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Kinderkrebshilfe

T40 Jahre und eine halbe Million Euro: Spendensammler von der Oste hören auf

Sie hängen die gelben Mützen an den Haken: Harald Hemp und Walter Kühlke haben das Sonnengelb zur Farbe der Kinderkrebshilfe Oste erkoren. Jetzt hören sie nach 40 Jahren mit dem Spendensammeln auf.

Sie hängen die gelben Mützen an den Haken: Harald Hemp und Walter Kühlke haben das Sonnengelb zur Farbe der Kinderkrebshilfe Oste erkoren. Jetzt hören sie nach 40 Jahren mit dem Spendensammeln auf. Foto: klempow

Zwei hören auf: Harald Hemp und Walter Kühlke verabschieden sich mit der Kinderkrebshilfe Oste. Sie blicken auf eine bewegte Zeit, ein gelbes Auto, viel Geld und sehr viel Gutes.

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Von Grit Klempow
04.10.2026, 17:50 Uhr

Oldendorf-Himmelpforten. Peter Maffay an der Oste - das wär‘s noch gewesen. Aber der Musiker hat freundlich abgesagt. Ansonsten haben Harald Hemp und Walter Kühlke mit ihren Mitstreitern im Dienst der guten Sache so einiges geschafft.

Für die Aktionsgemeinschaft Kinderkrebshilfe Oste haben sie 40 Jahre lang Geld gesammelt. 590.000 Euro haben sie seither nach Bremen überwiesen, zum Elternverein Leukämie- und Tumorkranker Kinder. Was hat sie in all den Jahren dazu gebracht?

Junge Väter wollen etwas tun

Es war eine Erkenntnis, die in den 1980er Jahren in einer Bierlaune bei einer Hochzeitsfeier im Estorfer Gasthaus Ney reifte. „Wir waren alle junge Familienväter“, erinnert sich Kühlke. Im Gespräch wurde ein bisschen gemosert, und doch wurde allen klar: „Uns geht es nicht wirklich schlecht, oder?“. Die Konsequenz: „Lasst uns was tun für die, denen es nicht gut geht.“

Sie machten sich schlau, wen und wie sie am besten unterstützen können und fanden einen kleinen Verein am damaligen St.-Jürgen-Krankenhaus, in dem sich Eltern krebskranker Kinder engagierten. Mit der Elternvereinsvorsitzenden trafen sie sich, „im einzig verfügbaren Elternzimmer“ auf der Station in Bremen. Ihnen wurde klar, „hier ist Geld nötig“.

Spendenziel 50.000 Mark

„Unser Ziel war am Anfang, 50.000 Mark zu sammeln“, erinnert sich Kühlke. Angeschafft werden sollte für die Station eine „ultra sterile Reinraumkabine“. Die Kinderkrebshilfe Oste nahm die Arbeit auf.

Und wie: Hemp und Kühlke aktivierten ihren großen Bekanntenkreis. Es waren sieben Familien, „aber Estorf hat 200 Helfer. In kleinen Dörfern ist das Ehrenamt normal, da muss man nicht lange betteln“, erinnert sich Kühlke, der heute in Himmelpforten lebt. Gemeinsam stellten sie ein Volksfest auf die Beine.

10.000 Menschen kommen nach Estorf

Es war das Jahr 1987. 10.000 Menschen kamen - und 40.000 Mark landeten in der Spendenkasse. Stolz sind sie noch heute beim Rückblick auf dieses Volksfest. „Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas - es hat auch Spaß gemacht“, sagt Harald Hemp.

Die Spendensammler merkten am großen Zuspruch auch nach dem Fest - „aus der Nummer kommen wir nicht mehr raus.“ 500.000 Mark wurden irgendwann zum neuen Spendenziel der Aktionsgemeinschaft.

