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24-Stunden-Reportage

TMamamia! Mit Familie Greger abends auf dem Hamburger Sommerdom

Auch eine Herzoperation kann Egon Greger nicht davon abhalten, auf dem Hamburger Sommerdom gemeinsam mit seiner Tochter Christin in der mobilen Pizzeria zu stehen.

Auch eine Herzoperation kann Egon Greger nicht davon abhalten, auf dem Hamburger Sommerdom gemeinsam mit seiner Tochter Christin in der mobilen Pizzeria zu stehen. Foto: Vasel

Sie lieben ihren Beruf und sie sind stolz auf ihre Geschichte als Schausteller - eine Stunde mit Mamamia-Pizzabäcker Egon Greger und seiner Tochter Christin.

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Von Björn Vasel
03.08.2026, 19:25 Uhr

Hamburg. Es ist warm. 27 Grad Celsius zeigt das Thermometer an. Egon Greger und seine Tochter Christin blicken auf dem Hamburger Sommerdom aus ihrer Pizzeria. Dicht an dicht schieben sich die Besucher immer wieder an ihrem Geschäft Mamamia vorbei. „Eigentlich ist das kein Schaustellerwetter“, erklärt der 84-Jährige. Bei etwa 18 bis 20 Grad liefen bei den Volksfesten die Geschäfte eigentlich am besten. Doch die Hamburger lieben ihren Dom.

Mittwochs ist Familientag. Zehntausende zieht es an diesem Abend nicht an den Strand oder auf den Balkon, sondern auf das Heiligengeistfeld. Rufe wie „Alles einsteigen!“, oder „Wer will noch mal, wer hat noch nicht?“ hallen über den Platz.

Trotz der Hitze - eine Pizza bei Mamamia gehört für viele Volksfestfans zu einem Dom-Besuch dazu.

Trotz der Hitze - eine Pizza bei Mamamia gehört für viele Volksfestfans zu einem Dom-Besuch dazu. Foto: Vasel

Erstmals läuft der Sommerdom im Stadtteil St. Pauli in diesem Jahr fünf Wochen lang - bis zum 30. August. Mehr als 1,3 Millionen Besucherinnen und Besucher habe das größte Volksfest Norddeutschlands im vergangenen Jahr laut Hamburger Wirtschaftsbehörde angezogen. 254 Schausteller-Geschäfte stehen seit dem 24. Juli auf dem Heiligengeistfeld, davon 50 Fahr- und Belustigungsgeschäfte sowie 143 Imbiss- und Gastronomiebetriebe. Zu diesen zählt auch Mamamia. Hier geht es zu dieser Stunde weiter Schlag auf Schlag. Die Pizzen und Baguettes sind begehrt.

Gregers freuen sich über viele Stammkunden

Viele Dom-Besucher „kommen seit Jahrzehnten“, sagt Egon Greger. Der Cadenberger ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Er ist eine Institution. Seit mehr als 150 Jahren steht die Schaustellerfamilie auf Volksfesten wie Dom, Freimarkt in Bremen, Domweih in Verden oder Pfingstmarkt in Neukloster. Weiteres Standbein ist der Imbiss im Twielenflether Freibad, betrieben von Schwiegersohn Mirko Rischmüller. Christin Greger lebt in Grünendeich.

Christin Greger schiebt die Pizza in den Ofen, der je nach Andrang auf 250 bis 500 Grad Celsius geheizt wird.

Christin Greger schiebt die Pizza in den Ofen, der je nach Andrang auf 250 bis 500 Grad Celsius geheizt wird. Foto: Vasel

Als eine Mitarbeiterin „Pizza Hawaii, Camembert und Gemüse“ ruft, hält er kurz inne. Christin Greger greift zur Pizza-Schaufel. Sie öffnet die Klappe. Die drei Pizzen fliegen förmlich in den Ofen. 250 Grad heiß ist es im Inneren. „Zu Stoßzeiten können es auch 500 Grad sein“, ergänzt die Tochter, während sich der Vater hungrigen, wartenden Kunden zuwendet. Erwachsene bekommen ein Gläschen Rotwein, die Kinder einen Lolli - beides geht aufs Haus. Mit fast jedem seiner Gäste hält der 84-Jährige ein freundliches Schwätzchen.

