Zähl Pixel
Kommunalwahlen 2026

TSchlechte Stimmung im Rathaus? Lühes Bürgermeister Gerke streitet Vorwürfe ab

Seit 2021 ist Timo Gerke (parteilos) Samtgemeindebürgermeister in Lühe - und will es auch bleiben.

Seit 2021 ist Timo Gerke (parteilos) Samtgemeindebürgermeister in Lühe - und will es auch bleiben. Foto: Buchmann

Als Nicht-Verwaltungsmensch zog Timo Gerke (parteilos) vor fünf Jahren ins Steinkirchener Rathaus ein. Beim Wahlkampf tritt er selbstbewusst auf - und stellt eine Sache richtig.

author
Von Steffen Buchmann
01.09.2026, 17:25 Uhr

Wie betreiben Sie als amtierender Samtgemeindebürgermeister aktuell Wahlkampf neben dem Tagesgeschäft?

Eigentlich gar nicht. Ich habe das auch hinterfragt: Müsste ich nicht mehr machen? Aber ich kann nicht mehr machen als ich sowieso jetzt die letzten fünf Jahre gemacht habe.

Bis auf große Plakate aufzuhängen habe ich nichts anderes gemacht. Mein Wahlkampf ist: Guckt euch das an, was ich im Wahlkampf vor fünf Jahren gesagt habe - Ganztag an drei Grundschulen einführen, drei Feuerwehrgerätehäuser sanieren, das Freibad erhalten und die Verwaltung umbauen. Ich habe meine Versprechen alle umgesetzt. Sie sind noch nicht alle durchgeführt, aber ich habe alles auf den Weg gebracht.

Zukünftig werden Bürgermeister wieder auf acht Jahre gewählt. Inwiefern beeinflusst das die Arbeit?

Fünf Jahre sind viel zu kurz. Mit acht Jahren Amtszeit hat man eine Perspektive. Und ich merke, diese acht Jahre brauche ich noch. Um all das, was ich angeschoben habe, zu vollenden und sichtbar zu machen.

Dafür müssen noch in dieser Wahlperiode wichtige Beschlüsse gefasst werden. Wenn wir es nicht machen, glaube ich persönlich, dass am 1. November etwa die Schuldiskussion wieder bei null anfängt.

Vieles sieht man schon, so wie das Feuerwehrgerätehaus in Mittelnkirchen; dass der Fußballverein jetzt wieder in Steinkirchen spielt oder dass auf Lühesand wieder Camping stattfindet.

Wie hat sich die Verwaltung in den letzten fünf Jahren entwickelt?

Man muss ganz klar sagen: Personell haben wir bis 2021 nur verwaltet. Meine Bauverwaltung muss mit dem gleichen Personal Projekte wie den Ganztagsausbau stemmen. Und das seit April/Mai ohne Bauamtsleiter. Die Stelle ist ausgeschrieben, übergangsweise leite ich aktuell die Bauverwaltung.

Trotz Corona-Krise und Energiekrise haben wir vieles zusammen hinbekommen. Aber angesichts der zahlreichen Projekte geht die Verwaltung aktuell auf dem Zahnfleisch.

Ihnen wird vorgeworfen, die Stimmung im Rathaus sei schlecht. Ihr Gegenkandidat spricht sogar von einer „Verwaltungsfluktuation“.

Das ist ein großes Thema, was aus meiner Sicht unwahr dargestellt wird. Wir sind aktuell 88 Mitarbeiter. Im Schnitt haben uns zwischen 2022 und 2025 vier Personen im Jahr verlassen. Erst ab 15 Prozent wird beim Arbeitgeber von hoher Fluktuation gesprochen. Wir liegen hier bundesweit also weit unter dem Schnitt.

Dass nichts anderes thematisiert wird, belastet auch meine Mitarbeiter. Wir haben jetzt in der Politik durchbekommen, die Bauamtsleiterstelle höher anzusetzen. Denn für das, was wir hier bezahlen - und das muss der Politik bewusst sein - werden wir nicht das Personal bekommen, das wir haben müssen. Das ist keine Entscheidung, die ich treffen kann. Entscheidungen treffe ich prinzipiell gemeinsam mit meinen Amtsleitern.

Ich würde jedem meiner Mitarbeiter gerne mehr Geld geben. Und dass nicht alle immer zufrieden sind, das ist aus meiner Sicht völlig normal. Ich bin jedoch froh und dankbar, dass meine Mitarbeiter oft mehr für ihre Samtgemeinde leisten als gefordert.

Welche Themen beschäftigen Sie mit Blick auf die Zukunft der Samtgemeinde am stärksten?

Im Moment ist es wichtig zu schauen, wie wir unsere Kommune in den nächsten Jahren aufstellen. Wir haben jede Menge Pflichtleistungen, für die wir Geld ausgeben, was wir nicht haben. Wir haben keine Rücklagen mehr.

Beim Freibad gibt es Befürchtungen, dass es komplett schließen muss. Und Jugendarbeit, insbesondere im Jugendzentrum, ist ein wichtiges Thema. Das Schlüsselthema ist die zukünftige Finanzierung.

Wie wollen Sie das Finanzproblem angehen?

Mein Plan ist die Windenergie. Das ist das einzige Thema, bei dem ich mit dem Landrat und dem Landkreis nicht konform bin. Ich vertrete die Ansicht der Landesregierung. Wenn die mir sagt, nach der Landesraumordnung ist Windenergie hier kein Problem, dann bin ich mehr auf deren Seite. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis ist trotzdem hervorragend.

Wir müssen es gemeinsam hier vor Ort schaffen, mit Bund und Land - und ohne die Bürger noch mehr zu belasten. Es kann nicht sein, dass wir nachher mit den Gewerbesteuern höher sind als alle anderen Kommunen im Umland. Dann braucht man sich nicht wundern, wenn sich kein Gewerbe mehr ansiedelt.

Wäre eine Einheitsgemeinde ein Lösungsansatz?

Seit ich in der Politik bin, kämpfe ich für die Einheitsgemeinde. Aber nur, wenn alle sechs Mitgliedsgemeinden mitwollen. Man darf keine Gemeinde dazu zwingen. Wir haben Aufklärungsarbeit geleistet in den letzten drei Ratsperioden, leider ohne Entscheidung.

Eine Einheitsgemeinde würde etwa die Verwaltung entlasten. Wir müssen sieben Haushalte aufstellen, über 150 Sitzungen besuchen. Und das sind alles Sachen, die viel Geld kosten.

Wichtig ist, dass die Gemeinden überall eine Stimme in Form von Ortsräten und -vorstehern haben, ein eigenes Budget bekommen und Gehör finden. Mein Wunsch wäre, in den ersten zwei Jahren alles in den Mitgliedsgemeinden vorzubereiten, so dass in acht Jahren nicht mehr sechs Gemeinderäte gewählt werden, sondern nur noch einer.

In der Samtgemeinde steht womöglich ein Wiedereinzug der AfD bevor. Was denken Sie dazu?

Ich hoffe, dass alle gewählten Vertreter, egal welcher Fraktion und Partei, zum Wohle der Samtgemeinde antreten und die politische Verantwortung übernehmen wollen, anstatt nur parteipolitische Ideale zu vertreten. Ich stelle aber auch klar: Ich lasse mir in meinem Rathaus nicht verbieten, ob ich zum Christopher Street Day fahre oder nicht. Von keiner Partei.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel