T14-Jährige in Jugendzentrum vergewaltigt? Gemeinde kämpft gegen Shitstorm
Das Jugendzentrum in Gnarrenburg: In der kommunalen Einrichtung soll es zur Vergewaltigung einer 14-Jährigen gekommen sein. Noch ermittelt die Stader Staatsanwaltschaft, was im Juni 2025 hier passiert ist. Foto: Harscher
Drei Teenager sollen eine 14-Jährige in einem Gnarrenburger Jugendzentrum missbraucht haben. Die Stader Staatsanwaltschaft ermittelt, die Gemeinde kämpft gegen einen Shitstorm.
Gnarrenburg. Drei Jugendlichen im Alter von 15, 16 und 18 Jahren werden schwere Vorwürfe gemacht: Die Jungen sollen ein 14-jähriges Mädchen in der kommunalen Einrichtung Ende Juni missbraucht und gefilmt haben. Die Mutter hatte am Wochenende mit der „Bild“-Zeitung über den Fall gesprochen und das Thema damit öffentlich gemacht.
Staatsanwaltschaft Stade: Ermittlungen dauern weiter an
Was genau im Juni 2025 im Jugendzentrum Gnarrenburg (JUZE) geschah, ist indes weiter unklar. Denn die Ermittlungen dauern weiter an, war am Montagmorgen von der Staatsanwaltschaft Stade zu erfahren: „Wir können in Anbetracht dessen und wegen der Wahrung des besonderen Jugendschutzes auch zu diesem Zeitpunkt noch keine weiteren Auskünfte dazu erteilen“, reagierte die Erste Staatsanwältin Julia Lüth im Gespräch mit der Bremervörder Zeitung auf die Veröffentlichung im Boulevard-Blatt, auf die sich inzwischen bundesweit auch weitere Medien bezogen haben.
„Wie jedes Verfahren, das Aspekte des Jugendschutzes betrifft, wird das Verfahren unter der gebotenen Berücksichtigung des Beschleunigungsgrundsatzes geführt. Wann die Ermittlungen jedoch abgeschlossen sein werden, ist nicht abzusehen“, betonte Lüth unter Berufung auf das Jugendgerichtsgesetz (JGG). Das JGG verlangt eigentlich, Verfahren gegen Jugendliche „zügig“ durchzuführen, da erzieherische Maßnahmen nur dann wirken, wenn sie zeitnah folgen, weil eine allzu späte Reaktion die erzieherische Wirkung beeinträchtigen könne, wie es in Kommentaren zum Gesetz heißt.
Es gilt laut JGG aber auch ein anderer wichtiger Grundsatz - und das ist die Gründlichkeit, die jetzt alle Beteiligten mit Blick auf den Zeitrahmen der Ermittlungen vor große Herausforderungen stellt. Vor diesem Hintergrund mahnt auch Gemeindebürgermeister Marc Breitenfeld (CDU) zur Besonnenheit. „Aufklären lassen, schützen, unterstützen und als Gemeinde zusammenhalten. Auch wenn uns das Thema emotional sehr nahegeht“, schreibt er auf seinem Social-Media-Kanal.
„Dass das Zeit braucht, ist schwer auszuhalten“
„Wenn Eltern den Eindruck haben, dass ihrem Kind Leid zugefügt wurde, ist das für jede Familie eine Ausnahmesituation. Den Schmerz, die Angst und auch die Wut können wir absolut nachvollziehen“, betont Gnarrenburgs Gemeindebürgermeister. Gleichzeitig gehe es aber auch ausnahmslos um Minderjährige. „Deshalb können und werden wir keine Details öffentlich kommentieren. Das gilt für mögliche Beteiligte, Abläufe und Bewertungen. Das schützt nicht eine Seite. Es schützt die Jugendlichen insgesamt“, betont Breitenfeld.
