T2400 Reben: Wie Freunde den Weinbau auf die Geest holen
Bauen den ersten Wein auf der Geest an (von links): Alexander Ernst, Jana Heins und Florian Schubert. Foto: P. Meyer
Mit der Hand ernteten die Gründer von „Traube und Biene“ kürzlich 440 Kilo Weintrauben auf ihrem Weinberg in Wangersen. Jetzt soll daraus ihr erster Weißwein entstehen.
Ahlerstedt. Wer an deutschen Weinanbau denkt, dem kommen Gebiete wie Rheinhessen, die Mosel oder der Mittelrhein in den Sinn. Der Landkreis Stade gehörte bislang nicht dazu. Mit ihrem Projekt „Traube und Biene“ arbeiten zwei Paare aus Wangersen daran, das zu ändern: Auf gut einem halben Hektar Land kümmern sich Jana Heins, Alexander Ernst sowie Florian und Maren Schubert um rund 2400 Weinreben. Aus den Beeren soll bis Ostern 2027 der erste verkaufsfertige Weißwein von der Stader Geest entstehen.
Sie ernteten 440 Kilo Weintrauben per Hand
Im September stand für die vier Freunde die erste Lese an: Solaris und Muscaris mussten aufgrund des guten Wetters spontan früher als geplant vom Rebstock geholt werden. „Dabei haben wir 175 Kilo geerntet“, erklärt Alexander Ernst. Die Handlese habe zu zweit rund zweieinhalb Stunden gedauert. Herausgekommen seien 80 Liter Wein.

Alexander Ernst (links) und Florian Schubert sind seit ihrer Kindheit befreundet. Heute bauen sie gemeinsam mit ihren Partnerinnen Wein auf der Geest an. Foto: Heins
Zum zweiten Einsatz schwärmten die Weinbauer in der vergangenen Woche aus: 265 Kilo Souvignier Gris und Sauvignac ernteten sie - ebenfalls von Hand. „Das war mehr, als wir für das erste Jahr erwartet haben“, sagt Jana Heins.
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Verarbeitet werden die Trauben bei einem befreundeten Weinbauer in Lüneburg. Dort werden sie zunächst gepresst, bevor der gewonnene Most zur Gärung angesetzt wird. Anschließend wird der Wein vom Bodensatz getrennt und darf in Fässern weiterreifen. Im Frühjahr soll er in Flaschen abgefüllt werden. „Zu Ostern wollen wir unseren ersten Wein verkaufen“, erklärt Jana Heins.
Honig und Wein: Projekt entstand bei einem Grillabend
Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg. Ins Rollen kam das Projekt bei einer gemütlichen Runde auf der heimischen Terrasse. „Die Idee entstand während Corona“, erklärt Jana Heins. Damals hatte die 36-jährige Bautechnikerin gerade mit der Imkerei angefangen und sich gemeinsam mit Ehemann Alexander Ernst einige Bienenvölker zugelegt.

Bis kurz vor der Ernte reiften die Trauben in der Sonne. Foto: P. Meyer
Zeitgleich probierten sich Florian und Maren Schubert hobbymäßig an der Aufzucht von 100 Weinreben im eigenen Garten aus. „Das war schon immer unsere Leidenschaft“, erklärt Florian Schubert. Ihre Urlaube verbringen sie häufig in Weinanbaugebieten und verkosten gerne Wein in kleinen Vinotheken in Italien oder Griechenland. Bei einem gemeinsamen Grillabend sei den befreundeten Paaren dann die Idee für „Traube und Biene“ gekommen. „Warum nicht beides kombinieren?“, so Jana Heins.

Florian Schubert testet den Zuckergehalt und damit den Reifegrad der Weintraube mittels Refraktometer. Foto: P. Meyer
2024 erhielt das Projekt die Genehmigung zum professionellen Weinanbau - damit wurden sie zu Vorreitern im Landkreis Stade. Auch beim Grundstück hatten die vier Glück: An die Fläche in Wangersen, auf der früher einmal Mais angebaut wurde, kamen sie über die Großmutter von Jana Heins. Viele arbeitsintensive Stunden und zwei Jahre später, fliegen hier elf Bienenvölker zwischen vier verschiedenen Weinrebsorten umher.
„Weine der Zukunft“ gedeihen auch in Norddeutschland
„Wir wollten es so grün wie möglich halten“, erklärt Jana Heins. Auch wenn die Reben nicht auf Bestäubung durch Bienen angewiesen sind, ist den Gründern von „Traube und Biene“ die Wechselwirkung von Pflanzen und Insekten wichtig. Eine wilde Hecke, begrünte Gassen zwischen den Spaliersystemen und ein Insektenhotel sollen zum ökologischen Gleichgewicht beitragen.

Starteten 2024 das Projekt „Traube und Biene“ (von links): Alexander Ernst, Florian und Maren Schubert sowie Jana Heins. Foto: Heins
Beim Wein selbst setzen die vier Autodidakten auf sogenannte PIWI-Sorten. Die Abkürzung steht für pilzwiderstandsfähige Reben. Solaris, Muscaris, Sauvignac und Souvignier Gris reiften den Sommer über auf dem Weinberg in Wangersen. „Das sind die Weine der Zukunft“, erklärt Florian Schubert, der hauptberuflich Controller ist.
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Durch die spezielle Kreuzung seien die Reben gut für den Anbau in Norddeutschland geeignet: Sie kämen mit weniger Sonnenstunden und mehr Regen aus. Vor allem seien sie weniger anfällig für Mehltau, eine der häufigsten Pilzkrankheiten im Weinbau.
Wein von der Geest für die Geest
Wenn der erste Wein im Frühjahr fertig ist, soll er möglichst in der Region bleiben. Als Erste sollen die 65 Reb-Paten in den Genuss kommen, erklärt Jana Heins. Sie hätten das Projekt von Beginn an unterstützt. Die folgenden Jahrgänge soll es dann in regionalen Hofläden und Restaurants geben.

Bis kurz vor der Ernte reiften die Trauben in der Sonne. Foto: P. Meyer
Auch Verkostungen mit Eventcharakter können sich die Freunde künftig vorstellen. Die Pergola auf dem Weinberg bietet dafür bereits einen passenden Ort: Hier könnten die Besucher zusammenkommen, um den Wein direkt dort zu probieren, wo die Trauben wachsen. Wichtig sei den Gründern von „Traube und Biene“ aber eines, betont Jana Heins: „Wir wollen es lokal halten.“
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Florian Schubert betrachtet die Weinreben: Aus den Früchten soll bald schon ein Weißwein werden. Foto: P. Meyer

Starteten 2024 das Projekt „Traube und Biene“ (von links): Die Paare Alexander Ernst und Jana Heins sowie Florian und Maren Schubert. Foto: Heins
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