T25 Jahre Wikipedia: Kurioses aus dem Landkreis Stade
Sehenswürdigkeiten im Kreis Stade? Auch darüber gibt Wikipedia Auskunft. Foto: Archiv/Wikipedia/Wiki Commons
Seit 25 Jahren gibt es das Online-Nachschlagewerk Wikipedia. Auch über den Kreis Stade kann man sich dort informieren. Und entdeckt dabei kuriose Fakten, Promis – und: Heimatliebe.
Landkreis. Wikipedia startete am 15. Januar 2001, anfangs nur auf Englisch. Seit dem 16. März 2001 ist auch die deutschsprachige Wikipedia online.
Den 25. Geburtstag des Online-Nachschlagewerks nehmen wir zum Anlass, uns die Beiträge zum Landkreis Stade und seinen Kommunen mal etwas genauer anzuschauen.
Im folgenden Text finden sich die Informationen so, wie sie auf Wikipedia.de nachzulesen sind – die Angaben sind ohne Gewähr.
Alle können mitmachen
So funktioniert Wikipedia: Die Inhalte der freien Enzyklopädie werden von ehrenamtlichen Autoren erstellt und gepflegt. Nach dem Prinzip des kollaborativen Schreibens sollen sie fortwährend bearbeitet, geprüft und diskutiert werden. Diese freiwillige Mitarbeit steht jedem offen.
Allerdings hat das Nachschlagewerk auch seine Tücken, wie sich beim Betrachten der Einträge zu Stader Kommunen zeigt: Teilweise sind die Informationen veraltet (für den Landkreis Stade zum Beispiel Wahlergebnisse von 2016 und Statistiken von 2008) oder spärlich.
Zwar ist der Aufbau bei den Einträgen gleich, die Informationsdichte ist es aber nicht. Gibt es in einer Kommune zum Beispiel einen engagierten Heimatforscher, ist der Abschnitt „Geschichte“ sehr umfangreich, während bei anderen Punkten nichts eingetragen ist.
Stade war der Vorreiter
Die erste Kommune im Landkreis Stade: Die erste Kommune, über die ein Wikipedia-Eintrag angelegt wurde, ist Stade. Am 24. Januar 2003 wurden die ersten Informationen zur Hansestadt eingetragen, fünf Monate vor dem Eintrag zum Landkreis Stade (22. Juni 2003).
Über Buxtehude konnte man sich ab dem 12. Februar 2003 informieren.
Nach und nach wurden die Informationen um die anderen Kommunen ergänzt – zuletzt ist im Februar 2006 die Gemeinde Kranenburg hinzugekommen.
Die Infos im ersten Stader Wikipedia-Eintrag waren jedoch überschaubar. „Stade ist Kreisstadt des Landkreises Stade in Niedersachsen, zwischen Cuxhaven und Hamburg“, heißt es dort, und „Stade liegt im Alten Land am Fluss Schwinge, unweit der Elbe“.
Ergänzt wird der Eintrag von den Stichworten Hansestadt, Kraftwerk und Altstadt. Einwohnerzahlen, Informationen zu Wirtschaft, Politik oder Kultur und Sehenswürdigkeiten folgten erst später. Die heutige Version ist deutlich ausführlicher – sie umfasst mehr als 30 gedruckte Seiten.
Stade binon zif in fedalän: Dona⸗Saxän: Infos in 57 Sprachen abrufbar
Sprachen: Die Einträge aus dem Landkreis Stade sind in der Wikipedia in vielen Sprachen abrufbar. Die Einträge der einzelnen Gemeinden können in mehr als 30 Sprachen gelesen werden, darunter Plattdeutsch, Japanisch, Mazedonisch oder Malaiisch.
Der Landkreis Stade kommt auf 42 Übersetzungen, die Hansestadt Buxtehude kann in 45 Sprachen abgerufen werden. Spitzenreiter ist jedoch die Hansestadt Stade. Deren Wikipedia-Eintrag kann man sich in 57 Sprachen anzeigen lassen – zum Beispiel in Chinesisch, Ukrainisch, Serbokroatisch, Armenisch, Baskisch, Kurdisch, Nordfriesisch, Persisch, Hebräisch, ChiTumbuka (wird zum Beispiel in Malawi gesprochen) oder der im 19. Jahrhundert entwickelten Kunstsprache Volapük: „Stade binon zif in fedalän: Dona⸗Saxän, in Deutän“ (Stade ist eine Stadt im Land Niedersachsen, in Deutschland).
Sieben Änderungen pro Monat
Autoren und Bearbeitungen: Seit seiner Erstellung 2004 wurde der Eintrag über die Stadt Stade von 892 Editoren insgesamt 1945-mal bearbeitet, zuletzt am 2. Januar 2026 (Stand 9. Februar). Das entspricht etwa sieben Änderungen pro Monat. Buxtehude kommt sogar auf 2087 Änderungen von 994 ehrenamtlichen Autoren. Weniger tut sich auf dem Eintrag zum Landkreis Stade, dort waren es seit Erstellung nur 468 Bearbeitungen.