„Die Aufklärung liegt bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Dass das Zeit braucht, ist schwer auszuhalten. Das gilt auch für uns. Am Ende müssen aber Fakten und Beweise entscheiden. Nicht Gerüchte, Druck oder Schlagzeilen“, betont Breitenfeld. „Was wir klar sagen können: Der Schutz von Kindern und Jugendlichen hat für uns höchste Priorität. Das Jugendzentrum bleibt ein wichtiger Ort für junge Menschen. Wir stärken die Rahmenbedingungen weiter. Das tun wir mit klaren Regeln, verlässlichen Abläufen, Präventionsarbeit und enger Begleitung der Arbeit vor Ort.“
„Keine Spekulationen. Keine Vorverurteilungen“
Breitenfelds Bitte an alle: „Keine Spekulationen. Keine Vorverurteilungen. Keine Namensnennungen. Und vor allem kein Teilen von Inhalten, die Minderjährige verletzen oder identifizierbar machen könnten.“ Wer Hinweise habe, die für die Ermittlungen relevant seien, so der Bürgermeister weiter, sollte sie den zuständigen Behörden geben.“
Bürgermeister berichtet über „erhebliche verbale Angriffe“
Seit der Berichterstattung der Boulevard-Zeitung kämpft die Gemeinde Gnarrenburg gegen einen Shitstorm. Noch am Sonntagabend reagiert Breitenfeld auf dem Facebook-Account der Gemeinde Gnarrenburg darauf. Unter der Überschrift „Schutz. Aufklärung. Zusammenhalt“ schreibt er: „Zum Wochenende gab es in Folge der Bild-Berichterstattung, die Parallelen zu einem Fall in Berlin vermutet, erhebliche verbale Angriffe auf die Kirchengemeinde, die Gemeinde Gnarrenburg und das Jugendzentrum. Diverse Internetplattformen bauten auf den Artikel weiter auf und ergänzten ihn mit eigenen Interpretationen. Es ging dabei nicht nur um Kritik, die ein Bürgermeister in einem gewissen Umfang aushalten muss. Es wurden daraufhin auch unsere Jugendpflegerinnen, unser Jugendsozialarbeiter, Mitarbeitende im Rathaus, Ehrenamtliche und teils sogar Jugendliche, die unser Jugendzentrum besuchen, über soziale Medien beschimpft, bedroht und beleidigt“, teilt er mit.
Gnarrenburger E-Mail-Adressen auf Pornoseiten registriert
Zudem sollen dienstliche E-Mail-Adressen missbräuchlich verwendet und unter anderem bei Pornoseiten und Online-Casinos registriert worden sein. „Das ist nicht hinnehmbar. Hier ist eine klare Grenze überschritten“, so der Bürgermeister. „Wer Menschen bedroht, beleidigt oder systematisch einschüchtert, greift nicht nur einzelne Personen an. Er greift die Kinder- und Jugendarbeit insgesamt an. Solche Angriffe werden von uns konsequent dokumentiert und zur Anzeige gebracht“, lässt er wissen.
Im Gespräch mit der Zevener Zeitung spricht Breitenfeld am Montag vom Erhalt einer „riesigen Shitstormwelle“ und „Drohmails ohne Ende“. Die Gemeinde sei selbst daran interessiert, den Fall endlich aufzuklären. Doch das Ergebnis der Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft liegt auch nach Monaten nicht vor.
Ein Angebot für Jugendliche in Gnarrenburg aufgebaut
Die Gemeinde habe in der Vergangenheit viel für die Kinder- und Jugendarbeit gemacht. Doch was jetzt nach der Berichterstattung passiert ist, geht ihm zu weit. „Selbst Kinder und Jugendliche, die das Jugendzentrum besuchen, sind attackiert worden. Es tut besonders weh, dass jetzt unsere ganze Kinder- und Jugendarbeit zerschossen wird“, so der Verwaltungschef am Montag gegenüber der Zevener Zeitung.
In seinem Post fügt Breitenfeld hinzu: „Wir erwarten zudem eine verantwortungsvolle Berichterstattung. Bei Vorwürfen dieser Schwere reicht es nicht, Andeutungen, Vermutungen oder einseitige Darstellungen zu verbreiten.“ Wer den Eindruck erweckt, Verantwortliche oder Mitarbeitende hätten versagt, müsse die Fakten prüfen und Betroffene fair anhören, bevor solche Behauptungen veröffentlicht werden, betont er. „Auch wir wollen eine lückenlose Aufklärung der Vorwürfe und daraus folgende Konsequenzen.“
Erst Ende Juli soll es um Vergewaltigung gegangen sein
Der Tatvorwurf einer Vergewaltigung soll laut Breitenfeld erst Ende Juli des vergangenen Jahres aufgekommen sein. „Dann haben wir innerhalb weniger Stunden die Meldekette ausgelöst und sofort reagiert“, so Breitenfeld gegenüber der Redaktion. Es sei mit der Polizei und auch mit den Eltern gesprochen worden. Polizei und Staatsanwaltschaft haben dann die weiteren Ermittlungen aufgenommen. Die Gemeinde hofft auf Aufklärung. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, „müssen Konsequenzen folgen, das ist klar“.
Dass sich das Ermittlungsverfahren so lange hinzieht, ärgert den Bürgermeister. „Am meisten tut mir das Mädchen leid, weil es auf seinem Rücken ausgetragen wird. Das ist schlimm“, so Breitenfeld über die Folgen der langen Ermittlungszeit. Bis zur Klärung des Sachverhalts haben die drei Tatverdächtigen Hausverbot bekommen. „Aber jetzt muss die Justiz mal um die Ecke kommen und für Aufklärung sorgen“, fordert Marc Breitenfeld. Der Fall liege schließlich über acht Monate zurück.
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