Egon Greger in seinem Element.

Egon Greger in seinem Element. Foto: Vasel

Zwischendurch grüßen ihn weitere Besucher im Vorbeigehen. „Stammgäste“, sagt er. Auch sie hätten den Familienbetrieb in der Corona-Zeit gerettet, als sie vor der Kirche in Grünendeich ihre Pizza verkauften.

Sie sehen den Schausteller-Beruf als Berufung

Unzählige Zeitungsartikel zeugen von prominenten Gästen. Fußball-Legenden wie Uwe Seeler und Franz Beckenbauer kamen immer vorbei, die Klitschko-Brüder oder Tagesschau-Sprecher Jens Riewa „lieben unsere Pizza“. Doch Unterschiede mache er nicht. Jeder Gast sei ihm wichtig. Dieser Satz ist dem Gentleman vom Dom wichtig. „Für mich ist es der schönste Beruf der Welt. Das ist mein Leben“, sagt Egon Greger.

Eigentlich müsste er sich schonen. Er habe gerade eine Herz-OP und Reha hinter sich. Deshalb komme er nicht jeden Tag auf den Dom - „ausnahmsweise“. Doch er könne nicht anders. Die 38 Tage auf dem Hamburger Dom seien hart. In diesen Tagen arbeiten und wohnen sie auf dem Heiligengeistfeld - direkt hinter ihren beiden Pizza-Wagen. Montags bis donnerstags ist der Sommerdom von 15 bis 23 Uhr geöffnet, freitags und sonnabends bis 24 Uhr, sonntags von 14 bis 23 Uhr.

38 Tage lang arbeiten sie auf dem Dom durch

Schon um 9 Uhr beginne das Vorbereiten und Belegen der Pizzen. Gemüse und Salami werden geschnippelt. Handarbeit. „Alles wird frisch zubereitet - auch der Teig“, betont der Pizzabäcker. Danach wird die Ware in zwei Kühlwagen zwischengelagert. Qualität sei ihm wichtig. Ohne Freundlichkeit und Sauberkeit könnten Kunden nicht gehalten werden.

Egon Greger holt Nachschub.

Egon Greger holt Nachschub. Foto: Vasel

Alles ist in den italienischen Nationalfarben Grün, Weiß und Rot gehalten, bunte LED- und Tiffany-Lampen illuminieren den Wagen, Olivenbäume stehen auf dem Tresen. Vollbelegte Bleche machen Appetit. Ist eins leer, schnappt sich Greger das nächste Blech, es wandert aus dem Vorbereitungsraum in die Auslage.

Doch die Geschmäcker seien selbst im Norden verschieden. In Hamburg belegten Camembert-Preiselbeere und Margherita die Top-Plätze, Verdener lieben Thunfisch und Bremer Champignons auf ihrer Pizza. Das Stück kostet 6,50 Euro.

Auch Michelin-Köche lieben ihre Pizza

Das Pizzabacken habe er mit der Hilfe von Kochbüchern gelernt. Umso stolzer sei er, dass Spitzenköche seine Pizzen loben. Er zeigt auf einen Zeitungsartikel aus dem Weser-Kurier - festgeklebt hinter Glas in der Auslage. Arnd Feye, der sich als Küchen-Chef des Gourmetrestaurants L‘Orchidée im Bremer Ratskeller einen Michelin-Stern erkocht hatte, war nach einem kulinarischen Rundgang über den Freimarkt ins Schwärmen geraten und lobte Gregers Teig als „schön fluffig“. Auf den Schürzen haben sie sich Gourmet-Pizza und fünf Sterne sticken lassen.

Alles in italienischen Nationalfarben.

Alles in italienischen Nationalfarben. Foto: Vasel

Dank unzähliger Berichte in Funk und Fernsehen gilt er selbst als „Deutschlands prominentester Pizza-Bäcker“, Zeitungen wie FAZ, Spiegel und Süddeutsche widmeten ihm Titel-Geschichten.