Einer der engagierten Editoren zu den Artikeln aus dem Landkreis Stade ist der Nutzer „Klauswitt“. Beispielsweise stammen 37,3 Prozent der Text-Änderungen am Kutenholzer Wikipedia-Eintrag von ihm.
Das TAGEBLATT hat nicht nur einen Blick auf die Statistik geworfen, sondern sich auch mit den Inhalten der Wikipedia-Artikel zu den Kommunen im Kreis Stade beschäftigt. Sie zeigen auch, was den Menschen an ihren Heimatorten wichtig ist.
Jedem Dorf seine Kirche
Sehenswürdigkeiten: Was in einem Ort als sehenswert gilt, hängt immer vom Betrachter ab. Oft werden in Wikipedia unter diesem Punkt die Dorfkirchen erwähnt.
In den Einträgen zu Kranenburg, Himmelpforten, Hammah, Estorf, Engelschoff, Düdenbüttel, Wischhafen und Fredenbeck werden Sehenswürdigkeiten nicht explizit hervorgehoben. Anders in den folgenden Beiträgen (eine Auswahl):
- Stade: In Stade ist laut Wikipedia die gesamte Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern aus dem 17. Jahrhundert sehenswert. Auch Stadt- und Hansehafen sowie die Löwen-Apotheke sind dort aufgeführt.
- Buxtehude: Die Pfarrkirche St. Petri und der Marschtorzwinger zählen nicht nur zu den Sehenswürdigkeiten, sie gelten auch als Wahrzeichen der Hansestadt.
- Heinbockel: Für Heinbockel ist die „Diskothek Musikladen Heinbockel“ im Wikipedia-Eintrag erwähnenswert.
- Krummendeich: Hier gibt es gleich „diverse denkmalgeschützte Gutshäuser, Wirtschaftsgebäude, Wohnhäuser“, die zu den Sehenswürdigkeiten gezählt werden.
- Balje: Das kleine Balje listet das Oste-Sperrwerk als Sehenswürdigkeit auf.
- Steinkirchen: Die Arp-Schnitger-Orgel der St.-Martini-et-Nicolai-Kirche ist laut Wikipedia-Eintrag „weltberühmt“.
- Guderhandviertel: In Guderhandviertel steht der älteste erhaltene Fachwerkbau des Alten Landes, erbaut 1587.
- Grünendeich: Als Sehenswürdigkeit wird unter anderem die Apfelplantage am Außendeich erwähnt.
- Horneburg: In Horneburg gibt es gleich 13 aufgelistete Sehenswürdigkeiten, darunter eine Vogelsammlung.
- Bliedersdorf: Hier gibt es einen mehr als 200 Jahre alten Dorfbrunnen.
- Brest: Zu den Sehenswürdigkeiten wird der Findling in der Ortsmitte gezählt.
- Kutenholz: Als bedeutsames Bauwerk wird unter anderem „Peter Kors sin olet Huus“ erwähnt.
Promi-Hotspot Landkreis Stade?
Prominente Persönlichkeiten: Wikipedia zählt eine Vielzahl von mehr oder weniger bekannten Personen als Söhne und Töchter des Landkreises Stade oder als Personen mit Verbindungen zum Landkreis auf. Hier eine Auswahl:
- Als stellvertretende Filialleiterin Pina in der Serie „Die Discounter“ ist Klara Lange bekannt geworden. Die Schauspielerin ist 1998 in Stade geboren und wuchs in Harsefeld auf.
- Fernsehkoch und Moderator Rainer Sass ist ein Stader Urgestein, ebenso wie der auf Stadersand aufgewachsene Journalist und Autor Stefan Aust.
- Juliette Schoppmann, Finalistin der ersten Staffel „Deutschland sucht den Superstar“, stammt ebenfalls aus Stade.
- Fernsehmoderator und Entertainer Alexander Duszat, bekannt als „Elton“, ist in Jork aufgewachsen und hat die Halepaghen-Schule in Buxtehude besucht.
- Früher lebte der Musiker und ESC-Teilnehmer Michael Schulte in Buxtehude, jetzt wohnt er mit seiner Familie im Buxtehuder Umland.
- Travestiekünstlerin Lilo Wanders wohnte zeitweise in Großenwörden. Der Pomologe Eckart Brand lebt noch immer dort.
- Cartoonist Fred Tödter alias Tetsche lebt in Steinkirchen. Die Bestsellerautorin Dörte Hansen hat dort ebenfalls zehn Jahre gewohnt.
