T700.000 Euro gespart: Wie Drochtersen seine neue Schule baut
Die neue Grundschule ist hinter dem bisherigen Gebäude (zentral unten). Foto: Martin Elsen (Archivbild)
Die Gemeinde baut nicht selbst, sondern kauft ein Rundum-Paket ein. Warum das bei einem 13-Millionen-Projekt für Drochtersen die klügere Wahl ist.
Drochtersen. Die Gemeinde Drochtersen macht einen entscheidenden Schritt beim Neubau ihrer Ganztagsgrundschule. Der Bauausschuss empfahl einstimmig, einen Totalunternehmer zu beauftragen - einen Auftragnehmer, der das Gesamtprojekt aus einer Hand steuert und einen Löwenanteil der Risiken übernimmt.
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Das Vorhaben wird auf Gesamtkosten von rund 13,1 Millionen Euro geschätzt und soll über einen Kommunalkredit finanziert werden. Begleitet wird die Planung bislang vom Beratungsunternehmen Drees & Sommer.
Platz für 220 Schüler auf 3700 Quadratmetern
Die neue Schule soll direkt hinter dem bestehenden Schulgebäude entstehen. Das Grundstück gehört der Gemeinde. Das Gebäude soll eine Bruttogeschossfläche von rund 3700 Quadratmetern haben.
Darin entstehen drei Schulzüge - also drei parallele Klassen pro Jahrgang - für insgesamt 220 Schülerinnen und Schüler. Der Schulbetrieb soll während der Bauphase nicht unterbrochen werden, der Pausenhof wird vorübergehend allerdings kleiner ausfallen.
Wer haftet, wenn etwas schiefläuft?
Ein Totalunternehmer unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Eigenrealisierung: Er übernimmt nicht nur die Planung, sondern auch die Bauausführung - und damit den Großteil der Projektrisiken. In der Planungsphase trägt er 85 Prozent der Risiken, in der Bauphase 80 Prozent.
Zusätzlich garantiert er eine fünfjährige Gewährleistung für die technischen Anlagen sowie zehn Jahre für Dach- und Facharbeiten. Die Instandsetzung für die folgenden rund 25 Jahre liegt dann bei der Gemeinde oder einem von ihr beauftragten Dienstleister.
Alternative abgelehnt, da teurer und langsamer
Die Alternative wäre eine Eigenrealisierung gewesen: Die Gemeinde hätte dann Planung und Vergabe per Einzellosvergabe selbst gesteuert und jedes Gewerk separat ausgeschrieben.
Laut Kalkulation wären dabei rund 700.000 Euro Mehrkosten angefallen, außerdem hätte die Gemeinde zusätzliches Personal einstellen müssen. Die Fertigstellung wäre acht Monate später gewesen.
Mengenrabatte und eingespieltes Netzwerk als Vorteile
Was das gewählte Modell neben der Risikoverteilung attraktiv macht: Ein Totalunternehmer arbeitet mit eingespielten Kooperationspartnern - Architekten, Fachplanern, Bauleitern - zusammen und kann beim Materialeinkauf Mengenrabatte erzielen.

So könnte der Zeitstrahl von der Planung bis zur Fertigstellung aussehen. Die Angaben beruhen auf Annahmen von Drees & Sommer. Foto: TAGEBLATT/Notebook.lm
Gegenüber der Eigenrealisierung entfällt zudem der Aufwand, jeden Auftragnehmer separat auszuschreiben und zu koordinieren - ein Faktor, der bei komplexen Bauprojekten erheblich Zeit binden kann.
Wann die neue Grundschule fertig ist
Dem Zeitplan zufolge sollen die ersten Planungsschritte im Januar 2027 beginnen, der Baubeginn ist für Januar 2029 vorgesehen. Die Bauphase wird auf 26 Monate veranschlagt - die Fertigstellung ist für Februar 2031 geplant.
120.000 Euro - zahlen oder nicht zahlen?
Noch nicht abschließend entschieden ist die Frage der sogenannten Bieterentschädigung. Dabei geht es darum, ob die Gemeinde drei unterlegenen Unternehmen im Vergabeverfahren eine Aufwandsentschädigung zahlt - insgesamt 120.000 Euro stehen im Raum. Drees & Sommer hat das empfohlen.
Eine Entschädigung erhöhe die Bereitschaft potenzieller Auftragnehmer, vollständige Angebote einzureichen, und damit die Angebotsqualität insgesamt. Ohne Zahlung wäre das Verfahren zwar günstiger - es bestünde jedoch das Risiko, dass sich weniger Unternehmen beteiligen.
Die CDU lehnt eine Zahlung ab, da sie rechtlich nicht verpflichtend sei. Die SPD möchte zunächst die Rechtslage prüfen, bevor das Gremium entscheidet. Auch die finale Dimensionierung der Bruttogeschossfläche und die Frage, ob im weiteren Planungsverlauf eine Modulbauweise in Betracht kommt, sind Punkte, die in späteren Phasen der Planung geklärt werden müssen.
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