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Wall of Fame

T6391 Jahre bei Viebrock: Harsefelder Unternehmen ehrt seine Jubilare

Die Mitarbeiter stehen seit Jahrzehnten hinter ihnen: Lars Viebrock, Vater Andreas Viebrock und Bruder Dirk Viebrock (von links).

Die Mitarbeiter stehen seit Jahrzehnten hinter ihnen: Lars Viebrock, Vater Andreas Viebrock und Bruder Dirk Viebrock (von links). Foto: Fehlbus

Willi Schulz war 1954 der erste Mitarbeiter des Harsefelder Bauunternehmens Viebrock. Der Maurer ist einer, dessen Name jetzt an der Wall of Fame steht. Was steckt dahinter?

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Von Miriam Fehlbus
Montag, 09.02.2026, 18:48 Uhr

Harsefeld. Die Räume am Grashofweg in Harsefeld sind bis auf den letzten Platz gefüllt. 228 Menschen sind eingeladen, weil sie von ihrem ehemaligen oder aktuellen Arbeitgeber Viebrockhaus eine Auszeichnung bekommen sollen.

Ihr Name wird jetzt an einer Wand verewigt. Über allem steht in goldenen Buchstaben „Wall of Fame“ - in Anlehnung an den Walk of Fame in Hollywood, auf dem seit 1960 Sterne mit den Namen Prominenter prangen.

An der Wall of Fame werden langjährige Mitarbeitende verewigt: Ab jetzt kommen immer am 1. September neue dazu, manche Schilder müssen umgehängt werden.

An der Wall of Fame werden langjährige Mitarbeitende verewigt: Ab jetzt kommen immer am 1. September neue dazu, manche Schilder müssen umgehängt werden. Foto: Fehlbus

Jeder der Anwesenden in Harsefeld hat mindestens 20 Jahre für Viebrockhaus gearbeitet. Manche Lebenswege sind besonders eindrucksvoll - wie die Erinnerungen von Willi Schulz. Als das Harsefelder Bauunternehmen am 1. September 1954 in die Hände von Gustav Viebrock ging, war Schulz der erste Maurergeselle, der erste Mitarbeiter überhaupt.

Fast vergessen: Schon vor dem Gründungsdatum Mitarbeiter

Begonnen als Maurergeselle, fortgebildet als Maurermeister, Kolonnenführer und am Ende Verantwortlicher für Baugenehmigungen: Willi Schulz hat viel erlebt und nun das Einladungsprozedere durcheinandergewürfelt. Seit dem 5. Juli 1954 war der heute 93-Jährige Mitarbeiter von Gustav Viebrock. Dabei besteht das Unternehmen unter dem neuen Namen laut Urkunde erst ab dem 1. September 1954. So wurde der wahrlich älteste Mitarbeiter vom Jubiläumskomitee spät entdeckt. Glücklicherweise sitzt er jetzt hier.

Das Gebäude mit der Wall of Fame im Inneren steht dort, wo einst der Bau- und Lagerhof des Unternehmens Viebrockhaus war. Die Zentrale liegt noch immer mitten im Ort, einige Hundert Meter vom Logistikzentrum entfernt, das von Harsefeld-Weißenfelde aus die Grundbestandteile der Häuser auf Baustellen in ganz Deutschland liefert.

Von einem Mitarbeiter auf heute über 1000

Viebrockhaus hat heute mehr als 1000 Mitarbeiter, ist einer der bundesweit führenden Massivhaus-Hersteller. Einen entscheidenden Schritt tat Andreas Viebrock ab 1984. Für die Generation des Familienunternehmens, die aktuell die Geschäfte führt, ist es etwas Besonderes, Menschen der ersten Stunde zu treffen.

„Wenn man wie ich so knapp über 30 Jahre ist, kann man sich nicht vorstellen, wie man 30, 40, 50 Jahre in einem Unternehmen arbeiten kann“, sagt Lars Viebrock in seiner Rede vor den geladenen Gästen. 228 Mitarbeitende gibt es, die länger als 20 Jahre für Viebrockhaus gearbeitet haben. Rund die Hälfte ist noch im Unternehmen aktiv.

Ohne Elfriede Viebrock gäbe es das Unternehmen nicht

Drei Generationen lang gibt es das Familienunternehmen. Die Einfamilienhaussparte als Kerngeschäft führen heute die beiden jüngeren von drei Brüdern, Lars und Dirk Viebrock, weiter. Sie übernahmen das Geschäft von ihrem Vater Andreas Viebrock. Und dieser geht auch auf die anwesende älteste Generation ein: „Ohne meine Mutter hätte es dieses Unternehmen so nicht gegeben“, sagt Andreas Viebrock während der Ehrungen mit Blick auf Elfriede Viebrock.

Zur Mitarbeiter-Feier kamen sie alle zusammen: Andreas und Mutter Elfriede Viebrock, rechts ihr Enkel Dirk Viebrock, hinter ihm dessen Frau Andrina Viebrock. Daneben, von rechts: Annegret Viebrock, ihr jüngster Sohn Lars Viebrock mit seiner Frau Anastasia dahinter sowie links der älteste der drei Brüder, Jan Viebrock.

