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TSie riskieren ihr Leben für andere: Die Wasserretter aus dem Kreis Stade

Jonas Lobitz (links) ist als Einsatztaucher, Fabian Kuhlkamp als Strömungsretter für die DLRG aktiv.

Jonas Lobitz (links) ist als Einsatztaucher, Fabian Kuhlkamp als Strömungsretter für die DLRG aktiv. Foto: DLRG (Montage)

Fabian Kuhlkamp seilt sich von Brücken ins Wasser ab. Jonas Lobitz hingegen taucht metertief ins Dunkle. Die zwei jungen Männer trainieren hart, um anderen zu helfen.

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Von Steffen Buchmann
Dienstag, 30.12.2025, 05:50 Uhr

Horneburg, Stade. Wasser zieht Menschen magisch an. Es entspannt, an Bachläufen oder Stränden spazieren zu gehen. Es kühlt, bei sengender Hitze die nackten Füße in die Elbe zu stecken. Und es reizt, im Winter über eine knackende Eisdecke zu schlittern.

Doch Wasser birgt auch Gefahren. Gefahren, für die zwei junge Lebensretter aus dem Kreis Stade intensiv trainieren - um das Schlimmste zu verhindern.

Für Fabian Kuhlkamp gehört es zum Alltag, sich für andere Menschen in Gefahr zu bringen. Der 34-Jährige arbeitet als Berufsfeuerwehrmann in Bremen, lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Horneburg. Seine Freizeit verbringt Kuhlkamp ebenfalls als Lebensretter. Seit 15 Jahren engagiert er sich bei der DLRG Horneburg/Altes Land - jetzt mit einer neuen Aufgabe.

Strömungsretter schließen eine wichtige Lücke

Erst im Oktober hat Fabian Kuhlkamp gemeinsam mit seinem Kollegen Leve Credo die Ausbildung zum Strömungsretter abgeschlossen. Damit ist er einer von zwölf im gesamten Landkreis Stade. Doch was genau macht ein Strömungsretter eigentlich?

Fabian Kuhlkamp ist einer der ersten Strömungsretter bei der DLRG Horneburg/Altes Land.

Fabian Kuhlkamp ist einer der ersten Strömungsretter bei der DLRG Horneburg/Altes Land. Foto: Buchmann

„Als Strömungsretter schließen wir eine wichtige Lücke“, sagt Kuhlkamp. Wenn Menschen durch Strömungen etwa an der Lühe oder Elbe in Not geraten, kommen die Strömungsretter zum Einsatz. „Da springt nicht einfach mal ein Rettungsschwimmer rein“, sagt Kuhlkamp.

15 Kilogramm Schutzausrüstung am Körper

Als Strömungsretter müssen er und sein Team entscheiden, wie sie die Person aus dem Wasser herausbekommen. Dabei kommt es auf jede Sekunde an. Denn selbst geübte Schwimmer halten nicht lange gegen eine starke Strömung durch.

Schutzanzüge und -westen wie diese sind unerlässlich für Strömungsretter im Einsatz.

Schutzanzüge und -westen wie diese sind unerlässlich für Strömungsretter im Einsatz. Foto: Buchmann

Während seiner Ausbildung hat Kuhlkamp seine Ausrüstung kennengelernt und so lange geübt, bis jeder Handgriff saß. Ein spezieller Anzug hält ihn bei längeren Einsätzen trocken, Helm und Handschuhe geben zusätzlichen Schutz. Insgesamt 15 Kilogramm Ausrüstung trägt er bei Einsätzen am Körper.

Was genau macht eigentlich ein Strömungsretter?

Im Wasser sind Strömungsretter oft in ungewöhnlicher Position unterwegs: Klein machen, Füße und Blick nach vorne, dann treiben lassen und Hindernisse umschwimmen. „Ein bisschen wie ein Baumstamm“, beschreibt Kuhlkamp die Technik. Das spart Kraft. Stumpf gegen eine Strömung anzuschwimmen bringe nämlich nichts: „Man lernt, das Wasser zu lesen.“ Das sei beispielsweise auch bei Suchketten in flachen Gewässern wichtig.

Ein Strömungsretter beim Trainieren.

Ein Strömungsretter beim Trainieren. Foto: DLRG

Strömungsretter arbeiten jedoch nicht immer im Wasser, sondern auch meterhoch darüber. Das Abseilen von Brücken übte der Horneburger intensiv, auch einen ganzen Katalog an Knotentechniken musste er sich einprägen. Da er privat ohnehin schon klettern geht, war das Abseilen kein Problem für ihn. Dazu kamen in der Ausbildung noch Wurftechniken für Wurfsäcke und Leinen, auch das Bauen von Seilbrücken von Ufer zu Ufer. „Das muss im Einsatz automatisch laufen“, betont Kuhlkamp.

Ausbildung in Norddeutschland noch recht neu

Eigene Strömungsretter auszubilden, ist für die DLRG-Verbände im Norden noch recht neu. Im Gebiet der Elbe gibt es jedoch zahlreiche Einsatzmöglichkeiten: Personensuche, Evakuierungen und Deichsicherung bei Hochwasser oder Unterstützung der Einsatztaucher. „Die Strömungsretter sind wie ein Schweizer Taschenmesser“, sagt der Horneburger Ortsgruppen-Vorsitzende Rainer Bohmbach. Also vielseitig einsetzbar.

