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Ausfälle

TFährlinie 62: Pendler und Touristen aus dem Kreis Stade stranden an Anlegern

Blick auf den Hadag-Anleger an den Landungsbrücken in Hamburg-Finkenwerder. Vorne legt die Fähre Övelgönne an. Sie bedient die Linie 62.

Blick auf den Hadag-Anleger an den Landungsbrücken in Hamburg-Finkenwerder. Vorne legt die Fähre Övelgönne an. Sie bedient die Linie 62. Foto: Vasel

Linke und Grüne in Hamburg setzen auf die Hafenfähren der Hadag. Sie kritisieren, dass zu viele Fahrten ausfallen. Dabei gibt es eine einfache Lösung.

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Von Björn Vasel
Mittwoch, 28.01.2026, 09:50 Uhr

Finkenwerder/Jork. Die Hadag-Linie 62 ist die wichtigste und beliebteste Linie der Hafenfähren. Nicht nur Pendler aus dem Landkreis Stade, sondern auch Touristen und Ausflügler nutzen das Angebot der Tochter der Hamburger Hochbahn AG.

Seit 2025 können die Fahrgäste aus dem Alten Land, Buxtehude, Jork und Neu Wulmstorf ohne Umstieg direkt die Hadag-Linie 62 in Finkenwerder erreichen. Fahrgastbeirat-Sprecher Klaus Müller aus Jork schätzt die Kombi aus Schiff und Bus: „Die ist für uns Altländer eine Alternative zu Auto und S-Bahn.“

Der Altländer verweist auf die Buslinien 2040 (Buxtehude - Jork - Neuenfelde - Finkenwerder) und 550 (Fischbek - Neu Wulmstorf - Neuenfelde - Finkenwerder). Doch es gibt ein Problem: Nicht nur aufgrund der Witterung, sondern auch durch Personalengpässe kommt es zu Ausfällen.

Linke und Grüne kritisieren Fährausfälle

Die Linke hat die Verärgerung der Pendler aufgegriffen und in der Bürgerschaft eine Kleine Anfrage gestellt. In den vergangenen vier Monaten sind laut Senat mehr als 1700 Fahrten entfallen. Auf der Linie 62 (Finkenwerder - Landungsbrücken) fielen von September bis Dezember 2025 knapp 1300 Fahrten aus. Das seien 400 Ausfälle mehr als im Vorjahreszeitraum. Auf der Linie 64 (Teufelsbrück - Finkenwerder) ist die Anzahl der entfallenen Fahrten in den vier Monaten mit 447 annähernd gleichgeblieben (2024: 472).

Leinen los für die Hadag-Fähre Övelgönne (Linie 94) in Finkenwerder.

Leinen los für die Hadag-Fähre Övelgönne (Linie 94) in Finkenwerder. Foto: Vasel

Die Verkehrspolitische Sprecherin der Linken, Heike Sudmann, sagt: „Wenn der Senat verhindern will, dass auf das Auto umgestiegen wird, muss er endlich für ein zuverlässiges Fährangebot sorgen.“ Die Linke schlägt das Chartern von Schiffen samt Besatzung vor. Sudmann hat auch die mehr als 20.000 Airbus-Beschäftigten im Blick. Niemand wolle im Elbtunnel oder auf der Köhlbrandbrücke im Stau stehen.

Altländerin spricht von Organisationsversagen

Auch die Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Gudrun Schittek (Grüne) aus Cranz ist nicht begeistert. „Tragisch“, so bringt die Altländerin die Entwicklung auf den beiden Hadag-Linien auf den Punkt. Sie führe „Dauergespräche“ mit dem Verkehrssenator Anjes Tjarks. Schittek spricht von einem „Organisationsversagen“ bei der Hochbahn-Tochter.

Die Hadag habe sich mit der Ausweitung der Fahrpläne übernommen. Es gebe weiterhin zu wenige Schiffsführer. Die Ausbildungsoffensive, im September starteten acht Schiffsführer-Azubis, werde erst in einigen Jahren greifen.

