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Kommunalwahlen 2026

TFairer Schlagabtausch im Alten Land – bis Dehmel dieses Thema anspricht

In der Schnellrate-Runde mussten die Samtgemeindebürgermeister-Kandidaten Gerd Dehmel (CDU) und Timo Gerke (parteilos) gegenüber Moderator Björn Vasel (mittig) Farbe bekennen.

In der Schnellrate-Runde mussten die Samtgemeindebürgermeister-Kandidaten Gerd Dehmel (CDU) und Timo Gerke (parteilos) gegenüber Moderator Björn Vasel (mittig) Farbe bekennen. Foto: Klempow

Amtsinhaber Timo Gerke und Herausforderer Gerd Dehmel stellten sich auf der Bühne den Fragen des TAGEBLATT und der Bürger. Es blieb lange sachlich. Bei einer Frage kochten die Emotionen hoch.

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Von Steffen Buchmann
03.09.2026, 18:50 Uhr

Hollern-Twielenfleth. Politikverdrossenheit kann man den Altländern definitiv nicht vorwerfen. Das bewiesen die rund 130 Besucher am Mittwochabend, die sich eine Karte für die Bürgermeister-Podiumsdiskussion im Hollerner Hof gekauft und fleißig Fragen mitgebracht hatten. Auf der Bühne debattierten Amtsinhaber Timo Gerke (parteilos) und Herausforderer Gerd Dehmel (CDU) miteinander, um die Wähler von sich zu überzeugen.

TAGEBLATT-Reporter Björn Vasel führte als Moderator durch den Abend und eröffnete die Diskussion mit der Frage: Weshalb wollen Sie Bürgermeister werden? „Ich bin ein Kind der Samtgemeinde Lühe und es ist mein Traumjob“, antwortete Gerd Dehmel, den die CDU im Dezember 2025 als Kandidaten nominierte. Timo Gerke, der seit November 2021 den Hut im Rathaus auf hat, begründete seine Kandidatur: „Ich habe viel auf den Weg gebracht, aber noch nicht alles beendet.“

Kann sich die Samtgemeinde drei Grundschulen leisten?

Nach einer Schnellrate-Runde, bei der Moderator Björn Vasel die beiden Kontrahenten mit allerlei Zahlen rund um die Samtgemeinde gehörig ins Grübeln brachte, kam das Thema Schulen aufs Tapet. Jahrelang stritten Verwaltung und Politik darüber, an welchen Standorten zukünftig der Ganztagsunterricht in der Samtgemeinde Lühe etabliert werden soll.

Gerd Dehmel geht für die CDU Lühe ins Bürgermeisterrennen.

Gerd Dehmel geht für die CDU Lühe ins Bürgermeisterrennen. Foto: Klempow

„Ja, das können wir uns leisten“, sagte Gerd Dehmel. Einen der Schulstandorte zu schließen, hätte negative Auswirkungen gehabt. Und Kinder bräuchten nahe gelegene Lernorte getreu dem Credo: „Kurze Beine brauchen kurze Wege.“ In der Vergangenheit sei viel zu wenig Geld für Schulen ausgegeben worden. „Es sind keine Schulden, sondern eine Investition in die Zukunft“, argumentierte der Speditionsprokurist.

Dehmel wirft Verwaltung Zeitverzögerung vor

Timo Gerke bekräftigte seine bisherige Position zu den Standorten. „Wenn es nach dem Haushalt ginge, könnten wir uns eigentlich nicht mal eine Schule leisten“, sagte er. Aus seiner Sicht wäre die Grundschule Guderhandviertel nicht zu halten gewesen, weil etwa die örtliche Infrastruktur, der Schulweg als auch das Schulgebäude nicht für den Ganztagsbetrieb geeignet seien. Der Ratsbeschluss für den Erhalt aller drei Standorte „war ein emotionaler Beschluss, aber trotzdem ein demokratischer Beschluss“.

Auf die Nachfrage, wieso die Schulentscheidung fast drei Jahre gedauert habe, teilten die Kandidaten gegeneinander aus. Dehmel monierte, die Verwaltung habe zu lange gebraucht, bis der Politik etwas vorgelegt wurde. Jetzt habe man zwar einen Beschluss, „es wurde bisher nicht ein Stein verbaut“.

Timo Gerke (parteilos) kandidiert für eine zweite Amtszeit als Samtgemeindebürgermeister in Lühe.

Timo Gerke (parteilos) kandidiert für eine zweite Amtszeit als Samtgemeindebürgermeister in Lühe. Foto: Klempow

Amtsinhaber Gerke stellte sich entschieden gegen die Vorwürfe. Die Verwaltung treffe keine Schuld, für die notwendigen Ausarbeitungen seien Planer beauftragt worden. Dass sich die Diskussion immer weiter gestreckt habe, sei dem Bedürfnis der Politik geschuldet, die Thematik mehrfach zu besprechen.

Investoren retten das Freibad? Gerke sieht Idee als „einzige Chance“

Bei der Frage zur Zukunft des Freibads betonte Dehmel die Notwendigkeit, damit die Kinder schwimmen lernen können. Technik und Gebäude seien in die Jahre gekommen, „da gibt es einiges zu tun“. Auf die Nachfrage, wie das realisiert werden soll, blieb der CDU-Mann vage. Man müsse auf Förderprogramme hoffen, aus Eigenmitteln sei eine Sanierung nicht stemmbar.

Gerke hingegen verteidigte seinen Plan, mit Hilfe von privaten Investoren und angebundenen Ferienwohnungen die Zukunft des Freibads zu sichern. Es bräuchte nicht bloß Fördermittel, sondern auch eine Co-Finanzierung von mindestens 2 Millionen Euro. Gerke: „Auf Fördertöpfe zu bauen, heißt für mich: Wir schließen das Freibad.“

Rund 130 Besucher verfolgten die Diskussion der beiden Bürgermeisterkandidaten.

Rund 130 Besucher verfolgten die Diskussion der beiden Bürgermeisterkandidaten. Foto: Klempow

Auf Dehmels Einwurf, diese „Fabel“ sei für ihn nur ein leeres Wahlversprechen, entgegnete Gerke: „Eine Fabel war es mal, aber jetzt sehe ich es als einzige Chance, das Freibad für die nächsten Jahrzehnte nicht nur zu halten, sondern auch Betriebskosten zu senken und den Haushalt zu entlasten.“

Den Ausbau von Windenergie im Alten Land halten beide Kandidaten für notwendig. „Windkraft ist für mich alternativlos“, betonte Dehmel. Für Gerke ist insbesondere die EEG-Umlage ein Pro-Argument, um den gebeutelten Haushalt auszugleichen und Schulden abzubauen. Rund 1 Million Euro verspricht sich Gerke. Andere wirkungsvolle Alternativen sieht er derzeit nicht. „Das ist mein Plan A, ich habe keinen Plan B“, räumte Gerke ein.

Personalfrage lässt Stimmung hochkochen

Bei der von Dehmel selbst eingebrachten Frage nach einer vermeintlichen Personalfluktuation uferte die zuvor meist sachliche Diskussion in ein emotionales Gefecht zwischen dem Ratsherrn und dem Verwaltungschef aus.

Nach dem Eingreifen des Moderators und der Frage, ob sie nach diesem Abend noch gemeinsam ein Bier trinken würden, kehrten beide zur diplomatischen Höflichkeit zurück. Dehmel: „Natürlich. Wir waren vorher noch zusammen beim Sport“, augenzwinkernd ergänzt von Gerke: „Wir haben auch zusammen geduscht.“

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