TIran-Krieg: Beckdorfer Bauer beklagt steigende Düngemittelpreise
Landwirt Steffen Tobaben-Merkens zeigt am Weizenfeld den Wachstumsunterschied der Pflanzen mit Düngung (links) und ohne Düngung im rechten Abschnitt. Foto: Laudien
Öl, Gas und Düngemittel: Der Iran-Krieg treibt die Preise nach oben. Warum es die Landwirtschaft besonders hart trifft. Ein Beckdorfer Bauer schildert seine Situation.
Beckdorf. Steffen Tobaben-Merkens bewirtschaftet in Beckdorf den Neuhof, einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Schweinemast, Legehennen und 130 Hektar Ackerbau. Er baut Getreide, Mais und Kartoffeln zu je einem Drittel an. Um die Pflanzen mit Nährstoffen zu versorgen, benötigt er im Jahr rund 18.000 Kilo Stickstoff. Die Tonne kostet momentan 600 Euro. „Vor dem Iran-Krieg habe ich 350 bis 400 Euro gezahlt. Jetzt sind die Preise um fast 50 Prozent gestiegen.“
Hauptursachen sind hohe Energie- und Erdgaskosten, die die Stickstoffproduktion verteuern, sowie geopolitische Spannungen im Nahen Osten, die den Handel belasten. Landwirte stehen unter Druck, da auch Phosphat- und Kalidünger deutlich teurer geworden sind.
Trotz der hohen Preise ist die Versorgung mit Düngemitteln in Deutschland nach Angaben von Großhändlern gesichert. Allerdings gilt eine Entspannung der Preise kurzfristig als unwahrscheinlich, da die Märkte nervös bleiben und die Nachfrage zur Frühjahrsbestellung hoch ist.
Tierhaltung liefert organischen Dünger
Dank Tierhaltung ist der Beckdorfer Landwirt noch etwas besser aufgestellt als andere Landwirte, die ausschließlich Ackerbau betreiben. „Wir profitieren von unseren 2000 Mastschweinen und 10.000 Legehennen. Sie liefern für unseren Anbau von Kartoffeln, Mais und Weizen den organischen Dünger. Doch das allein reicht nicht aus“, so der 38-jährige Landwirt. „Wir müssen jetzt teure Düngemittel einkaufen, sonst können wir nicht ernten.“

Dank eigener Tierhaltung verfügt Landwirt Steffen Tobaben-Merkens über organischen Dünger. Foto: Laudien
Auf dem Neuhof am Ortsausgang in Beckdorf zeigt Tobaben-Merkens ein Weizenfeld mit jungen Trieben. Ein kleines Stück auf dem Feld ist abgesteckt. Hier wurde nicht gedüngt. Die jungen Triebe sind wesentlich spärlicher als die Weizenpflanzen auf dem restlichen Feld, das mit organischem Kot aus der Tierhaltung gedüngt wurde. „Doch das allein reicht nicht aus. Demnächst werden wir mit Stickstoff nachdüngen - und das wird bei den aktuellen Preisen teuer.“
Der Zeitpunkt für den Lieferengpass durch den Iran-Krieg könnte für die Landwirte nicht schlechter sein. Jetzt ab März geht es für sie wieder auf die Felder, sie pflügen und düngen ihre Äcker und beginnen mit der Frühjahrsaussaat. Genau jetzt brauchen sie also viel Dünger. Wer nicht düngt, verliert Erträge. „Und wer Erträge verliert, darf laut Gesetzgeber künftig auch entsprechend weniger düngen - was wiederum Ertragsverluste bedeutet“, erklärt der Beckdorfer. „Eine Abwärtsspirale mit katastrophalen Folgen.“
Effizientere Nutzung durch Flüssigdünger
Für Landwirte sei es unmöglich, auf Stickstoff zu verzichten, da der Boden die Nährstoffe für eine ertragreiche Ernte brauche. „Stickstoff ist der Motor der Pflanze“, sagt Tobaben-Merkens. Um den Dünger gezielter und effizienter einzusetzen, werde auf dem Neuhof jetzt flüssige Düngung mit der Pflanzenschutzspritze eingesetzt, um direkter an den Pflanzen zu düngen, erklärt Tobaben-Merkens.

Die Hennen legen nicht nur Eier, sondern produzieren auch Dünger. Foto: Laudien
Der Iran-Krieg ist für Landwirte vor allem deshalb relevant, weil er Energie, Vorprodukte und Logistik zugleich trifft. Nahezu ein Drittel des globalen Düngemittelhandels verläuft über die Straße von Hormus. Zugleich ist Erdgas der zentrale Einsatzfaktor für die Ammoniak- und Harnstoffproduktion. Energie kann bis zu 70 Prozent der Produktionskosten ausmachen. Damit liegt das Risiko nicht nur in höheren Ölpreisen, sondern in einer möglichen Verteuerung oder Störung der gesamten Düngemittelkette.
Auch Dieselkraftstoff wird benötigt
„Die Düngerproduktion ist sehr energiereich und wir haben eine hohe Abhängigkeit von den globalen Märkten, da wir in Deutschland nicht über nötige Ressourcen verfügen“, so Tobaben-Merkens. In der Landwirtschaft wird nicht nur Dünger benötigt, sondern auch Kraftstoff. „Jährlich brauchen wir für unseren Hof 20.000 Liter Diesel. Bei dem aktuellen Preis, der um 50 Cent pro Liter gestiegen ist, ergibt sich für uns eine riesige Summe.“
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Der Krieg sei für Landwirte eine große Unsicherheit, sagt der Beckdorfer. „Ich kann nur hoffen, dass er möglichst schnell zu Ende geht.“ Es sei abzusehen, dass sich die gestiegenen Kosten auf Verbraucherpreise für landwirtschaftliche Produkte auswirken. Dass ausgerechnet zu Ostern die Eier knapp und teurer sind, habe aber nichts mit dem Iran-Krieg zu tun. „Das sind noch die Auswirkungen der Vogelgrippe, durch die es weniger Legehennen gibt.“
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Steffen Tobaben-Merkens zeigt am Weizenfeld den Wachstumsunterschied mit Düngung und rechts einen Abschnitt völlig ohne Düngung. Foto: Laudien