Zähl Pixel
Kapitalmarktausblick

TInvestitionen: Was Finanzexperte Holger Bahr Anlegern in Jork konkret rät

Kapitalmarktausblick im Kirschenland: Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Stade-Altes Land, Michael Senf, im Gespräch mit Dr. Holger Bahr von der DekaBank (von links).

Kapitalmarktausblick im Kirschenland: Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Stade-Altes Land, Michael Senf, im Gespräch mit Dr. Holger Bahr von der DekaBank (von links). Foto: Vasel

Künstliche Intelligenz, digitale Bezahlsysteme und der Kapitalmarkt: Finanzexperte Holger Bahr holte in Jork weit aus. Und er hatte interessante Prognosen im Gepäck.

author
Von Björn Vasel
Donnerstag, 15.01.2026, 17:53 Uhr

Jork. „Ein Leben ohne Aktien ist möglich, aber sinnlos.“ Das sagte der Finanzexperte Dr. Holger Bahr am Dienstagabend beim Kapitalmarkt-Forum 2026 der Sparkasse Stade-Altes Land im Fährhaus Kirschenland. Ein Zitat, angelehnt an der legendären Humoristen Loriot, der einst sagte: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“

Gut besuchter Kapitalmarktausblick im Fährhaus Kirschenland in Wisch.

Gut besuchter Kapitalmarktausblick im Fährhaus Kirschenland in Wisch. Foto: Vasel

Bahr, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft bei der DekaBank, hatte auch einige gute Nachrichten im Gepäck. Die Aussichten für den deutschen Aktienmarkt seien positiv. Bahr geht aktuell davon aus, dass der bedeutendste deutsche Aktienindex DAX im laufenden Jahr von 25.000 auf 27.000 Punkte steigen könnte. Der DAX sei seit Jahresbeginn um mehr als vier Prozent im Plus.

Anlagetipp: Aktien und Immobilien

Bei seinem Kapitalmarktausblick riet er den Anlagern im gut besuchten Kirschenland, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. „Diversifikation ist Trumpf", sagte Bahr. Die Renten und Immobilien als Standbein, die Aktien als Schwungbein - so brachte der Finanzexperte des Wertpapierhauses der deutschen Sparkassen-Finanzgruppe seinen Strategietipp für 2026 auf den Punkt.

Davon könnte auch die Bauwirtschaft profitieren. Homeoffice hin oder her: Bahr rechnet damit, dass in guten Lagen wieder mehr Geld in den Bau von Gewerbeimmobilien investiert wird.

Weltwirtschaft wächst weiter

Die Weltwirtschaft sei mit Krisen und Risiken konfrontiert: China greife (verbal) nach Taiwan, beim russischen Angriffskrieg in der Ukraine ist weiter kein Frieden in Sicht. US-Präsident Donald Trump setze auf nationale Sicherheit - verbunden mit Protektionismus und Zöllen.

Gleichwohl werde die Weltwirtschaft weiterhin wachsen. Der Volkswirt prognostizierte ein Wachstum von drei Prozent für 2026 (Vorjahr: 3,3 Prozent). Für Deutschland rechnet Bahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,9 Prozent, im Euroland mit 1,2 Prozent. Damit nicht genug: Ob Afrika und Asien, mit Wachstumsraten von bis zu 4,7 Prozent geht’s aufwärts.

Die Märkte sind stabil. Die Verbraucherpreise werden sich auf der Höhe des Inflationsziels von zwei Prozent bewegen, so die Prognose der DekaBank. Die Notenbanken haben ihre Leitzinsen gesenkt. Das verbilligt die Kredite für Verbraucher und Unternehmen, was Investitionen und Konsum ankurbeln könnte.

Auch, wenn die Aktienmärkte zum Teil überbewertet seien, lohne die Anlage. Der Volkswirt verwies auf die Gewinne der US-Tech-Konzerne. Einige hätten ihren Aktienkurs und damit ihre Marktkapitalisierung innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Hinzu komme: KI boome.

Fokus auf Digitalisierung und Künstliche Intelligenz

Mehr Digitalisierung und Künstliche Intelligenz seien notwendig, um auch in Deutschland wieder mehr Wachstum und Wertschöpfung zu generieren. In vielen EU-Volkswirtschaften laufe es heute besser als in Deutschland, das Potenzialwachstum sinke und sinke hierzulande seit Jahren.

Höhere Ausgaben für Rüstung kaschierten, dass es um den Industriestandort aktuell nicht so gut stehe. Stichwort: Deindustrialisierung. Sollten die Reformen der neuen Bundesregierung greifen, werde sich das erst in den 2030er Jahren auszahlen. Sie dürften deshalb nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Volkswirt plädiert für Freihandelszonen

Die EU sei militärisch ein von den USA abhängiger Zwerg, ökonomisch jedoch ein Global Player. Die Entscheidung, das Freihandelsabkommen mit Südamerika (Mercosur-Abkommen) auf den Weg zu bringen, werde sich mittelfristig auszahlen. Dieser Weg sollte auch mit Indien beschritten werden.

Dr. Holger Bahr von der DekaBank am Rednerpult.

Dr. Holger Bahr von der DekaBank am Rednerpult. Foto: Vasel

Einig waren sich Bahr und der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Stade-Altes Land, Michael Senf, dass sich die Europäer im Tech-Bereich unabhängiger von US-Firmen Alphabet, Amazon, Apple oder Meta machen müssen. Sie verwiesen auf Künstliche Intelligenz und Bezahlsysteme. Visa, PayPal und Apple Pay bestimmen den Markt.

„Wir müssen resilienter werden“, mahnte Senf und warb für den europäischen digitalen Bezahldienst Wero. Digitale Souveränität sei mehr als ein politisches Schlagwort, sie entscheide über Europas Zukunft, Unabhängigkeit, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel