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Blaulicht

TUnwetter: Hunderte Kinder von Zeltplatz am Strand in Sicherheit gebracht

Einsatz an der Beach-Arena am Strand von Duhnen: Der Zeltplatz wird evakuiert, bevor die Feuerwehr ihn absperrt.

Einsatz an der Beach-Arena am Strand von Duhnen: Der Zeltplatz wird evakuiert, bevor die Feuerwehr ihn absperrt. Foto: König/Feuerwehr

Ein starkes Unwetter bricht über einen Campingplatz in Cuxhaven-Duhnen herein. Mehrere Hundert Kinder werden evakuiert, einige werden verletzt. Zelte fliegen sogar in die Nordsee.

Von Denice May Sonntag, 21.06.2026, 15:45 Uhr

Cuxhaven. Wo am Freitagabend noch Vorfreude auf ein Wochenende voller Beachhandball herrschte, bot sich wenige Stunden später ein völlig anderes Bild. Ein heftiges Unwetter verwüstete das Zeltlager des Beachhandball-Turniers des Handballverbands Niedersachsen-Bremen (HVNB) am Strand von Duhnen. Das für das Wochenende geplante Turnier wurde daraufhin abgesagt.

Es sind Bilder, die an den Tag nach einem großen Festival erinnern: eingestürzte und weggewehte Zelte, zurückgelassene Getränkekisten, flatterndes Absperrband. Und dann war da noch Blaulicht. Mehrere Hundert Kinder mussten in der Nacht zu Sonnabend (20. Juni 2026) vom Strand in Duhnen evakuiert werden.

Betroffen waren rund 470 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von acht bis 14 Jahren. Die jungen Sportler wurden mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen, als heftige Windböen über den Zeltplatz vor dem Deich hinwegfegten. Bereits am Freitag (19. Juni 2026) hatten die Verantwortlichen die Wetterentwicklung aufmerksam verfolgt. „Es hieß, es könnte geringen Niederschlag geben“, erinnert sich Detlef Kortstegge vom HVNB im Gespräch mit der Redaktion der Cuxhavener Nachrichten.

Als er in der Nacht die Wetterlage auf dem Radar beobachtete, bemerkte er jedoch, dass sich etwas zusammenbrauen würde. „Erst kam etwas Regen und dann heftiger Wind. Es blitzte, aber donnerte erst nicht.“

Innerhalb kurzer Zeit verschärfte sich dann aber die Lage. Die starken Böen rüttelten die Zelte massiv durch. „Das Zelt wurde vom Wind richtig hochgedrückt, obwohl da zehn Kinder drin waren“, schildert ein Vater aus Seelze gegenüber Cuxhavener Nachrichten die Situation und ärgert sich: „Es gab keine Warnung vom Wetterdienst.“ Auch sein Sohn erinnert sich noch genau an den Moment, als die Nacht plötzlich zur Ausnahmesituation wurde: „Ich bin wach geworden, weil geschrien wurde, dass wir alle aus den Zelten müssen und evakuiert werden.“

Evakuierung mitten in der Nacht am Strand von Cuxhaven

Um 1.40 Uhr begann die Evakuierung des Zeltlagers. Unterstützung erhielt die Turnierleitung von der Feuerwehr. „Dabei lief alles gesittet ab. Die Feuerwehr ist dazugekommen und hat uns bei der Evakuierung unterstützt“, hebt Detlef Kortstegge hervor. Bereits im Vorfeld seien Notfallabläufe kommuniziert worden. „Wir hatten ja vor zwei Jahren schon mal eine Evakuierung. Deswegen waren wir dieses Mal besser vorbereitet und deutlich besser strukturiert.“

Blaulicht flackert in der Nacht durch Dunen: Die Feuerwehr ist mit etwa 60 Einsatzkräften vor Ort.

Blaulicht flackert in der Nacht durch Dunen: Die Feuerwehr ist mit etwa 60 Einsatzkräften vor Ort. Foto: König/Feuerwehr

Auch diesmal rückte wieder die Feuerwehr mit 60 Einsatzkräften aus. Die Retter unterstützten und koordinierten die bereits durch die Organisatoren eingeleitete Evakuierung. „Die Zusammenarbeit zwischen allen Einsatzkräften, der Turnierleitung und den Betreuerinnen und Betreuern lief sehr gut“, lobt die Feuerwehr unter der Einsatzleitung von Jan Mangels.

Evakuierung am Strand in Cuxhaven: Kinder bei der NHC untergebracht

Nach Angaben der Feuerwehr wurden rund 200 Kinder und Jugendliche im nahegelegenen Saal „Windjammer“ der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH (NHC) untergebracht. Zudem holten einige Eltern ihre Kinder ab oder nahmen sie direkt mit in ihre Unterkünfte.

Parallel dazu wurden die Handballmannschaften kontaktiert, um sicherzustellen, dass niemand fehlte. Gegen 2.30 Uhr waren alle Teilnehmer in Sicherheit, so Einsatzleiter Mangels.

Der Katastrophenschutz der Stadt Cuxhaven unterstützte den Angaben zufolge mit Einwegdecken zum Aufwärmen für die Kinder sowie mit Bereitstellung und Transport von Tischen und Bänken. Im Notquartier seien die Kinder und Jugendlichen von Einsatzkräften der Feuerwehr und den Notfallseelsorgern gesichtet und betreut worden.

