T60 Jahre an der Pfeife: Wie ein Schiedsrichter Generationen prägte und verbindet
So wie hier mit Uwe Seeler, so traf Günther Thielking in seiner Laufbahn mit vielen anderen Fußballgrößen zusammen. Foto: Baur
Günther Thielking steht seit 60 Jahren für Einsatz im Fußball, als Schiedsrichter, Ausbilder und Integrationshelfer – von Bremen-Nord bis Südafrika.
Hagen. „Willst du spielen oder pfeifen?“, hatte man ihn in den 1960er Jahren gefragt. Er entschied sich für pfeifen und legte am 31. März 1965 seine Schiedsrichterprüfung ab. Bei einem Spiel des Blumenthaler SV gegen den Hamburger SV war er als Linienrichter dabei.
„Anschließend saß ich mit Uwe Seeler und anderen HSV-Größen an einem Tisch und aß gemeinsamen mit denen Hackepeterbrötchen“, denkt er an dieses besondere Erlebnis zurück. Heute zieren die Namen vieler anderer Fußballpromis aus der ganzen Welt sein Gästebuch, in dem er seine ganze Laufbahn festgehalten hat.
Von Bremen-Nord in die niedersächsische Fußballwelt
Auch japanische Schriftzeichen sind darunter, denn im Rahmen der Olympiavorbereitung pfiff er ein Spiel der japanischen Nationalmannschaft gegen den VFB Oldenburg. „Einem Japaner musste ich sogar die gelbe Karte zeigen, weil er ziemlich stark gefoult hat“, erinnert sich Thielking schmunzeld.
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Nach seinem Umzug von Bremen-Nord nach Hagen war er zum Niedersächsischen Fußballverband gewechselt. Dort war man auch schnell auf seine Fähigkeiten als Lehrer aufmerksam geworden, denn er war viele Jahre Schulleiter in Bramstedt. So war Günther Thielking insgesamt 31 Jahre als Schiedrichterausbilder in Niedersachsen im Landkreis Cuxhaven, im Bezirk Lüneburg und beim Niedersächsischen Fußballverband tätig. Seit 21 Jahren ist es beim Deutschen Fußballbund (DFB) als Ausbilder für Schiedsrichter, Trainer und Vereinsfunktionäre deutschlandweit unterwegs.
Thielkings Einsatz für ausländische Mitbürger
Dabei entstanden allein hundert Schiedsrichterlehrbriefe mit über 2000 Seiten Unterrichtsmaterial für die Ausbildung. Daneben war und ist Günther Thielking auch in mehreren Arbeitskreisen und Kommissionen tätig und vertrat Deutschland auch international. Aber auch auf anderen Kontinenten war er aktiv. So leitete er ab 2009 vom DFB unter dem Motto „Football meets Culture“ eine Fußballausbildung für Kinder in Südafrika. Für ausländische Mitbürger setzt sich der 76-Jährige auch nach seiner Pensionierung als Schulleiter noch ein.
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Unterstützung für ukrainische Flüchtlinge
So gab er Flüchtlingen aus der Ukraine in Hagen Deutschunterricht. Nach deren Rückkehr besuchte eine Delegation aus Hagen die Ukrainer in ihrer Heimat zu Weihnachten. Nach einer Sammlung in Hagen hatten sie Geschenke für die Kinder mitgenommen. Im Ruhestand studierte Günther Thielking noch einige Semester Psychologie und hat heute einen Lehrauftrag an der Uni Bremen im Bereich Erziehungswissenschaften. An der Grundschule in Bramstedt gibt er auch seit zehn Jahren Schwimmunterricht. Und auch das nächste Projekt hat er schon im Kalender: eine gemeinsame Klassenfahrt mit den Schülern.