„Deutlich sinnvoller wäre es, sich auf die wichtigen Linien 62 und 64 zu konzentrieren, um die Fahrpläne einhalten zu können “, mahnt Schittek. Auf die Linie 72, von den Landungsbrücken bis zur Elbphilharmonie, könne verzichtet werden. Andere Verbindungen könnten ausgedünnt werden.

Die Direktlinie 66 sei für Pendler ein gutes Angebot. Diese fährt auf der 62er-Route ohne die vier Zwischenhalte rund sieben Minuten schneller zwischen Finkenwerder und Landungsbrücken. Alle 80 Minuten legt die Direktfähre im Sommerfahrplan ab. „Doch was bringt es, wenn die Fähren nicht fahren?“, fragt Schittek rhetorisch. Die Zuverlässigkeit der Linie sei passé. „Das Nutzen der Fähre gleicht einem Glücksspiel.“

Viel los am Anleger der Hadag-Fähre 62 in Finkenwerder.

Viel los am Anleger der Hadag-Fähre 62 in Finkenwerder. Foto: Vasel

Damit nicht genug: Die Infos auf dem Fahrgastanzeiger seien allzu oft falsch. Das gelte auch für die HVV-App. Fahrgäste stünden auf dem Anleger und wüssten nicht, ob die Fähren fahren oder ausfallen.

Blick auf den Fahrgastanzeiger auf dem Anleger in Finkenwerder.

Blick auf den Fahrgastanzeiger auf dem Anleger in Finkenwerder. Foto: Vasel

Fahrgastbeirat-Sprecher Müller hat beobachtet, dass neue Schiffsführer beim Anlegen mehr Zeit benötigen. Dadurch habe er schon den Bus verpasst. Er wünscht sich mehr Absprache zwischen Hadag und KVG.

Dass die Linien 65 und 66 bis Ende März für die Wintersaison ruhend gestellt und die Linie 68 (Airbus) ausgedünnt worden seien, habe den Betrieb auf der Linie 62 „stabilisiert“, sagt Müller.

Hadag spricht von mehr Fahrten 2025

„Die Einschätzung des Fahrgastbeirates können wir bestätigen, denn im Vergleichszeitraum wurden im Hadag-Netz deutlich mehr Fahrten angeboten - allein von September bis Dezember 2025 gab es rund 7700 zusätzliche Fahrten“, sagt Hadag-Sprecherin Constanze Salgues dem TAGEBLATT. 2025 habe das Angebot um elf Prozent gesteigert werden können.

Hinweis im Schaukasten: Die Hadag-Schnelllinie 66 fährt im Winter nicht. Los geht es wieder im April.

Hinweis im Schaukasten: Die Hadag-Schnelllinie 66 fährt im Winter nicht. Los geht es wieder im April. Foto: Vasel

Davon profitieren auch Verbindungen von und nach Finkenwerder. Auf der Linie 64 gab es im Vergleichszeitraum 2025 zu 2024 etwa 600 Fahrten mehr pro Monat. Insgesamt ergebe sich auf den Finkenwerder-Linien (62, 64 und 66) ein Plus von 2142 durchgeführten Fahrten gegenüber 2024. Die Hadag arbeite weiter an der Stabilisierung. Entscheidender Faktor sei der sukzessive Personalaufbau mit zuletzt elf zusätzlichen Schiffsführern gegenüber dem Vorjahr.

Ausfälle werden mit Personalengpässen durch Schulung und Krankheit, neue Tarifbestimmungen wie Pausenzeiten und Wetter begründet.

Die Linie 66, im Winter ausgesetzt, werde zum Sommerfahrplan den Betrieb wieder aufnehmen. Wie genau der Sommerfahrplan aussehen wird, sei in der Abstimmung. Grundsätzlich erfolgten Planung und Anpassung im Einklang mit dem saisonalen, linienbezogenen Fahrgastaufkommen.

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