T„Paradies“ wird geöffnet: Warum im Borsteler Pfarrgarten jetzt Kugeln rollen
Pastorin Anika Röling übt mit ihrer Tochter Eva das Boule-Spiel im Pfarrgarten der St.-Nikolai-Kirche in Jork-Borstel vor der offiziellen Eröffnung am Sonnabend. Foto: Vasel
Der Pfarrgarten von St. Nikolai ist ein irdisches Paradies. Jetzt will die Gemeinde diesen der Öffentlichkeit zugänglich machen. Eltern haben eine Boule-Bahn angelegt, sie wird am Sonnabend eingeweiht. Das verbirgt sich hinter dem Projekt.
Jork. Wer von dem 40 Meter hohen Glockenturm von 1695 auf das Ensemble mit der St.-Nikolai-Kirche, dem um 1640 als Krugschänke des Königsmarck’schen Hofs erbauten Gemeindehaus, der Friedhofskapelle sowie dem Küster- und dem Pfarrhaus blickt, dem fällt am Rande der Obstplantagen der große Pfarrgarten mit dem alten Baumbestand ins Auge. Bislang ist das Paradies mit alten Obstbäumen der breiten Öffentlichkeit verschlossen. Es wird lediglich intern - unter anderem von Konfirmanden, aber auch von Mietern aus dem Küsterhaus (Hebammenpraxis/Yoga) - genutzt. Das soll sich ändern.
Eine kleine Tür im Schatten von Laubbäumen führt - vor dem Anbau des 1775 erbauten Pfarrhauses - in den Garten. Eine Hälfte des Gartens will die Gemeinde jetzt der Öffentlichkeit zugänglich machen. Diese grenzt nördlich an den Friedhof. In und nach den Corona-Jahren hatten Konfirmanden und ihre Eltern sowie Airbus-Mitarbeiter im Zuge eines Team-Projektes bereits einen Grillplatz errichtet. Im Herbst 2023 legten Konfi-Eltern eine Boule-Bahn an - unterstützt unter anderem von Pfarrsekretärin Rita Entrop und Küster Volker Garrn.
Konfirmanden und Airbus-Mitarbeiter haben auch einen Grillplatz mit Outdoor-Küche im Pfarrgarten der St.-Nikolai-Kirchengemeinde in Jork-Borstel angelegt. Foto: Vasel
Boule-Bahn wird am Sonnabend eingeweiht
Die Boule-Bahn in Borstel soll am Sonnabend, 20. April, um 16 Uhr eingeweiht werden. Nach der Andacht mit Pastorin Anika Röling startet das Kugelspiel - in Frankreich ein Volkssport. La Boule ist das französische Wort für Kugel. Diese werden aus der Hocke oder aus dem Stand ohne Anlauf gespielt. Die Franzosen kennen drei Wurftechniken: Rollen oder Kullern (Roulette), den halben Bogen (demi Portée) oder den ganzen Bogen (haute Portée).
Gespielt wird mit 700 Gramm schweren Stahlkugeln, durch eingravierte Motive oder Riffelungen lassen sich diese unterscheiden. Ziel ist es, die Kugeln möglichst nah an die hölzerne Zielkugel (Schweinchen) zu legen oder aber die beste gegnerische Kugel von dort wegzuschießen. Für jede Kugel, die näher am Schweinchen liegt als die beste Kugel der Gegner, gibt es einen Punkt. Ein Spiel ist beendet, wenn ein Team 13 Punkte erreicht hat. Imke Lohmann, sie kennt Boule vom Camping-Urlaub in Frankreich, wird die Regeln bei der Premiere erläutern.
Das heutige Boule-Spiel gibt es seit mehr als 100 Jahren. Die Legende: Der aus dem südfranzösischen La Ciotat stammende Jules Le Noir war aufgrund seines Rheumas nicht mehr in der Lage, das Jeu Provençal mit drei Anlaufschritten zu spielen. Sein Freund Ernest Pitiot habe deshalb 1907/1910 das heutige-Boule-Spiel entwickelt - ohne Anlauf mit geschlossenen Füßen (pieds tanqués). Die Vorläufer waren so populär, dass Karl IV. von Frankreich diese 1319 verbot. Er fürchtete, dass seine Bogen- und Armbrustschützen das Üben vergessen.
Offener Boule-Donnerstag ab Mai im Pfarrgarten
Die Altländer werden die Einweihung stilecht mit französischem Pastis feiern, einem Anis-Kräuterlikör. Des Weiteren gibt es alkoholfreie Getränke und Snacks. Die Bahn kann nach Absprache jederzeit bespielt werden, Infos im Pfarrbüro: 04162/313. Ab Mai gibt es den offenen Boule-Donnerstag, von 16 Uhr bis 18 Uhr wird gemeinsam gespielt. Letzteres ist das Hauptziel der Kirchengemeinde. „Wir wollen einen Treffpunkt im Pfarrgarten schaffen“, sagt die Pastorin. Liegestühle und Hängematten laden zum Verweilen ein. Die Borsteler sollen sich in der Oase entspannen und kennenlernen. Sie hofft, dass sich Gruppen bilden, die sich regelmäßig treffen - nicht nur für Boule.

Auch Wettkämpfe sind auf der Boule-Bahn im Pfarrgarten in Borstel möglich. Foto: Vasel