THitze und Hagel zerstören Ernte auf der Geest - Totalausfall bei Raps
Philip Stallbohm und Landwirtin Lea Eckhoff begutachten den Totalschaden vom Rapsfeld in Kammerbusch. Foto: Laudien
Erst die Hitzewelle, dann der Hagelsturm - in 30 Minuten war die Arbeit von einem Jahr zerstört - mit gravierenden Folgen. Eine Bestandsaufnahme in Kammerbusch.
Kammerbusch. Über 40 Grad Hitze und Hagelkörner größer als Tennisbälle - die Wetter-Extreme der letzten Wochen setzen der Landwirtschaft in diesem Sommer enorm zu. Besonders betroffen sind Sommerkulturen wie Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben sowie Gemüse.
Nicht nur der Hitzerekord Ende Juni macht den Landwirten zu schaffen. Auch das verheerende Unwetter mit Sturm, Hagel und Starkregen Mitte des Monats führt in einigen Teilen auf der Geest zu massiven Ernteausfällen. Durch die Gewitterfront wurden insgesamt fast 50.000 Hektar Ackerfläche in Niedersachsen beschädigt, schätzt der Landesbauernverband (Landvolk).
Einer der Hagelkugeln in Halvesbostel wog 70 Gramm. Foto: Stallbohm
„Raps und Weizen waren bereits reif für die Ernte und daher extrem anfällig“, sagt Philip Stallbohm vom Beratungsring Ahlerstedt. Stallbohm wohnt in Halvesbostel bei Heidenau, wo der Hagel besonders große Schäden angerichtet hat - nicht nur in der Landwirtschaft: „Die Heckscheibe meines Autos wurde durch den Hagel völlig demoliert. Sogar etliche Dächer, Fenster und Wintergärten im Ort sind völlig zerstört worden“, schildert Stallbohm. Ein Freund habe eines der Hagelkörner gewogen, das 70 Gramm auf die Waage brachte.
In 30 Minuten wurden Pflanzen, Dächer und Wintergärten zerstört
Am Tag nach dem Unwetter stand das Telefon von Philip Stallbohm als landwirtschaftlicher Berater für die Geest nicht mehr still. Landwirte aus Ahlerstedt, Harsefeld und Bargstedt brauchten aufgrund der angerichteten Schäden seinen Rat. „Roggen und Weizen sind auf etlichen Feldern durch den Hagel völlig in die Knie gegangen.

Leere Rapsschoten bedeuten einen großen Verlust. Foto: Laudien
Aber auch Kartoffeln, Mais und Raps sind betroffen“, schildert Stallbohm das Ausmaß mit enormen Folgen für die Landwirte. „Das ganze Jahr haben sich die Bauern um Aussaat und Pflege der Pflanzen gekümmert und in 30 Minuten ist alles weg.“ Es sei ein nicht vorhersehbares Ereignis gewesen. Eine Warn-App für Unwetter gebe es zwar, doch die habe keine Warnung ausgegeben, so Stallbohm.

Landwirtin Lea Eckhoff untersucht die Rapsschoten. Foto: Laudien
Die weitreichenden Folgen für die Landwirte zeigen sich auch bei Familie Eckhoff, die einen landwirtschafltlichen Betrieb mit Legehennen, Schweinezucht und Ackerbau in Ahrensmoor-Ahlerstedt bewirtschaften.
Auf ihren Ackerflächen zwischen Kammerbusch und Ruschwedel, auf denen sie Raps, Weizen und Mais angebaut haben, wurden verheerende Schäden angerichtet.
Raps und Weizen wurden vom Hagel ausgeschlagen
Hier wütete das Unwetter erbarmungslos. Der erntereife Raps auf dem Feld in Kammerbusch ist jetzt ein absoluter Totalschaden. Landwirtin Lea Eckhoff, die 23-jährige Tochter der Familie, zeigt die leeren Rapsschoten, die durch den Hagel ausgeschlagen wurden. Die wertvollen Rapskörner liegen jetzt auf dem Boden. Unmittelbar daneben befindet sich das Maisfeld der Familie mit zerfetzten Pflanzen. Der Mais sei bis zu 40 Prozent beschädigt, schätzt Philip Stallbohm den Schaden ein.

Auch beim Mais rechnet Landwirtin Lea Eckhoff mit starken Ernteeinbußen. Foto: Laudien
Der XXL-Hagelschauer verursachte auch beim Weizen weitreichende Ernteausfälle. Reife Getreidekörner wurden ähnlich wie beim Raps durch die Wucht des Hagels aus den Ähren herausgeschlagen und liegen jetzt auf dem Boden.
Die Eckhoffs haben für Hagelschäden vorsorglich eine Versicherung abgeschlossen. Diese werde den Ertragsverlust beim Raps aber wohl nur teilweise abdecken, vermutet Lea Eckhoff. Grund dafür: Der aktuelle Preis für Raps ist durch den Iran-Krieg momentan sehr hoch und entspricht nicht der Versicherungssumme.
Hinzu kommt, dass ein Teil der Rapsernte an einen genossenschaftlichen Betrieb abgegeben werden sollte - wie auch bei anderen Landwirten durchaus üblich. „Um diesen Vertrag erfüllen zu können, müssen wir jetzt selber Raps teuer einkaufen“, sagt die junge Landwirtin.
Landwirte haben kein Futter für ihre Tiere
Viele Landwirte trifft es noch härter. „Die Hälfte der Bauern hat keine Hagel-Versicherung. Sie stehen jetzt quasi vor dem Nichts“, sagt Philip Stallbohm. Einige hätten durch den Verlust bei der Maisernte noch nicht mal das Grundfutter für ihre Tiere und müssen es jetzt dazukaufen.

Etwa 3.000 Zierkürbisse sind hinüber: Das Kürbisfeld von Heinrich Bredehöft gleicht einem Schlachtfeld. Foto: Laudien
Auch das große Kürbisfeld von Heinrich Bredehöft in Kammerbusch wurde vom Hagel getroffen und gleicht jetzt einem Schlachtfeld. Die meisten seiner etwa 3000 Zierkürbisse sind zerschmettert worden. „Die Wahrscheinlichkeit, dass jetzt noch Mehltau und Krautfäule hinzukommen, ist sehr groß“, sagt der 69-Jährige. „Ich bin hier geboren, doch so einen Hagelsturm habe ich noch nie erlebt.“
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