben“, so Bulwye.
„Jedes Kind ist völlig unterschiedlich, manche sind ängstlich und wasserscheu, andere wiederum tauchen sofort ein“, ergänzt sein Großvater aus langjähriger Erfahrung. „Nach dem Abschluss der Schwimmkurse finde ich es immer wieder erstaunlich, was die Kinder in kürzester Zeit gelernt haben und wie sie dann ohne Angst schwimmen können.“
Traurig und bedauerlich findet Peters allerdings, dass in der heutigen Zeit Kinder ertrinken, weil sie nicht schwimmen können - und dennoch aufgrund klammer Kassen an den Schulen beim Schwimmunterricht gespart werde.
Was raten die Schwimmlehrer, wenn Kinder noch nicht schwimmen können? „Eltern sollten unbedingt regelmäßig mit ihren Kindern ins Schwimmbad gehen und zusammen das Schwimmen üben.“ Übung mache das Seepferdchen. Das gelte auch nach dem Seepferdchen-Kursus, da Kinder das Erlernte ansonsten schnell wieder vergessen könnten.
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