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Pferdesport

TAlle packen an: Wie Bokel das Reitturnier als großes Dorffest feiert

Turnierpremiere: Mama Sabrina Krause, Vater Christoph Brinkmann und Linda Brinkmann und Juna Krause als Voltigiererinnen auf Kuh Gutemine.

Turnierpremiere: Mama Sabrina Krause, Vater Christoph Brinkmann und Linda Brinkmann und Juna Krause als Voltigiererinnen auf Kuh Gutemine. Foto: Thumann

Eine „Weltpremiere“ und zwei Weltmeister: Das 270-Seelen-Dorf Bokel hatte am Wochenende beim Reitturnier richtig was zu bieten. Das ganze Dorf machte mit - auch eine Kuh namens Gutemine.

Von Rainer Thumann 03.08.2026, 15:50 Uhr

Bokel. „Das Reitturnier ist das Highlight des Jahres hier und gehört zum Leben dazu wie in anderen Orten das Schützenfest“, sagte Lynna Mattes, die mit ihrem Freund Luca Schmidt aus der Nähe von Bremervörde anreiste. Sie kam nur zum Zuschauen.

1500 Besucher sehen Reitsport

Im Sattel gesessen hat sie selbst noch nie. Zusammen mit dem Pärchen besuchten an den beiden Festtagen fast 1500 Besucher die Anlage des Reit- und Fahrvereins (RFV). Sie wollten nicht nur Reitsport erleben, sondern auch klönen, schnacken, lachen, applaudieren und einfach einen schönen Tag verbringen.

Luca Schmidt und Lynna Mattes kamen zum Zugucken.

Luca Schmidt und Lynna Mattes kamen zum Zugucken. Foto: thumann

Für beste Unterhaltung sorgte vor allem das Finale des Turniers. Zunächst durfte sich Nikola Meier auf ihrem Prinz Peter für den Sieg im L-Springen über 110 Zentimeter hohe Hindernisse das Siegerschleifchen anheften.

Siegerehrung im L-Springen: Die goldene Schleife ging an Nikola Meier.

Siegerehrung im L-Springen: Die goldene Schleife ging an Nikola Meier. Foto: Thumann

Der 11-jährige Hannoveraner bewältigte im Stechen alle hölzernen Barrieren perfekt und trug die Zevener Gymnasiastin zum Erfolg beim Ehrenpreis des langjährigen Sponsors Viebrockhaus.

Erfolg nach sechs Wochen Pause

„Ich reite, seit ich klein bin und fahre fast jedes Wochenende auf ein Turnier. Aber hier ist es am schönsten“, freute sich die Siegerin, dass es so gut klappte, obwohl sie gerade sechs Wochen pausiert hatte.

Von klein auf dabei sind auch Juna Krause und Linda Brinkmann. Das neunjährige Freundinnen-Duo kennt sich seit dem Kindergarten. Beide sind wie Geschwister nahezu Tag und Nacht zusammen. Mit gut zwei Jahren wurden sie schon aufs Pferd gesetzt.

Eine reitet, die andere läuft

Ihr Können zeigten sie gemeinsam beim spaßigen Wettbewerb „Jump and Run“. Dabei bewältigt zunächst die Reiterin den Parcours auf ihrem Pferd. Danach überwindet die Partnerin die Strecke über die etwa 60 Zentimeter hohen Hindernisse läuferisch so schnell wie es geht. Gewertet wird die beste Zeit. Für Abwürfe werden fünf Sekunden addiert.

Siegerteam im Jump and Run: Juna Wystub auf Viva la Vida und Partnerin Lene Viebrock vom Team „1. FC Klappstuhl“.

Siegerteam im Jump and Run: Juna Wystub auf Viva la Vida und Partnerin Lene Viebrock vom Team „1. FC Klappstuhl“. Foto: Thumann

Unter dem Namen „Die drei Cowgirls“ starteten Juna und Linda. Mit ihnen zusammen gingen weitere 13 Teams an den Start. Ihre Namen waren so kreativ wie ihre Auftritte: „Die hotten Karotten“, „Die pinken Glitzerflitzer“ oder „Die eine sitzt, die andere schwitzt“. Der Name war Programm und dazu passende Musik gab es aus den Lautsprechern. „Die meisten Teams haben sich eigene Musik gewünscht“, sagte Discjockey Alexander Dittfeldt.

Einfallsreiches HSV-Team schafft es nicht an die Spitze

Fußballatmosphäre kam auf, als Juna und Linda mit vertauschten Rollen unter dem Namen „Nur der HSV“ einritten und später zum Hürdenlauf durchstarteten. „Mein Bruder Max ist HSV-Fan. Von ihm kam der Vorschlag“, erklärte Juna. Ganz wie ihr Namensgeber blieb leider auch das Team ohne Spitzenplatzierung.

Im Anschluss wurde es kurios. Oder historisch, je nachdem, wen man fragte. Voltigieren auf einer Kuh. Eine echte Weltpremiere, denn das gab es noch nie zu sehen. Das vierjährige Nutztier mit der Nummer 12635 im Ohr trägt den Namen „Gutemine“, wie die Gattin des Häuptlings Majestix bei Asterix. Sie steht normalerweise mit 130 anderen Kühen im Stall von Christoph Brinkmann. Der kam auf die Idee, die Kunststücke der Töchter mal auf schwarz-weißem Fell auszuprobieren.

Kuh Gutemine zeigt sich geduldig

„Unsere Gutemine war etwas nervös. Sie kam direkt aus dem Stall und dann das begeisterte Publikum hier, da funktioniert es nicht gleich, wie gewollt“, erläuterte der Besitzer die anfängliche Lethargie des Tieres beim Betreten der Arena. „Bestochen“ mit etwas Kraftfutter machte die Kuh, deren volles Euter anschließend noch gemolken werden musste, tatsächlich gute Miene und zeigte sich von ihrer besten Seite. So wie die beiden Akrobatinnen Juna und Linda, die mit viel Beifall gefeiert wurden.

Reitturnier Bokel: Weltpremiere beim Voltigieren

Während andere feierten, standen Joris Finkel und Joey Bieniek hinter dem Grill. Wie so viele Vereinsmitglieder, Dorfbewohner und Freiwillige halfen die beiden bei der Turnierorganisation mit. Mit dem 19-jährigen Joris servierte ein frischgebackener Faustball-Weltmeister im „Gourmettempel“ gebratene Champignons.

Champions servieren Champignons

Am Wochenende zuvor hatten Finkel und Bieniek mit der deutschen U18-Nationalmannschaft im schweizerischen Reiden den WM-Titel geholt. „Und morgen starte ich meine Lehre als Industriekaufmann bei Lindemann in Stade“, berichtete der frischgebackene Champion, der als sportliches Ziel nach der U21 den A-Kader ins Visier nimmt.

Die Faustball-Weltmeister Joey Bieniek links und Joris Finkel.

Die Faustball-Weltmeister Joey Bieniek links und Joris Finkel. Foto: Thumann

Derweil zog seine Mutter, die RFV-Vorsitzende Sonja Finkel, zusammen mit den weiteren Vorständen Turnierleiter Frank Ehlen und Ineke Werner aus der Meldestelle ein überaus positives Fazit der volksfestähnlichen Veranstaltung.

„Ein Mega-Turnier“, platzte es aus Ehlen heraus mit Blick auf Wetter und Programm. „Es hat einfach alles gepasst“, sagte Sonja Finkel. Die meisten der 370 Mitglieder packten mit an – mehr Menschen, als Bokel Einwohner zählt. „Uns ist wichtig, dass vor allem Kinder und Jugendliche hier eine Bühne bekommen.“, so die erste Vorsitzende mit einem zu Recht stolzen Lächeln.

Das Reitturnier in Bokel zieht die Zuschauer an.

Das Reitturnier in Bokel zieht die Zuschauer an. Foto: Thumann

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