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Zeitumstellung

TUmstellung auf die Winterzeit: In Apensen tickt die Uhr anders

Regelmäßig zieht Udo Korthals die Kirchturmuhr mit der Kurbel auf.

Regelmäßig zieht Udo Korthals die Kirchturmuhr mit der Kurbel auf. Foto: Laudien

Am Wochenende werden die Uhren von 3 auf 2 Uhr zurückgestellt. Aber nicht die Kirchturmuhr in Apensen. Warum?

Von Susanne Laudien 24.10.2026, 06:00 Uhr

Apensen. Stufe um Stufe steigt der 74-Jährige die steile Treppe in den 42 Meter hohen Kirchturm hinauf. Nach 52 Stufen ist Udo Korthals auf halber Höhe des Turms auf einem Holzplateau angekommen. Dort befindet sich hinter einem hölzernen Verschlag das riesige Uhrwerk der Kirchturmuhr.

1909 wurde die Weule-Uhr in der niedersächsischen Stadt Bockenem gefertigt.

1909 wurde die Weule-Uhr in der niedersächsischen Stadt Bockenem gefertigt. Foto: Laudien

Zweimal im Jahr nimmt der gebürtige Apenser hier die Zeitumstellung an der Kirchturmuhr vor. Am Wochenende ist es wieder so weit, in der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren von der Sommer- auf die Winterzeit um eine Stunde zurückgestellt. In Apensen läuft es aber anders.

Udo Korthals und Küsterin Heike Meyer auf dem ersten Abschnitt zum 42 Meter hohen Kirchturm.

Udo Korthals und Küsterin Heike Meyer auf dem ersten Abschnitt zum 42 Meter hohen Kirchturm. Foto: Laudien

Bei der Umstellung auf die Sommerzeit im Frühjahr drehte der 74-Jährige die Uhr einfach um eine Stunde vor. Jetzt zur Winterzeit sei es schwieriger, weil sich das Uhrwerk nicht zurückdrehen lasse. Daher muss Korthals in das große Pendel greifen, es anhalten und nach einer Stunde durch einen Schwung das Uhrwerk wieder in Betrieb nehmen.

Stunden später beginnt in Apensen die Winterzeit

Dafür steht Korthals aber nicht mitten in der Nacht auf, sondern steigt erst Stunden später gegen 8 Uhr morgens - immerhin noch rechtzeitig vor dem 10-Uhr-Gottesdienst - in den Kirchturm hinauf. Diese Verspätung der Winterzeit in Apensen hat bislang niemanden gestört. „Bei mir hat sich jedenfalls noch keiner beschwert“, sagt Korthals, der die Aufgabe vor vier Jahren vom früheren Küster übernommen hat.

Udo Korthals pflegt die mehr als 100 Jahre alte Uhr, die er auch mal „zur Räson bringen muss“.

Udo Korthals pflegt die mehr als 100 Jahre alte Uhr, die er auch mal „zur Räson bringen muss“. Foto: Laudien

Das vom Uhrmacher Johann Friedrich Weule (1811-1897) konstruierte Meisterwerk wurde 1909 in einer Uhrenfabrik in der niedersächsischen Stadt Bockenem gefertigt und 1910 gemeinsam mit der Apenser Kirche eingeweiht. Doch die Zeit geht an dieser Wertarbeit nicht spurlos vorüber.

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Der Witterungsumschwung mache der Uhr zu schaffen, erklärt Korthals. Wenn es kalt wird, geht sie langsamer; wenn es warm ist, läuft sie schneller. „Erst kürzlich, als die Temperaturen sanken, musste ich sie wieder zur Räson bringen und eineinhalb Minuten vorstellen.“

Die Apenser Kirche und das Uhrwerk wurden 1910 gemeinsam eingeweiht.

