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Nachtleben

TAuslaufmodell Dorfdisco? So trotzt Meyers Tanzpalast dem Clubsterben

In der Ballerbude werden seit Anfang des Jahres hauptsächlich Techno und Hardstyle gespielt – das junge Publikum scheint begeistert.

In der Ballerbude werden seit Anfang des Jahres hauptsächlich Techno und Hardstyle gespielt – das junge Publikum scheint begeistert. Foto: privat

Mit neuen Sounds wie Hardstyle und Techno will das MTP junge Gruppen zurück auf die Tanzfläche holen und das Image leerer Hallen widerlegen.

Von Pia Willing Samstag, 28.03.2026, 05:50 Uhr

Wehldorf. Montagnachmittag, 16 Uhr, in Meyers Tanzpalast in Wehldorf: Der Raum ist dunkel, kalt, nur wenige Sonnenstrahlen fallen durch die Eingangstür. Wir ziehen ein paar Barhocker an einen Stehtisch, während hinter uns die Discokugel einsam glänzt. Ruhig wirkt es – doch Kai Heimann, Betriebsleiter des MTP, sagt: „Wir kämpfen immer gegen das Gerücht an, dass nichts los ist, obwohl was los ist.“

Der Mythos vom sterbenden Dorfclub hält sich hartnäckig. „Wir wurden tot geschrieben“, fügt Heimann hinzu. Doch die Realität sieht anders aus: Meyers Tanzpalast lebt, wenn auch nicht jeden Abend in voller Pracht. „Wenn Discotheken tot wären, dann hätten wir zugemacht. Uns abzustempeln ist unfair“, sagt der 56-Jährige.

Nick Cody setzt in der Ballerbude auf Hardstyle

Meyers Tanzpalast teilt sich in drei Areas: den Kuhstall für Oldies und vor allem 90er, der Main mit Radio-Hits und Remixen, und die kleine Ballerbude (früher „Black“) für härtere elektronische Musik. Für Heimann ist klar: „Heute ist das Publikum anders: Es tanzt nicht auf leeren Flächen, die Jugendlichen wollen soziale Sicherheit, verabreden sich über das Handy und kommen als Gruppe. So muss man für jeden Geschmack etwas anbieten.“

DJ Nico Lüdemann, bekannt als Nick Cody, verfolgt eine klare Strategie: Die Ballerbude soll die jungen Leute zurück in den Club holen. „Die Anfangzwanziger hören härtere Musik, und hier holen wir sie ab“, erklärt der 27-Jährige. Während spezielle Genres wie Hardstyle und Techno gezielt für das jüngere Publikum in der kleinen Area aufgelegt werden, kann die Main gleichzeitig weiterhin Radio-Hits spielen. Mit Erfolg: In diesem Jahr wurden bereits zwei Abende mit über 1000 Gästen gefeiert.

Spotify und Tinder als neue Konkurrenz im Nachtleben

Die Konkurrenz schläft nicht: Festivals sind wichtiger geworden, und die Corona-Pandemie hat Spuren hinterlassen. „Durch Corona wissen junge Leute gar nicht mehr, was Party ist“, sagt Heimann. Was früher das Alleinstellungsmerkmal von Discos war, erledigen heute Streamingdienste und soziale Netzwerke: Musik über Spotify oder neue Bekanntschaften über Apps wie Tinder.

Doch die Betreiber bleiben optimistisch. „Die Jungen werden wiederkommen. Ich wüsste keinen Jugendlichen, der nur zu Hause sitzen will“, sagt Heimann. Auch die Überzeugung, dass Dorfdiscos keine Zukunft hätten, sieht er kritisch: „Totgesagte leben länger – auch in zehn Jahren wird es noch Dorfdiscos geben.“

Viele urteilen, ohne je dort gewesen zu sein

Meyers Tanzpalast reagiert auf diese Veränderungen mit Flexibilität. Anfang des Jahres starteten sie eine Instagram-Umfrage, um die Wünsche der Gäste zu erfahren – DJs, Musikrichtungen, spezielle Events. Das Ergebnis: Hardstyle und Techno, aber auch Veranstaltungen für verschiedene Altersgruppen. „Wir wollen die Jugendlichen aus ihrer Bubble holen“, sagt Heimann. Nick Cody ergänzt augenzwinkernd: „Alle erzählen, hier sei nichts los, waren aber noch nie da.“

Zwischen House, Rock und Hardstyle, zwischen alten Klassikern und modernen Beats, zeigt Meyers Tanzpalast, dass Dorfclubs nicht nur überleben, sondern sich anpassen können – gegen Vorurteile und gegen das Clubsterben, das viele bereits für unvermeidlich hielten.

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