- Dichter Gotthold Ephraim Lessing („Nathan der Weise“) hat 1776 in Jork Eva König geheiratet. Hunderte Jahre später, im Jahr 2000, hat Komiker Otto Waalkes sich dort mit Schauspielerin Eva Hassmann vermählt.
- Auch einige Sportler hat der Landkreis Stade hervorgebracht, unter anderem Michael Stolle aus Buxtehude (4. Platz beim Stabhochsprung bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney).
- Der Buxtehuder Fußballer Stefan Studer hat in den 1980er/1990er Jahren unter anderem für den FC St. Pauli, Hannover 96 und Hansa Rostock gespielt. Auch aus Buxtehude kommt Alexander Nouri, der in den 1900er/2000er Jahren für den VfL Osnabrück, Holstein Kiel und den VfB Oldenburg auf dem Platz stand und Trainer bei Werder Bremen war.
- In Jork hat sogar ein Nationalspieler gelebt: Vom SV Este über den FC St. Pauli zu Fenerbahçe Istanbul bis in die türkische Fußball-Nationalmannschaft führte in den 1990er/2000ern der Weg von Deniz Barış.
- Handball-Vizeweltmeisterin und Nationalspielerin Emily Vogel (geborene Bölk) wurde in Buxtehude geboren und hat unter anderem für den BSV gespielt.
- Auch die 2006 zur erfolgreichsten Basketballspielerin Deutschlands ernannte Linda Fröhlich-Todd kommt aus dem Landkreis Stade.
- 3,9 Millionen Follower verfolgen das Treiben des in Buxtehude aufgewachsenen Streamers und Unternehmers Marcel Thomas Andreas Eris („MontanaBlack“).
Palindrom, Europarekord und Tierliebe
Kurioses: Eine Fülle von Informationen ist in den Einträgen zu den Gemeinden im Landkreis Stade hinterlegt. Klar, dass dort auch einige kuriose Fakten aufgeführt werden. Hier eine Auswahl:
- Für Schüler spielt die Hansestadt Stade eine besondere Rolle: Paul Diercke (1874 in Stade geboren) war Herausgeber des „Diercke-Weltatlas“. Sein Vater Carl hatte das Nachschlagewerk für Schulkinder entwickelt. Der Gründer des bekannten Cornelsen Schulbuchverlags, Franz Cornelsen, hat Anfang des 20. Jahrhunderts in Stade das Athenaeum besucht.
- Die Buxtehuderin Margarethe Winter (1857-1934) ist in zweifacher Hinsicht bemerkenswert: Als eine der ersten Frauen unternahm sie 1905 mit einem „Motorwagen“ der Marke Opel 18/24 PS eine Fahrt durch Europa. Weiterhin fand ihr „Haus Wachenfeld“ in Obersalzberg Einzug in die Geschichtsbücher. Adolf Hitler kaufte ihr das Landhaus 1933 für 40.000 Reichsmark ab. Er baute es zu seiner zweiten Residenz, dem „Berghof“, aus.
- Die Tollmien-Schlichting-Wellen, ein Begriff aus der Aerodynamik, wurden nach dem 1907 in Balje geborenen Strömungsmechaniker Hermann Schlichting benannt.
- Für seine Vermessung des Königreichs Hannover Anfang des 19. Jahrhunderts nutzte Carl Friedrich Gauß den Litberg in Sauensiek als Erhebung im norddeutschen Flachland. Der Litberg ist mit 65 Meter über NHN auch heute noch die höchste Erhebung im Landkreis Stade.
- Der Ortsname Hammah ist ein Palindrom, also vorwärts- wie rückwärtsgelesen gleich.
- In Steinkirchen stehen Masten der Elbekreuzung 2. Die zwei Tragmasten der Kreuzung sind 227 Meter hoch und gelten als die höchsten Freileitungsmasten Europas.
- 1932 wurde in Nottensdorf eine Grab- und Gedenkstätte für den Hamburger Medizinprofessor Hans Much errichtet. Rund um die Gedenkstätte findet man Feldsteine mit den Namen seiner Pekinesen-Hunde: Han-Foo, Wu-Ti, Yan-Yan und Ping-Pong.
- Der Harsefelder Birger Corleis ist am typischen Modern-Talking-Sound beteiligt: Für sechs in den 1980er Jahren erschienene Alben bildete er gemeinsam mit Rolf Köhler, Nino de Angelo, Michael Scholz und Detlef Wiedeke das Gesangsquintett für die hohen Falsett-Stimmen im Refrain.
- Die ukrainische Stadt Nju-Jork (Нью-Йорк) wurde nach ihrer Gründung im 19. Jahrhundert von deutschen Auswanderern nach ihrer Herkunftsstadt Jork „Nju Jork“ benannt.
Quellen: Wikipedia.de, xtools.
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