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Fernweh

T16-Jähriger aus Wischhafen wird Botschafter in den USA

Bo Mattis Hahn zieht es in die Ferne - als Jugendbotschafter.

Bo Mattis Hahn zieht es in die Ferne - als Jugendbotschafter. Foto: Wertgen

Seine Träume auszusprechen ist leicht. Bo Mattis Hahn hat auch den Mut nach ihnen zu greifen. Zehn Monate lang wird der Wischhafener nun Deutschland in den USA vertreten.

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Von Lars Wertgen
05.08.2026, 15:05 Uhr

Wischhafen. Eine unbekannte Nummer aus Berlin ruft bei Bo Mattis Hahn an. Wahrscheinlich Spam. Der 16-Jährige ignoriert den Anruf. Erst als ihm ein Freund schreibt, der ebenfalls in der engeren Auswahl war, aber selbst gerade abgelehnt wurde, wird Hahn klar, worum es geht. Er ruft sofort zurück.

Am anderen Ende: Bundestagsabgeordneter Christoph Frauenpreiß. Der CDU-Politiker teilt Hahn mit, dass er das Vollstipendium des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) bekommt. Freudentränen, bei Hahn und wenig später auch bei seiner Mutter.

Mehrstufiger Bewerbungsprozess

Beworben hatte sich der Wischhafener, weil ihn ein Aufenthalt in den USA schon lange reizt. „Ich habe schon Fernweh und möchte möglichst viel von der Welt sehen“, sagt er. Aufmerksam geworden auf PPP ist er über Partnership International, die den Austausch organisiert.

Bis zur Zusage war es ein mehrstufiger Weg: ein schriftlicher Fragebogen, ein Auswahlgespräch mit Einzelinterview auf Englisch, zuletzt ein persönliches Videotelefonat mit Frauenpreiß. Am Ende entschied der Abgeordnete, wer aus seinem Wahlkreis (Cuxhaven-Stade II) die Patenschaft erhält.

Nur 300 Plätze in Deutschland

Warum ausgerechnet er diese Chance bekommt, weiß Hahn selbst nicht genau. Er fand seine Mitbewerber sehr stark. Vor allem aber macht sich bei Hahn Erleichterung breit: Ohne das Stipendium wäre der zehnmonatige Aufenthalt kaum zu stemmen gewesen, etwa 15.000 Euro hätte der Trip sonst gekostet.

Seine Eltern hatten ihn schon vorher bestärkt, sich zu bewerben - nicht aus dem Wunsch heraus, ihn aus dem Haus zu haben, sondern, damit er seine Träume verwirklicht.

Mit Hahn freuen sich in diesem Jahr insgesamt 300 junge Menschen aus ganz Deutschland über ein PPP-Vollstipendium, 235 Schülerinnen und Schüler sowie 65 junge Berufstätige.

Vom Boxring in die Ringermannschaft

Wohin die Reise geht, wusste Hahn zum Zeitpunkt des Anrufs noch nicht. Inzwischen steht es fest: Albany, eine Kleinstadt im US-Bundesstaat Oregon, etwa so groß wie Stade. Bekannt ist der Ort für die Verbindung aus traditioneller Holz- und Landwirtschaft und hochspezialisierter Schwerindustrie - er gilt als „Welthauptstadt der seltenen Metalle“.

Seine erste Gastmutter ist eine sogenannte Welcome Family, bei der er die ersten drei Monate leben wird. Hahn und die alleinstehende Frau haben sich bereits per E-Mail und Videoanruf kennengelernt. Sie engagiert sich ehrenamtlich an der High School, auf die Hahn gehen wird. Sie hilft dort in der Ringermannschaft aus - was für Hahn gut passt, der seit acht Monaten in Hemmoor boxt.

Amerikanern von Schützenfesten und Elbfähre erzählen

Mit dem Stipendium kommen auch neue Aufgaben. Als Jugendbotschafter soll Hahn an seiner Schule in Präsentationen von Deutschland erzählen und Mitschülern Fragen zum Heimatland beantworten.

Auch vom idyllischen Wischhafen mit seiner Elbfähre und dem Schützenverein will er berichten - Traditionen, die es in den USA in dieser Form kaum gibt. In einem vorbereitenden Seminar hat er gelernt, wie er Deutschland repräsentieren kann, aber auch, dass 16-Jährige in den USA gesellschaftlich als politisch unmündiger gelten.

Hahn vor der US-Botschaft.

Hahn vor der US-Botschaft. Foto: Privat

„Boost an Selbstständigkeit“

Neben dieser Rolle hat Hahn eigene Pläne für die zehn Monate: Ein American-Football-Spiel will er unbedingt sehen, dazu einen Abstecher nach San Francisco machen.

Von seiner erwarteten persönlichen Entwicklung spricht er mit klaren Erwartungen - sein Englisch werde besser, vor allem aber erhofft er sich mehr Selbstständigkeit. „Wenn man sich in einem fremden Land zurechtgefunden hat, wird es hier bestimmt auch im Alltag helfen“, so Hahn.

Kontakt zur Heimat soll bewusst selten sein, damit der Fokus ganz auf Amerika liegt, so Partnership International. Am meisten vermissen wird er neben Familie und Freunden deutsche Lebensmittel wie Brot.

Gastfamilien gesucht

Während es Hahn in die Ferne zieht, ermutigt Christoph Frauenpreiß auch Familien aus dem Kreis Stade, sich als Gastfamilie zu bewerben: „In einer Zeit, in der unsere Gesellschaft zunehmend von Polarisierung geprägt ist, ist es umso wichtiger, Brücken zu bauen.“ Informationen gibt es unter office@partnership.de.

Für Hahn hingegen nähert sich der Abschied bereits. Eine Abschiedsfeier mit Freunden und Besuche bei Verwandten hat es genauso bereits gegeben wie Probepacken.

Am 10. August geht der Flieger: ab Frankfurt geht es über Washington, wo sich zunächst alle Austauschschüler treffen, nach San Francisco und Portland. Es werden die ersten Flüge von Hahn sein, bislang ist die Familie mit dem Auto nach Italien gefahren - bald lernt er den American Way of Life kennen und repräsentiert zugleich sein Land.

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