TNach Vorfall in Grünendeich: Wie man Elektrobränden an PV-Anlagen vorbeugt
Schon kleine Nachlässigkeiten bei der Montage können zum Brand einer PV-Anlage führen (Symbolbild). Foto: Pexels/Michael Noel
Nach dem Kabelbrand an einer PV-Anlage in Grünendeich hat das TAGEBLATT beim Profi nachgefragt: Wie können Elektrobrände verhindert werden? Und was tun, wenn es schon brennt?
Grünendeich. Am vergangenen Sonntag geriet in Grünendeich fast eine Photovoltaik-Anlage in Brand. Der Fall ging glimpflich aus: die Hausbewohnerin konnte den Kabelbrand selbst mit einem Pulverlöscher unter Kontrolle bringen, nachdem sie die Feuerwehr alarmiert hatte. Doch wie schützt man sich davor, dass die PV-Anlage auf dem eigenen Dach überhaupt in Brand gerät? Antworten darauf hat Olaf Roitsch, Obermeister der Innung für Elektrotechnik Stade.
„Die fachgerechte Errichtung und Wartung ist das A und O“, erklärt Olaf Roitsch. Das gelte für alle Elektrogeräte - so auch für PV-Anlagen. Die brennen laut Studien des Fraunhofer Instituts und des TÜV Rheinland statistisch gesehen nicht mehr oder weniger als andere elektronische Anlagen im Haus. Die Brandursachen könnten aber häufig vermieden werden, denn oft sind es nicht die Anlagen selbst, sondern Kabel oder Anschlüsse, die falsch montiert wurden.
Brandursache: Schraube locker?
„Viele meinen, dass sie das selber können“, weiß Olaf Roitsch. Doch so eine PV-Anlage sei sehr komplex, vom „herumfummeln“ rät er ab. Schon kleine Nachlässigkeiten oder die Verwendung minderwertiger Bauteile oder falscher Werkzeuge können schwerwiegende Folgen haben. „Nicht jeder Stecker, der passt, ist auch für jedes Gerät geeignet“, so der Innungsmeister.
Eine fehlerhafte Montage könnte zu extremer Hitzeentwicklung von mehr als 1000 Grad Celsius und somit zu Bränden führen. Olaf Roitsch, der auch bei der Feuerwehr Heinbockel aktiv ist, erinnert sich an einen Brand im letzten Jahr: „Die Versicherung stellte im Nachhinein fest, dass eine lockere Schraube Schuld an dem Brand war.“
E-Check nach vier Jahren
Dabei machen nicht nur Hobby-Handwerker Fehler. „Es gibt auch unseriöse Anbieter“, weiß Olaf Roitsch. Er rät daher dazu, einen Innungsbetrieb mit der Installation der PV-Anlage zu beauftragen. „Nach vier Jahren sollte außerdem ein E-Check durchgeführt werden“, erklärt er. Zertifizierte Fachleute stellen so sicher, dass das Gerät einwandfrei funktioniert und keine Sicherheitsrisiken birgt. Zudem müssen PV-Anlagen beim Energieversorger und beim Markt-Stammdatenregister angemeldet werden.

Ein Mann montiert Photovoltaikmodule auf dem Dach eines Hauses. Foto: Marijan Murat/dpa
Im Ernstfall könnte ein sogenannter Feuerwehrschalter die Arbeit der Einsatzkräfte stark erleichtern. Dieser schaltet die PV-Anlage komplett ab und ermöglicht es der Feuerwehr, den Brand ohne Gefahr zu löschen.
Denn die Spannung in den PV-Anlagen kann bis zu 1000 Volt betragen und lässt sich nicht einfach über den Sicherungskasten abschalten - solange Licht auf die Solarmodule fällt, produzieren sie weiter Gleichstrom. Um die Feuerwehr zu unterstützen sollte zudem ein Aufkleber am Stromkasten angebracht sein, der auf die PV-Anlage auf dem Dach hinweist.
Diese Alltagstipps hat der Profi
Brandgefahr geht auch von Lithium-Ionen-Akkus aus, die sich im Alltag häufig wiederfinden: Etwa in Smartphones, Laptops, Akkubohrmaschinen oder in E-Bikes. Wichtig sei es, die Akkus nicht zu überlasten und die richtige Lagerung, erklärt Roitsch. Die Geräte sollten auch nicht in der Sonne oder im Frost stehen. „Zwischen zwei und zwölf Grad Celsius sind optimal“, so Olaf Roitsch. Wer etwas an seinem Gerät bemerkt, sollte zudem nicht lange zögern und es überprüfen lassen.
Kleine Risse, ein Hagelschlag oder Schäden durch Nager könnten gefährlich werden. Bläht sich der Akku auf, braucht das Gerät extrem lang zum Laden oder wird heiß dabei, ist Vorsicht geboten. Auch die fachgerechte Entsorgung ist entscheidend. Selbst kleine Einweg-Vapes gehören nicht in den Hausmüll. Anlaufstellen sind Händler, Wertstoffhöfe oder zertifizierte Entsorgungsfirmen.
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Bei Geräten die sich erwärmen, etwa Wasserkocher oder Kaffeemaschine, rät Roitsch, sie auf einen nicht brennbaren Untersatz zu platzieren, um die Brandgefahr zu minimieren. Spezielle Brandschutzplatten oder Fliesen eignen sich dafür. Bei elektronischen Geräten sollte zudem darauf geachtet werden, dass die Lüftung ausreichend Platz hat. Mikrowellen etwa sollten nicht zu dicht an der Wand platziert werden, da das Gerät sonst überhitzen kann.

Olaf Roitsch ist Obermeister der Innung für Elektrotechnik Stade. Foto: Kreishandwerkerschaft Stade
„Der gesunde Menschenverstand hilft in vielen Fällen schon dabei, Gefahren auszumachen“, so Olaf Roitsch. Eine Wallbox für das Laden des eigenen E-Autos etwa, dürfe nicht direkt auf Holz montiert werden - auch hier sei das Brandrisiko zu hoch.
Im Ernstfall geht die eigene Sicherheit vor
„Feuerwehr rufen und nicht den Helden spielen“, sagt Olaf Roitsch. Wenn ein Feuer ausgebrochen ist, sollten Betroffene unbedingt den Notruf wählen und sich selbst in Sicherheit bringen. Gerade bei brennenden Lithium-Ionen-Akkus ist Vorsicht geboten. Diese Brände lassen sich nicht mit jeder Art Feuerlöscher löschen. Sie erfordern spezielle Löschmittel, die auf die chemischen Prozesse im Brand abgestimmt sind. Zusätzlich besteht die Gefahr von Stichflammen oder der Entwicklung giftiger Gase.
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