Zur Mitarbeiter-Feier kamen sie alle zusammen: Andreas und Mutter Elfriede Viebrock, rechts ihr Enkel Dirk Viebrock, hinter ihm dessen Frau Andrina Viebrock. Daneben, von rechts: Annegret Viebrock, ihr jüngster Sohn Lars Viebrock mit seiner Frau Anastasia dahinter sowie links der älteste der drei Brüder, Jan Viebrock. Foto: Fehlbus

Die 91-Jährige lässt es sich nicht nehmen, bei der Mitarbeiterfeier mittendrin zu sein. Die Geschichte am Mikrofon erzählt ihr Sohn: „Sie hat die Annonce rausgesucht und sie ist mit meinem Vater hierhergefahren.“ Das Harsefelder Unternehmen suchte damals einen Käufer. Es wurde der im Januar 2019 im 90. Lebensjahr verstorbene Gustav Viebrock.

Die Sonderrolle der Frauen und Mütter im Unternehmen

Elfriede Viebrock fuhr das Auto, weil ihr Mann damals noch keinen Führerschein hatte. Frauen hatten hier auch schon früh besondere Rechte als Arbeitnehmer, erzählt Catarina Wichern. Die 67-Jährige aus Harsefeld hat quasi ihr ganzes Arbeitsleben bei Viebrockhaus verbracht. „Eigentlich habe ich bis heute nur einen Lehrvertrag, sonst nichts“, sagt sie nach 51 Jahren im Unternehmen.

Catarina Wichern (67) hat die 50 Jahre im Betrieb im vergangenen Jahr voll gemacht. Jetzt arbeitet sie noch ihre Tochter ein, dann soll Schluss sein.

Catarina Wichern (67) hat die 50 Jahre im Betrieb im vergangenen Jahr voll gemacht. Jetzt arbeitet sie noch ihre Tochter ein, dann soll Schluss sein. Foto: Fehlbus

Dabei war sie inzwischen Chefsekretärin, Hauptansprechpartnerin in der Immobilienabteilung und Verantwortliche für Sonderaufträge. Die gelernte Bürokauffrau profitierte wie viele andere als Mutter von Teilzeitangeboten und Homeoffice, „als es das Wort noch gar nicht gab“, wie sie sagt. Gustav Viebrock brachte selbst den Müttern die Aktenordner nach Hause, damit sie bei den Kindern bleiben konnten. Vor 40 Jahren war das eine Besonderheit.

Reisen und die Weitergabe an die nächste Generation

„Gustav Viebrock war mein Lieblingschef“, gesteht Catarina Wichern heute. Sie blieb für immer und möchte nun noch ihre Tochter Carolin einarbeiten. Dann ist Schluss, meint die dynamische Frau aus der Immobilienabteilung.

Die Mitarbeiter bei Viebrockhaus haben nicht nur gearbeitet. Sie reisten zusammen mit dem Firmenchef nach Prag, nach Österreich. Für viele war es der erste Urlaub ihres Lebens, eine Anerkennung für viele Jahre der Treue. „Ich dachte als Fünfjähriger immer, die gehören hier alle zur Familie“, sagt Dirk Viebrock.

Die Brüder geben sich Mühe, das Unternehmen attraktiv für Mitarbeiter fortzuführen. Es gibt Hilfe bei Arztterminen über ein betriebliches Gesundheitsmanagementsystem, Hilfe bei der Wohnungssuche und besondere Anerkennung für Flexibilität. Das Unternehmen bekommt im Gegenzug Erfahrung und loyale Mitarbeiter: „An dieser Wand stehen insgesamt 6391 Jahre Erfahrung“, sagt Lars Viebrock mit Blick auf die Wall of Fame.

Das Haus mit dem Friseur steht noch heute

Zwei Namen, die auf den Metallschildchen stehen: Willi Schulz und Peter Hafke. Der heute fast 94-Jährige und der 80-Jährige waren Nachbarn in Harsefeld. Schulz brachte den jüngeren Bruder seiner Freunde mit zur Arbeitsstätte - als Auszubildenden für den Maurerberuf.

Willi Schulz (links) ist der erste Mitarbeiter von Viebrock überhaupt, Peter Hafke (rechts) ist der 27. Mitarbeiter in der über 70-jährigen Firmengeschichte.

Willi Schulz (links) ist der erste Mitarbeiter von Viebrock überhaupt, Peter Hafke (rechts) ist der 27. Mitarbeiter in der über 70-jährigen Firmengeschichte. Foto: Fehlbus

Hafke wurde der 27. Mitarbeiter von Viebrockhaus. Ein Haus, das sie früh gemeinsam gemauert haben: das Gebäude eines Friseurs in der Herrenstraße, nicht weit vom Rathaus. Es steht noch heute, mit neuen Dachziegeln und weiß verputzter Front. Peter Hafke hat mit 14 Jahren bei Viebrockhaus begonnen.

Mit 14 Jahren begonnen, in 14 Jahren an der Wall of Fame

„Am Sonntag war Konfirmation und am Mittwoch, 1. April, begann meine Lehre“, erinnert er sich. Er weiß noch, wie Gustav Viebrock zwei 50-Kilogramm-Zementsäcke schulterte „und wir zwei Hänflinge jeweils einen“. Eine besondere Anerkennung war, wenn Gustav Viebrock am Ende des Tages sein Handwerkszeug stehen ließ und sagte: „Jungs, das gehört jetzt euch“, so Hafke.

Jeder geehrte Mitarbeiter bekam eine Urkunde für zu Hause.

Jeder geehrte Mitarbeiter bekam eine Urkunde für zu Hause. Foto: Fehlbus

Sie haben darauf ihre Lebensgeschichte aufgebaut. Von Peter Hafke arbeitet inzwischen die Enkelin in dritter Generation im Familienunternehmen Viebrock. Bis zu ihrer ersten Plakette an der Wall of Fame sind es noch 14 Jahre. Peter Hafke nimmt die Urkunde für mehr als 45 Jahre bei Viebrockhaus mit nach Hause.

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