TBeckdorfer Tischlerei ist gerettet - Goldbecker Meister übernimmt
Johanna Bösch und der neue Firmenchef Fabian Ahlf mit Fenstern „made in Beckdorf“. Foto: Laudien
Die Tradition bleibt - der Name ändert sich: Nach über 150 Jahren wird Tischlerei Holst zur Tischlerei Fabian Ahlf. Was ein TAGEBLATT-Artikel damit zu tun hat.
Apensen. Es war nicht einfach und hat länger gedauert - doch jetzt können Heinrich Holst und Tochter Johanna Bösch aufatmen: Seit 1. Januar hat ihre Tischlerei Holst einen Nachfolger. Ausschlaggebend dafür war ein TAGEBLATT-Artikel vor knapp einem Jahr über ihre verzweifelte Suche nach einem Nachfolger. „Nach dem Artikel haben sich gleich zwei Interessenten bei uns gemeldet“, sagt Bösch. Einer davon war der Goldbecker Tischlermeister Fabian Ahlf. „Bei ihm hatten wir gleich ein gutes Gefühl“, ergänzt die 39-Jährige.
Ahlf hatte sich nach der Meisterschule 2023 in Goldbeck selbstständig gemacht. „Ich habe im eigenen Keller und in meiner Garage mit meinem Tischlerbetrieb angefangen“, erzählt der 29-Jährige. Dort wurde es ihm aber schnell zu eng. Im März 2024 zog er mit seinem Betrieb ins Apenser Gewerbegebiet und mietete die Räume der ehemaligen Fensterbau-Firma Zabel an, die Insolvenz gegangen war. „Ich stellte dort meinen ersten Gesellen ein.“
Anfänge im eigenen Keller
In den neuen Räumen ging es weiter bergauf und Ahlf konnte seinen ersten Auszubildenden und weitere Gesellen einstellen. Doch auch in Apensen stieß die aufstrebende Tischlerei schon bald an räumliche Grenzen. „Ich habe nach einer Alternative gesucht und in Beckdorf nach einem Grundstück Ausschau gehalten“, erzählt der Goldbecker. Dann las er im TAGEBLATT, dass Tischlerei Holst einen Nachfolger sucht - und er nahm Kontakt zu Firmenchef Heinrich Holst auf.
„Bei der Wahl zwischen den beiden Bewerbern war letztlich entscheidend, dass der andere Interessent keinen Meistertitel hatte“, sagt Johanna Bösch. Sie ist gelernte Tischlerin und hat Holz-Ingenieurwesen studiert. „Auch ich habe keinen Meistertitel und kann daher keine Lehrlinge ausbilden. Wir wollten aber, dass unser Betrieb für unsere vier Mitarbeiter eine Zukunftsperspektive hat.“

Ein neues Firmenschild ist bereits in Arbeit: Fabian Ahlf und Johanna Bösch vor der Tischlerei im Beckdorfer Gewerbegebiet. Foto: Laudien
„Papa ist jetzt mit der Übergabe an Fabian sehr glücklich und muss sich mit 77 Jahren nur noch überlegen, was er mit seiner neuen Freizeit anfängt.“
Zum Jahresende folgte der Umzug von Apensen nach Beckdorf. „Im Januar waren wir noch in beiden Betriebshallen tätig“, berichtet Ahlf.
Finanzielles Wagnis für den 29-Jährigen
Für den jungen Tischlermeister ist die Übernahme des traditionsreichen Familienbetriebs von 1870 mit Ende zwanzig ein großer Schritt und finanziell ein Sprung ins kalte Wasser. Für den Kauf von Haus, Grundstück und Inventar der Beckdorfer Tischlerei musste Ahlf einen Kredit aufnehmen. Zudem hat sich mit der Übernahme seine Mitarbeiterzahl verdoppelt. „Ich trage jetzt auf einen Schlag für acht Familien die Verwantwortung.“
Warum hat er dennoch diese Entscheidung gewagt? „Ich wollte ein gewisses Wachstum und mir in der Gemeinde eine berufliche Zukunft aufbauen.“
Über die Auftragslage macht sich Ahlf derzeit keine Sorgen. „Wir haben Arbeit ohne Ende und werden in gewohnter Weise bei Anfertigungen, Einbauten, Reparaturen und Einbruchschäden auch weiterhin für die Kunden der Tischlerei Holst zur Stelle sein“, betont der 29-Jährige.
Auch über einen Fachkräftemangel kann er nicht klagen. „Wir haben mehrere Bewerbungen für Gesellen vorliegen.“ Entscheidender Vorteil für ihn sei aber, dass Johanna Bösch weiterhin im Büro mitarbeitet. „Vorher musste ich nach einem Acht-Stunden-Tag noch die Büroarbeit machen“, so Ahlf. „Wir ergänzen uns wirklich sehr gut. Es ist für alle die optimalste Lösung“, bestätigt die 39-Jährige.
Kunststoff-Fenster made in Beckdorf
Neu in der Beckdorfer Tischlerei ist jetzt, dass dort auch Kunststoff-Fenster selber gefertigt werden. Dafür hat Ahlf das Equipment einer insolventen Firma aufgekauft. „Wir stellen die Fenster aus recyceltem Material her und haben dadurch einen guten ökologischen Fußabdruck.“ Das gesamte Betriebsspektrum umfasst die Bautischlerei mit Fenster, Türen, Einbauten, Rollläden, Fußböden und zunehmend auch Insektenschutz-Elementen. „Alles selbst gebaut und made in Beckdorf“, betont Ahlf. Daher unterstütze er auch die heimische Gemeinde wie etwa den Beckdorfer Handball-Verein.
Demnächst wird noch das große Firmenschild der Tischlerei Holst über dem Betriebsgebäude durch „Tischlerei Fabian Ahlf“ ausgetauscht. Im Sommer ist ein Tag der offenen Tür geplant. Den genauen Termin muss der künftige Familienvater allerdings noch auf den Geburtsstichtag seines ersten Kindes abstimmen.

Tochter Johanna Bösch und Vater Heinrich Holst hatten mit einem Nachfolger für die Tischlerei schon nicht mehr gerechnet. Foto: Laudien

Johanna Bösch mit ihrem neuen Chef Fabian Ahlf. Foto: Laudien
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