TWeihnachtsspende für Magnus: Vom Leben mit einem behinderten Kind
Imke Schröder mit Sohn Magnus - dank Talker-Tablet und Laufgerät kann der Zehnjährige aktiv am Familenleben in Ruschwedel teilhaben. Foto: Laudien
Dass Magnus lebt, grenzt an ein Wunder. Der Junge aus Ruschwedel ist schwerbehindert. Seine Eltern setzen sich für die Teilhabe ihres Sohnes ein. Pünktlich zu Weihnachten gab es eine Überraschung.
Apensen. Magnus ist hier Stammgast. „Seit mehreren Jahren kommt er zu unseren Tieren im Streichelzoo. Ich weiß, dass seine Eltern auf vieles verzichten müssen und durch das Handicap ihres Kindes ein schweres Los haben“, sagt der Landwirt und Tannenbaumzüchter Günther Poppe. Aus diesem Grund stellte der 91-Jährige in diesem Jahr erstmals bei seinem Tannenbaumverkauf mit Weihnachtsmarkt in Ruschwedel eine Spendenbox für Magnus und seine Familie auf.
Weihnachtliche Stimmung: Magnus mit seinen Eltern Imke (links) und Mikko Schröder (rechts) und den Unterstützern Margret und Günther Poppe. Foto: Poppe
Die Spendenbereitschaft der Besucher war groß: Insgesamt kamen 1054 Euro zusammen, die der Familie Schröder zum 3. Advent überreicht wurden. „Wir sind sehr berührt und dankbar. Es ist eine tolle Geste und wir möchten uns damit als Familie eine gemeinsame Auszeit gönnen und vielleicht eine Reise machen“, sagt Imke Schröder.
„Magnus ist dem Tod von der Schippe gesprungen“
Magnus ist seit seiner Geburt behindert. Er kann weder stehen noch laufen, lediglich die linke Hand bewegen und nur sehr eingeschränkt sprechen. Der Zehnjährige kam drei Monate zu früh auf die Welt, erlitt kurz nach seiner Geburt eine Darminfektion und infolgedessen eine massive Hirnblutung.
„Er ist dem Tod zweimal von der Schippe gesprungen“, sagt seine Mutter. Der Junge verständigt sich mithilfe eines sogenannten Talkers, ein Kommunikationsgerät, das er mit der linken Hand bedient und wodurch er am Familienleben aktiv teilnehmen kann.
Monatelanger Kampf um den Schulplatz
Der Zehnjährige bekommt regelmäßig Therapien wie Physio, Ergo und Logopädie. Seine Mutter geht außerdem mit ihm zum Schwimmen und zur Reittherapie. Seit August 2022 besucht Magnus die vierte Klasse der Förderschule Elfenwiese in Hamburg-Marmstorf. „Es war ein monatelanger Kampf, nach der Kita diesen Schulplatz für Magnus zu bekommen“, erzählt Imke Schröder.
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Magnus sei ein sehr lebensfrohes Kind, gehe gerne zur Schule und könne dank seines Laufgerätes auch im Garten und im Haushalt immer dabei sein, erzählt seine Mutter. Neben den körperlichen Beeinträchtigungen leidet Magnus außerdem an einer schweren Form der Epilepsie, bekommt dadurch regelmäßig Anfälle und benötigt dann dringend ein Notfallmedikament. „Daher müssen mein Mann oder ich jede Nacht neben Magnus schlafen“, berichtet Imke Schröder, die neben der Betreuung ihres Sohnes bei der IHK in Stade arbeitet.
Familie muss für Elektrorollstuhl klagen
Zur großen Freude von Magnus hat die Familie jetzt zur Weihnachtszeit die Spielzeugeisenbahn des verstorbenen Großvaters im Wohnzimmer aufgebaut, die dort ihre Runden dreht. Ihr Einfamilienhaus in Ruschwedel haben Mikko und Imke Schröder behindertengerecht umgebaut und unter anderem die Terrasse mit einer Rampe versehen. „Wir wollen uns den Alltag mit allen erdenklichen Hilfsmitteln erleichtern“, sagt Imke Schröder.
Ein Elektrorollstuhl, den Magnus mit der linken Hand bedienen könnte, würde der Familie eine große Unterstützung bringen. „Doch die Krankenkasse ist anderer Meinung“, erzählt die Mutter. Seit zwei Jahren laufe die Klage vor dem Sozialgericht in Stade. Jetzt habe der Richter ein Gutachten von einem Facharzt beantragt. Anfang Dezember war Imke Schröder mit Magnus zur Begutachtung in Bremen. Demnächst soll noch ein zweitägiger Untersuchungstermin folgen. „Auch dafür muss ich mir von meinem Arbeitgeber wieder freinehmen.“
Klage vor dem Sozialgericht
Vom Medizinischen Dienst wurde der Familie ein Patientenlifter empfohlen. Den hat die Krankenkasse ebenfalls abgelehnt. Damit könnte Magnus ohne große körperliche Anstrengung gehoben und umgelagert werden – etwa vom Bett in den Rollstuhl oder auf die Toilette. Der Zehnjährige wiegt inzwischen 18 Kilo, und Imke Schröder hatte im Sommer bereits einen Bandscheibenvorfall.
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Magnus Eltern machen sich auch hinsichtlich der Zukunft ihres Sohnes große Sorgen. „Was wird in zehn Jahren sein, wie geht es mit Magnus nach der Schulzeit weiter?“
Trotz der vielen Hürden wollen sie nicht aufgeben und sich weiterhin für ihr Kind starkmachen. „Wir sind kein Einzelfall“, betont Imke Schröder, die damit ein Thema in den Fokus rücken möchte: Sie gehören zu den 86 Prozent in Deutschland, die Angehörige, sei es Kinder oder auch Eltern, nahezu kostenlos zu Hause pflegen. „Zwar bekommt Magnus Pflegegeld, aber im Vergleich mit dem, was wir leisten, ist das nur ein symbolischer Betrag.“
Für das neue Jahr hat Familie Schröder einen Wunsch: „Wir möchten einen E-Rolli, der Magnus eine bessere Teilhabe am Leben ermöglicht.“
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