TAus der Politik zur Fischerei: Wofür Daniel Schneider arbeitet
Daniel Schneider hat auch im Thünen-Institut in Bremerhaven ein Büro. Er stellt sich und seinen Auftrag in den ersten Kutterhäfen vor. Foto: ls
Daniel Schneider ist vielen jüngeren Menschen als Mitbegründer des Deichbrand-Festivals bekannt. Dann saß er für die SPD im Bundestag. Was er jetzt macht.
Bremerhaven. Daniel Schneider bewegt sich noch etwas unsicher durch das Thünen-Institut in Bremerhaven. Im ersten Stock liegt ein Büro der „Informations- und Koordinierungsstelle Transformation Fischerei“. Ein sperriger Name. Schneider benutzt lieber das Kürzel: IKTF. „Einige sagen auch Transformationsagentur Fischerei“, sagt er.
Anlaufstelle in Hamburg
Er wird sie leiten und sucht gerade passende Räume in Hamburg. Die Hansestadt liegt sozusagen zwischen den beiden Meeresgebieten, um die er sich in einem fünfköpfigen Team kümmern muss: Nord- und Ostsee. Es geht vor allem um die Berufs-, aber auch um die Freizeitfischerei. Hinzu kommt die Aquakultur.
Aus der Politik zur Fischerei
Daniel Schneider verbinden viele mit dem Deichbrand-Festival in Nordholz. Dann ging der heute 48-jährige Otterndorfer in die Politik und saß für die SPD von 2021 bis 2025 für den Wahlkreis Cuxhaven-Stade II im Bundestag, wo er unter anderem im Umweltausschuss mitwirkte und einen Parlamentskreis Meerespolitik initiierte. Bei der Bundestagswahl 2025 unterlag er in seinem Wahlkreis knapp dem Mitbewerber Christoph Frauenpreiß (CDU).
Bundestagswahl
T Christoph Frauenpreiß (CDU) holt den Wahlkreis Cuxhaven-Stade II
Nach dem Aus als Abgeordneter in Berlin blieb er zunächst zu Hause und kümmerte sich um die Familie. Er ist Vater von zwei Söhnen. Dass die neue Stelle für ihn geschaffen wurde, „kann ich zu 100 Prozent verneinen“. Der Prozess dazu sei schon vor seinem Ausscheiden aus dem Bundestag gestartet. Die Idee sei ein Ausfluss aus der Zukunftskommission Fischerei (ZKF).
Viele Interessengruppen
„Fischerei ist ein sehr komplexes Thema“, sagt Schneider. Viele verschiedene Interessengruppen mischen mit, angefangen bei den Fischern selbst und ihren Erzeugergemeinschaften. Dazu kommen andere Nordsee-Nutzer, die die Fischerei einschränken, außerdem verschiedene Branchen an Land, dazu der Meeresschutz.

Die Offshore-Windparks (hier ein Archivfoto) sollen weiter ausgebaut werden. Das ist einer der Gründe, weshalb die Fischerei in der deutschen Nordsee immer weniger Platz hat. Foto: Scheer
Beispiel Offshore-Windparks: Sie sollen für die Energiewende deutlich ausgebaut werden. Doch Fischerei ist in den Riesen-Gebieten nicht erlaubt. „Wir sind die koordinierende Stelle, die alles zusammenhält“, sagt Schneider zur IKTF.
Zukunft der Krabbenfischerei
In diesen Wochen freuen sich Krabbenfischer an der norddeutschen Küste über unverhofft gute Fänge. Doch sie haben eine echte Flaute hinter sich. Alteingesessene Fischer dachten ans Aufgeben, ihre Kutter sind zum Teil alt, lassen sich schwer verkaufen, die Altersvorsorge bricht weg, Nachwuchskräfte fehlen sowieso.
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Hafenstandorte kämpfen darum, dass diese Kultur erhalten bleibt, und ihre Touristiker mögen sich gar nicht vorstellen, welche Wirkung ein verwaistes Hafenbecken auf Nordsee-Urlauber hat. Die Probleme der Krabbenfischer gehören an der Nordseeküste zu den drängendsten Themen.
600 Fischereibetriebe gebe es noch, doch vor zehn Jahren seien es etwa doppelt so viele gewesen, sagt Schneider. Zurzeit läuft der Strukturwandel unorganisiert. Die ITKF soll helfen, dass das anders wird. Dabei sollen sich die Fischer bei ihr beispielsweise über Fördermöglichkeiten informieren können, wenn sie einen Krabbenkutter abwracken oder umrüsten wollen.
Modernisierung der Flotte und klimaschonende Antriebe
Die Modernisierung der Flotte und deren Dekarbonisierung ist für Schneider vordringlich. In der Wissenschaft wird bereits am „Kutter der Zukunft“ gearbeitet. Wissenstransfer ist ebenfalls eine Aufgabe für die neue Stelle.
„Eigentlich wollen wir alle dasselbe“, sagt Schneider, „wir wollen gesunde Meere und gesunden Fisch.“