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Wohnen im Grünen

TLandlust mit Pendlerfrust – ein Besuch bei zwei Paaren in Apensen

Fast zwölf Jahre wohnen sie Wand an Wand in einem Doppelhaus: Sebastian und Melanie Becker mit ihren Kindern Justus und Florentine (links) sowie Nina Kuhnigk und Nils Ball.

Fast zwölf Jahre wohnen sie Wand an Wand in einem Doppelhaus: Sebastian und Melanie Becker mit ihren Kindern Justus und Florentine (links) sowie Nina Kuhnigk und Nils Ball. Foto: Laudien

Was ist vom Eigenheim-Traum fast zwölf Jahre nach dem Einzug geblieben? Ein Besuch bei den Bewohnern. Wie läuft es für sie in Apensen - was könnte besser sein?

Von Susanne Laudien Sonntag, 24.05.2026, 07:50 Uhr

Apensen. 440 Quadratmeter Grundstück, 146 Quadratmeter Wohnfläche, Terrasse, Hauswirtschaftsraum, eineinhalb Geschosse ohne Dachschrägen, ein Haus im Toskana-Stil, schwärmten Nina Kuhnigk und Nils Ball von ihrer Doppelhaushälfte 2014 für einen Beitrag in der Apensen-Broschüre vom Gewerbeverbund.

Aus einer Mietwohnung in Buxtehude sind sie damals in das Neubaugebiet Beim Butterberge gezogen. Ihre direkten Nachbarn kannten sie bereits: Sebastian Becker und Ehefrau Melanie, die beste Freundin von Nina Kuhnigk. Mittlerweile wohnen die beiden Paare seit fast zwölf Jahren Wand an Wand in einem Doppelhaus. Wie gefällt es ihnen heute in Apensen?

Das Foto für die Apensen-Broschüre des Gewerbebundes im März 2014: Sebastian und Melanie Becker (links) mit Nina Kuhnigk und Nils Ball vor der Baustelle ihres Doppelhauses im Apenser Neubaugebiet Beim Butterberge.

Das Foto für die Apensen-Broschüre des Gewerbebundes im März 2014: Sebastian und Melanie Becker (links) mit Nina Kuhnigk und Nils Ball vor der Baustelle ihres Doppelhauses im Apenser Neubaugebiet Beim Butterberge. Foto: Laudien

„Apensen hat sich entwickelt. Wir haben hier unseren Freundeskreis, unsere Eltern wohnen in der Nähe und wir fühlen uns eigentlich sehr wohl“, sagen die beiden Paare. Insbesondere die ländliche Idylle, die Nähe zur Natur und eine nette Nachbarschaft schätzen sie an ihrem Wohnort.

Verkehrschaos auf dem Weg zur Arbeit

Alle vier Apenser sind berufstätig. Melanie Becker ist im Homeoffice für die Musikschule Horneburg tätig. Ihr Mann pendelt als IT-Systemadministrator nach Hamburg. Die Strecke sei für ihn inzwischen eine Herausforderung „Der EVB-Zug hält zwar in Apensen, fährt aber nur stündlich. Um flexibler zu sein, bin ich aufs Fahrrad umgestiegen und fahre nach Buxtehude“, sagt der 47-Jährige.

Auch Nina Kuhnigk fährt täglich mit der Bahn nach Hamburg. Sie ist Kreditspezialistin bei der Hamburger Sparkasse. Ehemann Nils, Betriebswirt beim Rechnungsprüfungsamt des Landkreises Stade, nimmt sie bei seiner Fahrt nach Stade bis zum Buxtehuder Bahnhof mit.

Die Verkehrsverbindung nach Hamburg sei generell nicht schlecht - vorausgesetzt, die Züge fahren pünktlich und es gibt auf der Strecke keine Baustellen, sagen die Ehepaare. „Doch in den letzten Wochen ist es durch ständige Zugverspätungen, Schienenersatzverkehr und etliche Baustellen eine Katastrophe“, sagt Nils Ball.

