TEinheitsgemeinde Altes Land-Horneburg? Für Matthias Riel kein Tabuthema
Matthias Riel (parteilos) antwortet auf die Fragen von TAGEBLATT-Reporter Björn Vasel. Foto: Buchmann
Matthias Riel kandidiert für eine zweite Amtszeit im Jorker Rathaus. Am Brüggerei-Tresen stellte er sich den Fragen von Reporter Björn Vasel und den Besuchern. Auch Maria Furtwängler war ein Thema.
Estebrügge. Eigentlich öffnet das Brüggerei-Team immer mittwochs die Türen der hauseigenen Kneipe in Estebrügge. Für den TAGEBLATT-Kneipentalk machte es eine Ausnahme. So fanden sich am Montagabend 25 interessierte Bürger aus der ganzen Gemeinde in der Brüggerei ein, um dem Gespräch zwischen Bürgermeisterkandidat Matthias Riel (parteilos) und TAGEBLATT-Reporter Björn Vasel zu lauschen und ihre Fragen per Bierdeckel einzubringen.
25 Besucher kamen am Montagabend zum Kneipentalk in die Brüggerei. Foto: Buchmann
Die Einstiegsfrage für den Amtsinhaber formulierte Vasel bewusst provokant: Ob es nicht sinnvoll wäre, die Gemeinde Jork und die Samtgemeinde Lühe zur „Einheitsgemeinde Altes Land“ zu fusionieren? „Wir müssen in größeren Strukturen denken“, antwortete Riel. Angesichts der aktuellen Entwicklungen, in denen Gemeinden immer mehr Pflichtaufgaben von Bund und Ländern delegiert bekommen, müsse man vor Ort die Kompetenzen bündeln.
Eine Einheitsgemeinde Altes Land-Horneburg?
„Ich würde sogar noch weiter gehen und Horneburg noch mit einbeziehen“, sagte Riel. Eine Einheitsgemeinde Altes Land-Horneburg? „Das hört nicht jeder gerne, ich bin aber ein Freund von interkommunaler Zusammenarbeit“, begründete er. Auf die Nachfrage, wo bei seiner Idee das zentrale Rathaus stationiert wäre, antwortete Riel augenzwinkernd: „Natürlich im Herzen des Alten Landes, also in Jork. Es ist ja auch das schönste Rathaus und am meisten im Fernsehen zu sehen.“
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Bei einem Blitzquiz unter dem Motto „Wie gut kennst du deine Gemeinde?“ musste Matthias Riel sein Ortswissen beweisen. Auf die Frage, welcher berühmte Dichter in Jork in einen Graben stürzte, kam Matthias Riel ordentlich ins Grübeln: „Oh Gott. Ich verbinde Lessing mit Jork, aber ob der in einen Graben gestürzt ist?“ Mit seiner Vermutung lag er richtig.
Ich fühle mich hier in Jork beruflich noch nicht fertig.
Matthias Riel, Bürgermeisterkandidat in Jork
Besucher des Kneipentalks erfuhren allerlei Persönliches über den Rathauschef: Er bevorzugt Sushi vor Currywurst, auf Feiern trifft man ihn eher am Tresen als auf der Tanzfläche an. Und wenn er die Wahl hätte, einen Film entweder mit Felicitas Woll oder Maria Furtwängler zu drehen? Riels Antwort kam ohne Zögern: „Mit Felicitas Woll.“ Die „Neuer Wind im Alten Land“-Filmreihe schaue er gerne, den umstrittenen Altländer „Tatort“ habe er nicht gesehen „und ich will ihn auch nicht sehen“.
Wieso er für eine zweite Amtszeit im Jorker Rathaus kandidiere, beantwortete Riel mit leichtem Lokalpathos. „Wir merken vor Ort, was diese Arbeit bedeutet.“ Es mache ihm Spaß, etwas für die Menschen zu tun, sagte er und lobte sein Rathaus-Team. „Ich fühle mich hier in Jork beruflich noch nicht fertig“, ergänzte er.
Neue Gewerbegebiete auf Kosten des Obstbaus
Im weiteren Gesprächsverlauf widmeten sich Moderator Vasel und Tresengast Riel diversen Themenwelten. Binnenelbe, ÖPNV, Wohnraumsituation: Unaufgeregt und fachlich versiert lieferte Riel Antwort um Antwort.
Neue Wohn- und Gewerbegebiete müsse man „in kleineren Schritten denken“, damit die Infrastruktur und insbesondere Angebote für Familien mitwachsen können. Beim neu geschaffenen Wohngebiet „Westlich Appelhoff“ in Jork-Borstel rechnet Riel bis zum Jahresende mit 15 verkauften Bauplätzen.

Themenfragen, ein Fragensprint und Bürgerfragen auf Bierdeckeln: Matthias Riel und Björn Vasel im Gespräch. Foto: Buchmann
Als ein Besucher fragte, ob bei stagnierendem Käuferinteresse auch eine größere Wohnanlage durch einen Investor vorstellbar wäre, entgegnete Riel: Die Nachfrage sei „durchaus da“, eine solche Anlage wäre durch den Bebauungsplan gar nicht möglich. Wo in Jork noch Platz für Gewerbegebiete wäre, beantwortete er ehrlich: Ohne Obstbauflächen in Anspruch zu nehmen, seien neue Gebiete aktuell nicht möglich.
Wann bekommt Estebrügge seinen Supermarkt?
Bei Themen wie dem Ansiedeln eines Supermarktes in Estebrügge blieb Riel noch unklar. Bereits seit Jahren wünscht sich das Dorf einen eigenen Vollsortimenter, die meisten fahren zum Einkaufen bisher nach Buxtehude. Bis zum „Ende der Wahlperiode müsste es eigentlich da sein“, sagte Riel. Er rechne damit, dass bis Ende des Jahres das „Wo“ geklärt sei - „und vielleicht auch, wer“.
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Auf zuvor verteilten Bierdeckeln konnten Besucher des Kneipentalks ihre eigenen Fragen an Matthias Riel in das Gespräch einbringen. Von der Verschlickung der Este über neue Sitzbänke auf den Deichen bis zu Autorasern in Moorende arbeiteten sich Vasel und Riel am Brüggerei-Tresen durch den Fragenkatalog.
Lieber einen Gegenkandidaten als Nein-Stimmen
Bei der Frage nach dem Stand des Feuerwehrgerätehauses Königreich verriet Riel, dass eine neue Ausschreibung gerade veröffentlicht wurde. Auf die vorherige sei kein einziges Angebot eingegangen. Deswegen rechnet Riel mit einer Verzögerung von vier Monaten für das Projekt.
Zum Abschluss richtete sich Riel mit einem Appell an die Besucher und bat sie, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Ein Detail des Wahlzettels - dass Wähler ihr Kreuz neben seinem Namen bei „Ja“ oder „Nein“ machen können - kommentierte der alleinige Kandidat augenzwinkernd: „Wenn ich einen Gegenkandidaten hätte, hätte ich wenigstens keine Nein-Stimmen.“
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