Fabian Kuhlkamp hat Blut geleckt. Als Nächstes will der 34-Jährige die sogenannte SR 2-Fortbildung anvisieren, um zukünftig einen eigenen Horneburger Trupp anzuleiten. Dafür müsse er jedoch zunächst ein Jahr lang Praxis sammeln und etwa seine Kenntnisse zu Wildwasser vertiefen. Dass Kuhlkamp für die Lebensrettung brennt, ist unverkennbar: „Ich mag es, aus eigenen Stücken zu helfen.“

Einsatztaucher - „die harten Hunde“

Strömungsretter ist Jonas Lobitz nicht - aber Wasser ist auch sein Element. Seit 17 Jahren ist der Fluggeräte-Elektroniker für die DLRG Stade aktiv - seit neuestem tief unter der Wasseroberfläche. Denn seit diesem Jahr gehört der Stader zu den Einsatztauchern.

Wasser ist sein Element: Jonas Lobitz vor dem Stader Tauchwagen.

Wasser ist sein Element: Jonas Lobitz vor dem Stader Tauchwagen. Foto: Buchmann

Die Männer in den schwarzen Tauchanzügen faszinierten Jonas Lobitz schon immer. „Die Taucher waren die harten Hunde“, erinnert er sich. Wenn sie kamen, wurde es ernst. Jetzt, mit 26 Jahren, ist Lobitz selbst einer dieser harten Hunde. Doch der Weg dahin verlangte ihm einiges ab.

Bis an die Grenzen gehen

„Man muss für das Tauchen gemacht sein“, sagt Lobitz. Abzutauchen in metertiefes schwarzes Wasser, ohne klare Sicht, in einen Neoprenanzug gezwängt mit fast 40 Kilogramm Ausrüstung am Körper: Das verlangt einem Menschen viel ab. Selbst erfahrene Sporttaucher taugen nicht zwingend zum Einsatztaucher.

Jonas Lobitz bei einem Tauchgang im Schwimmbecken.

Jonas Lobitz bei einem Tauchgang im Schwimmbecken. Foto: DLRG

Seit er 18 Jahre alt war, hat sich Jonas Lobitz an das Tauchen herangetastet. Zunächst als Tauchhelfer, später legte er etwa sein Abzeichen im Schnorcheltauchen ab. Während seiner Tauchausbildung musste Lobitz verschiedene Techniken lernen. Zehn Meter tief nur mit Eigenluft in den Lungen tauchen zu können, gehört dazu. Auch den Druckausgleich zu beherrschen, ist überlebenswichtig. Geht hier etwas schief, drohen schwere Verletzungen - Trommelfelle oder Lunge könnten einreißen.

Tief unten im dunklen Wasser

Doch Jonas Lobitz meisterte alle Prüfungen. Jeder Tauchgang an der Seite seines Tauchlehrers Nico Ahrens und seines bestens Kumpels Niclas Zitzter gab ihm mehr Sicherheit und Routine.

Neben dem Schwimmbad übte Lobitz etliche Tauchgänge im Hemmoorer Kreidesee - zunächst in klarem Wasser. „Das ist wichtig für den Kopf“, sagt er. Denn wenn er das schaffe, dann schaffe er es auch im Dunkeln.

Einsatztaucher müssen sich oft in trübem Gewässer bewegen.

Einsatztaucher müssen sich oft in trübem Gewässer bewegen. Foto: DLRG

Der 26-Jährige erinnert sich noch gut an seinen ersten Tauchgang in der trüben Schwinge. „Es war zappenduster“, sagt er. Es sei ein komisches Gefühl gewesen, unter Wasser nichts mehr zu sehen - und nichts mehr zu hören.

Es herrschte absolute Ruhe, nur sein eigener Puls hämmerte ihm in den Ohren. Doch sein Tauchlehrer habe ihm ein beruhigendes Gefühl gegeben. So habe sich seine Beklemmung in ein Freiheitsgefühl aufgelöst, beschreibt es Lobitz. Und das fühle er bis heute, wenn er in den Anzug steigt.

Wasserretter sind auch im Winter im Einsatz

Eine Sache betont der Stader im Gespräch immer wieder: Tauchen ist Teamsache. Die Taucher gehen immer mindestens zu dritt auf Einsätze: ein Einsatztaucher im Wasser; ein Signalmann an Land, der mit dem Taucher über eine Leine kommuniziert; und ein Sicherheitstaucher, der im Notfall sofort eingreifen kann. „Wir müssen uns blind vertrauen können“, sagt Lobitz.

Bei den Aufgaben der Einsatztaucher denke man als Erstes an Personensuchen im Wasser. „Davon gibt es im Jahr jedoch nur wenige“, sagt DLRG-Bezirkssprecher Henning Kruse. Häufiger geben Einsatztaucher technische Hilfeleistung, etwa um Antriebe von Booten abzutauchen oder beim Katastrophenschutz wie zuletzt im Dezember 2023 in Hodenhagen an der Aller.

Seit dem 13. Dezember ist Jonas Lobitz ein waschechter Einsatztaucher: An dem Tag feierte er nach dem traditionellen Fackelschwimmen am Stader Fischmarkt nämlich seine Tauchertaufe - mitsamt Urkunde und Taucher-Krawatte.

Bis zu 40 Kilogramm Ausrüstung tragen Einsatztaucher am Körper.

Bis zu 40 Kilogramm Ausrüstung tragen Einsatztaucher am Körper. Foto: Buchmann

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