TSchülerpraktikum: „Mode ist nicht mein Ding - ich will zur Bundeswehr“
Die 15-jährige Emmy aus Sauensiek hat konkrete Ziele für ihre berufliche Zukunft. Foto: Laudien
Ob Baugewerbe, TÜV oder Reisebüro - aus einem Branchenmix wählen Apenser Schüler ihren Praktikumsplatz. Überraschend: Einige wissen genau, was sie werden wollen.
Apensen. Erst Altenheim, dann Fitnessstudio und nächste Woche zwei Tage im Einzelhandel - die 15-jährige Emmy aus Sauensiek nutzt jede Gelegenheit zur Berufsorientierung. Auch in diesem Schuljahr können die Schüler der Oberschule Apensen dank der Kooperation mit dem Gewerbeverbund Apensen wieder ein Praktikum in den Betrieben machen.
Insgesamt nehmen 34 Schüler der 9. und 10. Klassen im Alter von 14 bis 16 Jahren an dem zweitägigen Praktikum am 9. und 10. Februar teil. „Die Berufsorientierung ist an unserer Schule ein großes Thema, dazu gibt es demnächst auch noch unsere Berufsmesse“, sagt Lehrkraft Jana Lorenz, die seit 2019 Beauftragte für Berufsorientierung an der Oberschule Apensen ist.
Auslandsjahr in Kanada und dann zur Bundeswehr
Während etliche der Schüler noch in der Findungsphase sind, wissen mehrere nach einigen Praktika schon ziemlich genau, wohin die berufliche Reise gehen soll. Die 15-jährige Emmy etwa hat ganz konkrete Ziele: „Ich mache demnächst ein Auslandsjahr in Kanada und freue mich schon auf die Rocky Mountains, weil man dort gut Ski fahren kann.“ Sie habe anfangs auch die USA in Erwägung gezogen, sich aber aufgrund der dortigen Situation dann doch für Kanada entschieden. Vor allem möchte sie dort Englisch lernen.

Jana Lorenz freut sich über das große Interesse und koordiniert die Berufsorientierung für Schüler und Betriebe Foto: Laudien
Nach ihrer Rückkehr will Emmy dann direkt zur Bundeswehr. „Mein Vater war bei der Marine, da möchte ich auch hin oder zu den Gebirgsjägern.“ Emmy hat sich bereits genau informiert. Zuerst müsse sie die Musterung überstehen, die zeige, ob sie für die Bundeswehr geeignet sei. Danach folgt die Grundausbildung, und anschließend will sie sich auf jeden Fall für mehrere Jahre bei der Bundeswehr verpflichten.

Lehrerin Jana Lorenz (links) mit Amelie, Emmy, Nicolai, Ben, Joost und Leon - 6 der 34 Schüler, die ein Praktikum in Apenser Betrieben machen. Foto: Laudien
Hat sie auch an den Dienst mit der Waffe und womöglich lebensbedrohliche Situationen gedacht? Ein Kriegseinsatz sei für sie kein Problem. „Krieg ist doof, aber gehört bei diesem Beruf nun mal dazu.“
Derzeit verschickt die Bundeswehr rund 650.000 Fragebögen, um den Geburtsjahrgang 2008 zu erfassen. Männer sind verpflichtet, den Fragebogen auszufüllen und einzureichen – für Frauen bleibt das freiwillig. Was sagt Emmy dazu? „Ich finde das in Ordnung, wir Mädchen können uns ja freiwillig melden.“
In der nächsten Woche macht die 15-Jährige das zweitägige Praktikum im Modehaus Stackmann. „Mode ist nicht mein Ding und ich ja will zur Bundeswehr. Aber ich habe zusammen mit meiner Freundin gewählt und wir wollen beide den Verkaufsbereich näher kennenlernen.“
Nicolai hat Interesse an Autos
Auch andere Schüler haben schon konkrete Berufsziele. Etwa Nicolai aus Sauensiek: „Ich habe Lust, etwas mit Autos zu machen“, sagt der 14-Jährige, der ein Mechaniker-Praktikum gemacht hat und sich jetzt für das TÜV-Sachverständigen-Ingenieurbüro Mehrkens in Sauensiek entschieden hat. Der 15-jährige Ben, der im Sanitär- und Heizungstechnikbetrieb Bernd Elmers Erfahrungen sammeln will, möchte später bei Airbus eine Ausbildung zum Fluggeräteelektroniker machen. Warum? „Ein großer Betrieb, und ich kenne einige, die dort ihre Ausbildung gemacht haben.“
Der 14-jährige Leon macht sein Praktikum bei Stackmann und sein Traumjob ist bei der Bundespolizei. Joost hat sich für das Beckdorfer Bauunternehmen Freudenberg entschieden. Durch seinen Vater hat er bereits einen Ausbildungsplatz in einem Landwirtschaftsbetrieb. Amelie aus Beckdorf war schon bei Eisbär Eis und bei der Sparkasse. Jetzt geht sie zu Stackmann. „Ich möchte Verschiedenes ausprobieren und dadurch schauen, was das Richtige für mich ist.“
Vorteil: Ankreuzen statt Bewerbung
Seit drei Jahren besteht die Zusammenarbeit zwischen Oberschule und Gewerbeverbund Apensen. Einige Betriebe sind seit Beginn der Kooperation dabei, wie etwa der Garten- und Landschaftsfachbetrieb Gala Schöne Zeiten, die Volksbank Geest, Eisbär Eis und das Beckdorfer Baugeschäft Freudenberg.
Das TUI-Reisebüro macht zum zweiten Mal mit. Auch Rewe in Apensen, der Reinigungsdienst Cleanup-Service und der Malereibetrieb Thomas beteiligen sich. Das Modehaus Stackmann ist erstmals und gleich mit zehn Praktikumsplätzen dabei. Die Schüler durften aus dem Branchenmix ihren Wunschbetrieb auswählen. „Auch diesmal war das Interesse wieder groß. Dass die Schüler nur ein Kreuz setzen und sich nicht bewerben müssen, ist von Vorteil für die Schüler“, sagt Lorenz.
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