Aus Not zum Pizza-Bäcker

„Unsere Liebe, unser Leben gehört der Schaustellerei“, betont Egon Greger. Während die nächste Pizza in dem mehr als 250 Grad heißen Ofen verschwindet, blickt der 84-Jährige zurück.

Die Liebe spielt eine wichtige Rolle im Leben der Familie. Mit ihr begann die Geschichte. Bei einem Landgang habe sich sein Großvater Ole-Wilhelm Greger in Bremerhaven in die Schaustellerwitwe Maria Malfertheiner verliebt. Der Kapitän zur See hatte als Seemann mit Frachtseglern die sturmumwobene Südspitze Südamerikas umrundet. Und so ließ der Kap Hoornier auf der Werft Blohm & Voss eine Venezianische Pracht-Barock-Schiffschaukel auf Kiel legen.

Sucht das Gespräch: Egon Greger - der Gentleman unter den Pizza-Bäckern auf dem Hamburger Sommerdom.

Sucht das Gespräch: Egon Greger - der Gentleman unter den Pizza-Bäckern auf dem Hamburger Sommerdom. Foto: Vasel

„Ein wunderschönes Fahrgeschäft“, sagt Greger. Heute liegt das von dem bekannten deutschen Schaustellermaler Eduard Laetsch (1885 - 1954) mit floralen und mythologischen Motiven prachtvoll verzierte sowie von 1115 Glühbirnen illuminierte Fahrgeschäft fein säuberlich in 751 Einzelteile zerlegt in Gregers Lagerhalle in Cadenberge.

Schiffschaukel war sein Start ins Berufsleben

Ihre Schiffschaukel habe zwei Weltkriege überstanden. Pfingsten 1943 sei die Venezianische Pracht-Barock-Schiffschaukel bei einem alliierten Bombenangriff an der Martinskirche beim Fleckenmarkt in Cuxhaven-Ritzebüttel durch eine Luftmine beschädigt worden. Von den ursprünglich zwölf Schiffen konnten lediglich acht Schiffe restauriert werden. Drei Mal sei die Familie ausgebombt worden - in Hannover, Bremen und Cuxhaven. Durch harte Arbeit konnten sie ihren Betrieb erhalten.

So sah die in Cadenberge eingelagerte und bei Blohm & Voss zu Kaiserszeiten gebaute Schiffschaukel der Familie Greger aus.

So sah die in Cadenberge eingelagerte und bei Blohm & Voss zu Kaiserszeiten gebaute Schiffschaukel der Familie Greger aus. Foto: Archiv Egon Greger

Schon als Kind reiste er mit. Im Jahr 1973 habe er schließlich die historische Schiffschaukel übernommen. „Nun zeig, was du gelernt hast“, sagten ihm die Eltern. Mit einem kräftigen Schwung beförderte er seine Fahrgäste für lustvolle Momente über Jahre in den Himmel. Der Rummel war sein „Lebenselixier“.

Egon Greger hat die Pizzaschaufel bereits an seine Tochter Christin weitergegeben.

Egon Greger hat die Pizzaschaufel bereits an seine Tochter Christin weitergegeben. Foto: Vasel

Doch immer größere, schnellere und höhere Fahrgeschäfte machten ihm Anfang der 1980er Jahre das Leben schwer. „Schönheit allein macht nicht satt“, sagt der 84-Jährige. 1983 kam ihm schließlich die Idee, auf Gastronomie umzusatteln.

„Mamamia entstand aus der Not heraus“, sagt Greger ganz offen. Er erfand sich neu. Und so endete im Jahr 1986 die Schiffschaukel-Ära. Er setzte fortan auf Pizza und italienische Fleischspezialitäten. Die Florentiner Spieße, ein klassisches toskanisches Fleischgericht, verschwanden über die Jahre, Pizza und Baguette setzten sich durch. Er ist stolz auf seinen Erfolg. Ganz wichtig sei ihm aber, dass seine Eltern „alles noch miterleben durften und meine Tochter Christin heute den Betrieb fortführt“.

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