Zweite Auflage des Volksfests nach zehn Jahren

Für das Team war immer wichtig, dass jeder Pfennig und später jeder Cent in Bremen bei den Eltern krebskranker Kinder ankommen. Und weil Aufhören keine Option war, legten Kühlke, Hemp und Co. zehn Jahre nach dem Volksfest noch eine Schippe drauf.

Walter Kühlke (links) und Harald Hemp in jungen Jahren mit dem Erlös.

Walter Kühlke (links) und Harald Hemp in jungen Jahren mit dem Erlös. Foto: Kinderkrebshilfe

Ein Jahr dauerte die Vorbereitung, 20 Köpfe waren dabei und am Ende erlebte Estorf 1997 ein Fest, das es so vielleicht nicht wieder geben wird. Festzelt, Tombola, Flohmarkt, Ferraris, Oldtimer, Volkstanz und Blasmusik. Die Top-Fourty-Band New Comix auf der Bühne. Auch Heißluftballon-Starts spülten Geld in die Kasse. Willi Lemke und auch Bremens Bürgermeister Henning Scherf kamen an die Oste. „Internet gab es bei uns noch nicht“, sagt Walter Kühlke. „Aber es muss sich wohl rumgesprochen haben.“ 12.000 Menschen besuchten das Fest in Estorf.

Ein gelbes Auto als Hauptpreis

Der Clou war die Verlosung des Hauptpreises. Ein knallgelber, fast neuer Opel Corsa. Von April bis September war zuvor Hemp damit unterwegs gewesen, „kreuz und quer durch den Landkreis“, erinnert er sich und grinst. Das Logo der Kinderkrebshilfe Oste fuhr gut sichtbar mit. Allein 27.000 Mark flossen durch die Corsa-Verlosung aufs Spendenkonto. Und am Ende des Wochenendes standen 136.000 Mark in der Bilanz.

Was für ein Hauptgewinn der Tombola: Ein Auto war der erste Preis.

Was für ein Hauptgewinn der Tombola: Ein Auto war der erste Preis. Foto: Klempow

Den Scheck überreichten die Gäste aus Estorf in Bremen - im ehrwürdigen Bremer Rathaus an die Vorsitzende des Elternvereins - und im Beisein von Bürgermeister Scherf und Willi Lemke.

Hemp: „Wir konnten einfach nicht aufhören“

Im Laufe der Jahre überholten sie sich selbst. Als der Spendenstand auf 550.000 Mark stand, setzten sie kurzerhand ein neues Ziel - die umgerechnet 280.000 Euro waren ja nun auch keine glatte Summe. „Wir konnten einfach nicht aufhören“, sagt Harald Hemp.

Große Aktionen waren nicht mehr drin, dafür waren beide irgendwann beruflich zu stark eingebunden, das Team wurde auch kleiner. Dennoch flossen weiter Spenden. Allein Wilfried Flemke habe in all den Jahren fast 40.000 Euro gesammelt, betont er.

„Wir wollen jetzt offiziell Danke sagen“

Den Klinik-Clown in Bremen, die Ferienbetreuung für Familien, Forschung und Typisierungsaktionen oder eine Musiktherapeutin hat die Kinderkrebshilfe Oste mitfinanziert - obwohl die Aktionsgemeinschaft in den letzten Jahren gar nicht mehr öffentlich zu finden war. Das lag auch an einer Drohung der Deutschen Krebshilfe, den Namen nicht weiter zu verwenden.

Jetzt, zum Schluss ihres Spendenmarathons ist es Hemp und Kühlke egal. Sie ziehen sich zurück, die Kinderkrebshilfe Oste gibt es zum Jahresende nicht mehr. Dann gehen die letzten Spendenbescheinigungen raus. „Wir wollen jetzt offiziell Danke sagen an alle, die Geld gegeben haben.“, sagt Walter Kühlke. Bewegte Zeiten liegen hinter den beiden. Sie haben ihr Spendenziel erreicht.

www.kinderkrebs-bremen.de

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