Die Apenser Kirche und das Uhrwerk wurden 1910 gemeinsam eingeweiht. Foto: Laudien

Früher war Korthals technischer Angestellter bei der Dow in Stade. Jetzt kümmert er sich ehrenamtlich um Apensens Kirchturmuhr. „Die Technik fasziniert mich“, sagt er. Außer Korthals darf niemand in den Kirchturm. Höchstens Küsterin Heike Meyer. Doch sie hat Höhenangst und überlässt ihm gerne diese Aufgabe.

Kirchturmuhr wird umgestellt

„Alles läuft hier buchstäblich wie geschmiert“

Von digitalen Zeiten mit automatischer Uhrumstellung ist die Kirchengemeinde Apensen weit entfernt. Das Uhrwerk im Kirchturm tickt wie vor mehr als 100 Jahren - und die Uhrmacherkunst wird persönlich gepflegt. „Alles läuft hier buchstäblich wie geschmiert“, versichert Korthals, der für die Pflege spezielles Öl verwendet.

Damit die Uhr in Apensen auch weiterhin richtig tickt, klettert der Rentner jede Woche hinauf in den Kirchturm, pflegt und stellt dort das alte Meisterwerk. Mit einer schweren Kurbel zieht er das Uhrwerk kraftaufwendig an drei Umlenkwalzen auf. Dabei muss er sich ganz schön ins Zeug legen, denn die Gewichte, die an den drei Seilrollen hängen, wiegen ungefähr 150 Kilo.

Im Glockenturm hängen drei unterschiedlich große Bronzeglocken.

Im Glockenturm hängen drei unterschiedlich große Bronzeglocken. Foto: Laudien

„Die erste Walze dient dazu, die Uhr aufzuziehen. Die zweite Walze steuert die Uhrzeit mit dem Glockenschlag und die dritte Walze ist für die sogenannte Angelus-Glocke zuständig. Dreimal am Tag schlägt ein Hammer gegen die Glocke: Mit neun Glockenschlägen wird morgens um 8 Uhr, mittags um 12 Uhr und abends um 18 Uhr zum Vaterunser-Gebet gerufen, erklärt der Uhrenexperte.

Alarm in den Gassen beim nächtlichen Glockengeläut

Weitere 24 Stufen hinauf, über eine steile Leiter, gelangt Korthals oberhalb des Uhrwerks in die Glockenstube mit den drei Bronzeglocken: Neben der Gebetsglocke (Angelus) hängen hier auch die Toten- und die Taufglocke.

Udo Korthals pflegt die mehr als 100 Jahre alte Uhr, die er auch mal „zur Räson bringen muss“.

Udo Korthals pflegt die mehr als 100 Jahre alte Uhr, die er auch mal „zur Räson bringen muss“. Foto: Laudien

Die vierte Zeitglocke befindet sich an der Außenseite des Kirchturms unmittelbar über der Kirchturmuhr. „Das Glockenläuten ist in Apensen eine Wissenschaft für sich, und es gibt eigens eine Läuteordnung“, erklärt Apensens Küsterin Heike Meyer.

Über der Kirchturmuhr befindet sich die kleinere Uhrenglocke.

Über der Kirchturmuhr befindet sich die kleinere Uhrenglocke. Foto: Laudien

Dass die Kirchturmuhr in Apensen durch Wetterfühligkeit zeitweise einige Minuten vorgeht, bekommt kaum jemand mit. „Anders ist es beim lautstarken Glockengeläut“, sagt Korthals. Noch gut erinnert er sich an einen Zwischenfall: „Mitten in der Nacht herrschte Alarm in den Gassen.“ Sofort sei er aufgesprungen, um oben im Kirchturm den technischen Defekt zu beheben.

Kirchturmuhr wird umgestellt

Präzise, aber manchmal auch wetterfühlig: das 1909 konstruierte Meisterwerk von Uhrmacher Johann Friedrich Weule.

Präzise, aber manchmal auch wetterfühlig: das 1909 konstruierte Meisterwerk von Uhrmacher Johann Friedrich Weule. Foto: Laudien

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