TTemperaturen bis 35 Grad: Wie sich ein Seniorenheim in Apensen wappnet
Viel trinken ist jetzt wichtig, weiß Pflegehelferin Theresa Arndt. Sie versorgt die Bewohner der Apenser Seniorenresidenz daher mit kühlem Brombeersaft. Foto: Laudien
Am Wochenende werden bis zu 35 Grad erwartet. Wie sich die Seniorenresidenz Delmer Hof in Apensen vorbereitet - und warum Wassereis mehr als nur Abkühlung ist.
Apensen. Die Rollläden sind geschlossen, Markisen ausgefahren, Ventilatoren im Dauereinsatz - in der Seniorenresidenz Delmer Hof an der Buxtehuder Straße in Apensen ist man für die heißen Tage gerüstet, wie sich beim Besuch am Dienstag zeigt. Am Samstag werden 35 Grad erwartet.
„Wir bekommen mehrmals am Tag neue Meldungen vom Deutschen Wetterdienst“, erklärt Einrichtungsleiterin Marleen Preuß. Bereits am Dienstag sei zwischen 11 und 19 Uhr eine „starke Wärmebelastung“ für den Landkreis Stade angekündigt worden. „Unser Hitzeschutzkonzept greift bereits.“
Mit Getränken, leichter Kost und Tipps gegen die Hitze werden die Bewohner im Speisesaal versorgt. Foto: Laudien
Im Eingangsbereich, auf den Fluren und in den Dienstzimmern hängt für Bewohner und Mitarbeiter das Hitzeschutzkonzept aus - mit Regeln zum Umgang mit extremen Temperaturen, die auch für jeden anderen nützlich sind.
Dazu zählt etwa: ausreichend Trinken, leichte Kost zu den Mahlzeiten, luftige Kleidung, Kopfbedeckung in der Sonne, Fenster tagsüber geschlossen halten, in den Abendstunden und über Nacht lüften und Zimmertüren offen halten.

Bei dem modernen Wasserspender lässt sich die Temperatur individuell einstellen. Foto: Laudien
Zudem erhalten Bewohner Sonnencreme und Wassereis jederzeit beim Pflegepersonal. Das Eis ist im Seniorenheim eine willkommene Erfrischung. Es bringt nicht nur Freude und gute Stimmung, sondern ist auch ein cleverer Trick: Es motiviert Senioren, die das Trinken oft vergessen oder vermeiden, spielerisch zur Flüssigkeitszufuhr.
Dünne Bettlaken statt warme Decken
Außerdem motivieren die Pflegekräfte die Bewohner regelmäßig zum Trinken, damit sie nicht dehydrieren. Anderthalb bis zwei Liter Flüssigkeit am Tag sollten es sein, bei Fieber oder Durchfall auch mehr. Der Blutdruck wird derzeit öfters gemessen und es gibt Sonnencreme mit hohem UV-Schutzfaktor für die empfindliche Haut von Senioren.
Abends wird gelüftet und für die Nacht gibt es dünne Laken statt dicken Bettdecken.
Bei Bedarf würden auch mal kühle Wadenwickel eingesetzt, erzählt die Einrichtungsleiterin. Älteren Menschen sei es aber meistens eher zu kalt als zu heiß. Etwa Demenzkranke hätten ein völlig anderes Wärme-Empfinden und trügen lieber langärmelige Kleidung. „Wir beraten die Bewohner, respektieren aber auch ihre Wünsche. Das Selbstbestimmungsrecht steht bei uns an erster Stelle“, so Marleen Preuß.
Salate als Alternative zur deftigen Suppe
Im Speisesaal steht ein Wasserspender und es gibt Säfte. Zudem wurde der Speiseplan der Hitze angepasst.

Einrichtungsleiterin Marleen Preuß zeigt den auf Hitze umgestellten Speiseplan mit leichter Kost. Foto: Laudien
Die Bewohner haben die Wahl zwischen verschiedenen selbstgekochten Gerichten: Statt deftiger Linsensuppe mit Würstchen gibt es Kartoffelsalat und statt Sahnetorte Quark, Wassermelone und Eiskaffee.
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Einer der 76 Bewohner sitzt in seinem Rollstuhl vor der geöffneten Eingangstür und genießt die frische Durchlüftung. „Ich komme gut durch die Hitze, bin mit kurzer Hose luftig gekleidet und trinke viel Wasser“, sagt der Senior.

Die Rückseite der Seniorenresidenz in Apensen mit Schattenplätzen und Rollläden. Foto: Laudien
„Wir haben eigentlich jedes Jahr eine Hitzewelle und jedes Mal ist es der gleiche Prozess“, so die Einrichtungsleiterin. Bereits im Mai habe es höhere Temperaturen gegeben, auf die man in Apensen reagiert hat. Dass die Schutzvorkehrungen eingehalten wurden, muss die Einrichtungsleiterin protokollieren.
Hitzeschutz am Arbeitsplatz
Die Temperaturen im Aufenthaltsraum zeigen 25,6 Grad. Auch im Medikamentenschrank liegt ein Thermometer. Einige Arzneimittel lagern in einem eigenen Kühlschrank. Zudem gibt es Ventilatoren und mobile Klimageräte. „Ich trinke genügend und esse momentan viel Obst, alles andere ist mir viel zu warm. Zur Not sorgt auch mal ein feuchtes Handtuch im Nacken für Abkühlung“, sagt die stellvertretende Pflegedienstleiterin Nicole Stöver, eine der 90 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Dank Ventilator kein Hitzestress am Arbeitsplatz: Die stellvertretende Pflegedienstleiterin Nicole Stöver. Foto: Laudien
Beim Arbeitsschutz gelten gestaffelte Werte: Ab 26 Grad Raumtemperatur werden Maßnahmen wie Anpassung von Arbeitszeiten empfohlen, ab 30 Grad etwa Wärmepausen und Lockerung der Bekleidungsvorschriften und ab 35 Grad gilt ein Arbeitsraum ohne Hitzeschutzmaßnahmen als ungeeignet.
„Wir sind für die hohen Temperaturen bestens gewappnet“, sagt Einrichtungsleiterin Preuß. „Ich mache mir aber Sorgen um die Senioren, die alleine zu Hause leben und bei der Hitze zum Einkaufen oder zum Arzt müssen und keinen haben, der sich um sie kümmert.“
Im Delmer Hof sieht man sich jedenfalls gut vorbereitet.
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