Der Eiswagen hält direkt vor der Tür

Ihre Einkäufe für den täglichen Bedarf erledigen die beiden Paare größtenteils in Apensen. „Zu Lidl ist es ein Katzensprung und wir fahren auch oft zum Karree mit Rewe, Budni und Aldi an der Beckdorfer Straße“, berichtet Nina Kuhnigk.

Mit dem gastronomischen Angebot in Apensen sind sie zufrieden. „Wir gehen nicht so oft essen“, sagt Melanie Becker. Sie freut sich derzeit besonders, dass in den Sommermonaten wieder der Eiswagen vorbeikommt.

Sie treffen sich regelmäßig zum Spieleabend: Nina Kuhnigk und Nils Ball in ihrem Wohnzimmer mit ihren direkten Nachbarn Sebastian und Melanie Becker und Tochter Florentine.

Sie treffen sich regelmäßig zum Spieleabend: Nina Kuhnigk und Nils Ball in ihrem Wohnzimmer mit ihren direkten Nachbarn Sebastian und Melanie Becker und Tochter Florentine. Foto: Laudien

Die Freizeitangebote in Apensen seien ebenfalls ausreichend. Es gibt den Sportverein, Meditations- und Entspannungsangebote sowie ein Yoga-Studio, zählt Melanie Becker auf. „Leider passte für uns der TSV-Tanzkurs zeitlich nicht“, so die 47-Jährige. Die beiden Paare teilen aber ein gemeinsames Hobby. Regelmäßig treffen sie sich zu Spieleabenden mit Freunden. Nina Kuhnigk und Nils Ball haben sogar ein Spielezimmer eingerichtet.

Hamburger Landesmeister im Standardtanz

Das Paar hat noch eine weitere Leidenschaft: Die beiden tanzen Standard- und lateinamerikanische Tänze und sind Hamburger Landesmeister (Standard Senioren 2 in den Klassen C und D). In einer Vitrine glänzen ihre Pokale von Tanzturnieren. Mehrmals die Woche fahren sie zum Tanztraining nach Hamburg. „Es ist ein guter Ausgleich zu unseren sitzenden Berufen“, sagt Nils Ball.

Nina Kuhnigk und Nils Ball zeigen ihre Pokale von den Tanzturnieren. Das Paar ist unter anderem Hamburger Landesmeister im Standardtanz.

Nina Kuhnigk und Nils Ball zeigen ihre Pokale von den Tanzturnieren. Das Paar ist unter anderem Hamburger Landesmeister im Standardtanz. Foto: Laudien

Beim Ehepaar Becker dreht sich vieles um ihre Kinder. Der zehnjährige Justus geht in Wiegersen zur Schule und die sechsjährige Florentine wird dort im Sommer eingeschult. Sie haben sich bewusst für die kleine Schule mit Klassengrößen bis 15 Kinder entschieden. „Für den Ganztagsbetrieb konnten wir unseren Bedarf zum Glück frei wählen“, sagt Melanie Becker. Auch mit den Spielplätzen in Apensen sind Eltern und Kinder jetzt zufrieden, nachdem dort Mängel ausgebessert wurden.

Was wünschen sich die Bürger?

Ganz oben auf der Wunschliste der berufstätigen Paare steht die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs. Die Bahn solle pünktlicher fahren und die Baustellen müssten besser koordiniert werden, damit es nicht zu langen Staus auf der Strecke komme und sie stressfreier zur Arbeit kämen.

Für den Schulweg zur Grundschule in Apensen wünscht sich Melanie Becker mehr Sicherheit für die Schulkinder - insbesondere bei der Überquerung der Neukloster Straße in den Schulweg.

Außerdem gibt es in Apensen keine Fachärzte, vor allem keinen Kinderarzt, moniert die zweifache Mutter, so dass sie mit ihren Kindern eine längere Strecke zum Arzt fahren muss. „Auch ein Wochenmarkt fehlt in Apensen“, beklagen alle vier Apenser. „Wir fahren immer nach Buxtehude, obwohl wir vor Ort die Landwirte mit regionalen Produkten haben.“

Ihr Fazit: „Wir fühlen uns in Apensen sehr wohl. Doch der Ort wächst weiter und es muss daher auch bei der Infrastruktur für die Bewohner mehr geboten werden.“

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