Getränke wurden organisiert und das Frühstück in das Notquartier verlegt. Die Einsatzkräfte sperrten derweil den verwaisten Zeltplatz bis zur Übergabe an den Veranstalter ab.

Kaputte Zelte und andere Ausrüstungsüberreste werden nach dem heftigen Unwetter in Containern entsorgt.

Kaputte Zelte und andere Ausrüstungsüberreste werden nach dem heftigen Unwetter in Containern entsorgt. Foto: May

Das ganze Ausmaß der Schäden wurde erst bei Tagesanbruch sichtbar. Zahlreiche Zelte waren aus ihren Verankerungen gerissen worden. Gepäck und Ausrüstung lagen verstreut auf dem Gelände.

Drei Kinder werden verletzt

„Zelte sind teilweise bis in die Nordsee geflogen“, berichtet Detlef Kortstegge. Die Feuerwehr zählte nach Angaben von Jesse König, Sprecher der freiwilligen Feuerwehren in der Stadt Cuxhaven, ebenfalls etliche zerstörte Zelte. „Zwei Zelte flogen ins Watt.“ Drei Kinder wurden den Angaben zufolge leicht verletzt und kamen zur Untersuchung in eine Klinik.

Die Verantwortlichen entschieden sich am Morgen zur Absage des Turniers. „Bei der Evakuierung durften die Kinder nur ihre Wertsachen mitnehmen und hatten teilweise nicht mal ein T-Shirt an, weil es so warm war. Alles war durchnässt und sie haben fast gar nicht geschlafen. Und am Samstag hätten sie dann wieder bei so hohen Temperaturen spielen sollen. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, das Turnier abzusagen“, erklärt Detlef Kortstegge die Entscheidung.

Eine leere Beach-Arena statt Beachhandball-Action: Nach dem heftigen Unwetter muss das Turnier abgesagt werden.

Eine leere Beach-Arena statt Beachhandball-Action: Nach dem heftigen Unwetter muss das Turnier abgesagt werden. Foto: May

Für viele der jungen Teilnehmer war die Entscheidung dennoch eine große Enttäuschung. Der Vater aus Seelze zeigt Verständnis, sieht die Absage aber mit gemischten Gefühlen: „Die Turnierabsage ist verständlich, aber nicht im Sinne der Kinder. Viele sind darüber sehr unglücklich.“

Beachhandball-Turnier in Cuxhaven abgesagt: Improvisiertes Spaßturnier

Auch sein Sohn hätte gerne gespielt. „Die Sachen sind in der Sonne doch alle wieder getrocknet“, sagt er. Immerhin sorgten einige Trainer spontan für einen kleinen Lichtblick und organisierten auf den Sandplätzen ein improvisiertes Spaßturnier. „So war die Anreise nicht völlig umsonst“, bedauert der Vater. Die Familie wollte trotz allem zunächst bleiben. „Aber wir fahren jetzt erst einmal ins Hotel und holen Schlaf nach.“

Auch den Organisatoren fiel die Entscheidung schwer. „Mir tun die Kinder leid und es tut mir in der Seele weh, dass wir das Turnier absagen mussten“, bedauert Detlef Kortstegge gegenüber der CN/NEZ-Redaktion. Sein Blick richtet sich aber schon wieder nach vorn. Bereits im August steht das nächste Beachhandball-Turnier für die E- bis C-Jugend in Cuxhaven an. Die Resonanz ist groß, wie Detlef Kortstegge weiß: „Es gibt jetzt schon so viele Anmeldungen wie nie zuvor.“ Nun hoffen die Verantwortlichen, dass dann auch wieder ausschließlich der Sport im Mittelpunkt steht - und nicht das Wetter.

Allerdings: Es ist genau das Turnier, das im August 2024 ebenfalls von einem nächtlichen Gewitter überschattet wurde. Damals wurden etwa 700 Kinder und Betreuer evakuiert. Die E- bis C-Jugendlichen wurden damals zwischenzeitlich in einer Jugendherberge, im Haus der Kurverwaltung und in der Sporthalle der Berufsbildenden Schulen (BBS) untergebracht.

Sturm und Unwetter in Cuxhaven: Feuerwehr weiteres Mal im Einsatz

Im Einsatz waren nach Feuerwehrangaben am vergangenen Wochenende die Berufsfeuerwehr Cuxhaven und der Rettungsdienst, ein Leitender Notarzt, die Polizei Cuxhaven, die Freiwilligen Feuerwehren Duhnen-Stickenbüttel und Döse, ein Einsatzleitwagen der Freiwilligen Feuerwehr Cuxhaven-Mitte, die Versorgungseinheit der Feuerwehr Stadt Cuxhaven, die Facheinheit Information und Kommunikation (IUK) sowie Mitarbeiter des Katastrophenschutzes der Stadt Cuxhaven. Auch zwei Notfallseelsorger und mehrere Mitarbeiter der NHC waren vor Ort. Der Einsatz dauerte bis etwa 7 Uhr.

Ansonsten hatte die Berufsfeuerwehr Cuxhaven nur einen weiteren sturmbedingten Einsatz: Im Claus-Oellerrich-Weg war ein großer Ast herabgestürzt, der mit einer Motorkettensäge zunächst in kleine Teile gesägt und dann beiseite geräumt wurde.

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