TBekannte Schiedsrichter-Persönlichkeit im Kreis Stade hat ausgepfiffen
Der große Fan des DSC Arminia Bielefeld in seiner gewohnten Art mit Pfeife im Mund und weit geöffneten Augen. Einst wurde Helmut Willuhn von einer Geschäftspartnerin gezeichnet. Foto: Michael Brunsch
Er war viele Jahre Spieler, Trainer und 25 Jahre Schiedsrichter. Nun hat Helmut Willuhn auch seine Schiedsrichter-Laufbahn beendet. Sein Spitzname steht für seine typische Art.
Landkreis. Die erste Partie als Schiedsrichter war ein Ü32-Spiel in Bargstedt. Schon zwei Jahre später wurde Helmut Willuhn Kreislehrwart. 2017 folgte der Titel des Kreisschiedsrichterobmannes. „Ich kam als Trainer oftmals mit den Schiedsrichtern nicht klar, war kein Kind von Traurigkeit, wollte aber nie selber pfeifen“, sagt Willuhn.
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Bis zum 19. November 2000. Es war eine Partie gegen die SG Stinstedt. Der damalige Schiedsrichter Dr. Wolf, der sich schon in anderen Begegnungen des Landkreises hervortat, zeigte gleich fünf Rote Karten. „Ich war so sauer, dass ich mich beim damaligen Lehrwart, Helmut Pape, zum Lehrgang anmeldete. Es gab viel Gelächter, weil sich niemand vorstellen konnte, dass gerade ich zur Pfeife greife“, so Willuhn.
„Collina“ zeigt nur zwei Mal die Rote Karte
Es wurden schließlich etwa 500 Spiele auf Bezirks- und Kreisebene. Durch seine typische Art, Spiele zu leiten, bekam er den Spitznamen Collina verpasst - in Anlehnung an den ehemaligen italienischen Weltschiedsrichter. Klare Ansagen, mal freundlich und mal bestimmend, aufgerissene Augen und beim Laufen die Pfeife im Mund. „Ich habe größtenteils die Spieler mit Sie angesprochen, daher gab es immer genügend Abstand. Der gegenseitige Respekt war immer groß.“

Auf den Plätzen des Landkreises genoss Willuhn als Schiedsrichter den nötigen Respekt. Foto: Michael Brunsch
Das könnte auch der Grund dafür gewesen sein, dass Helmut Willuhn nur selten die Karten aus seiner Tasche ziehen musste. Lediglich zweimal zog er in seiner langen Laufbahn die Rote Karte. „Das war einmal in Deinste ein Handspiel auf der Linie. Ich dachte, das könne ich noch weglächeln, aber es hatten doch zu viele auf und neben dem Platz gesehen“, erzählt er mit einem Lächeln im Gesicht.
Der zweite Platzverweis war 2003 bei einer Partie in Himmelpforten. Auch mit sogenannten Problemspielen hatte er keine Probleme. „Ich hatte immer viel Spaß.“ Willuhn pfiff für den Nottensdorfer Verein Noki in Action, da dort sein Sohn Max spielte. Seit dem Zusammenschluss mit dem SV Bliedersdorf sind es die Fusionierten Sportvereine (FSV) Bliedersdorf/Nottensdorf.
Auch für Prominentenspiele wurde er als Schiri eingesetzt. Zu einem Jubiläum hatte der FC Oste/Oldendorf die Profimannschaft von Hannover 96 eingeladen. Zur Platzeinweihung nach Apensen kamen die Amateure des Hamburger SV.
Thomas Doll gibt ihm ein Autogramm
Bei einem Freundschaftsspiel des VfL Stade gegen die Profis des Hamburger SV gab es Kontakt zum heutigen Bayern-Trainer Vincent Company, Trainer Thomas Doll gab ihm sogar ein Autogramm auf der Schiedsrichterkarte. In 25 Jahren hatte Helmut Willuhn keinen Spielabbruch, keine schweren Verletzungen.
„Sicher hatte ich auch mal schlechte Tage, aber alles in allem war die Zeit als Schiedsrichter richtig gut. Ich lernte dadurch so viele Menschen kennen“, so der 63-Jährige. In der Zeit auf Bezirksebene hatte er meistens Hans-Werner Raap und Rainer Wresch als Linienrichter an seiner Seite. Und dann gab es ja lange das Gerücht, Herr Willuhn hätte keine Karten dabei, wenn er den Platz als Schiedsrichter betrat. Immer wieder riefen ihm das die Zuschauer zu.
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„Ich brauchte die Karten nicht unbedingt, wusste meistens, wie ich die Jungs zu nehmen hatte. Ich kannte sie ja alle. Es herrschte in der Regel Disziplin auf dem Platz. Einen gewissen Spielraum bekamen die Spieler von mir, dann aber auf beiden Seiten.“ Irgendwann musste auch Helmut Willuhn dann mal die Gelbe Karten aus der Tasche ziehen. Das hatte aber wirklich Seltenheitswert.
Erfolgreich als Fußballer und als Trainer
Auch als Spieler ging Willuhn seinen Weg. VfL Horneburg, TuS Harsefeld, VSV Hedendorf/Neukloster und der TSV Apensen waren seine Stationen. In Apensen hatte er mit 42 Jahren noch Einsätze in der Bezirksliga.
In seiner beruflichen Zeit bei Granini ließ sich der Vollblutfußballer einst über drei Jahre nach Bielefeld versetzen. Dort kam es zu einem Probetraining beim DSC Arminia Bielefeld, Granini war der damalige Hauptsponsor. Die Hoffnung auf den ganz großen Coup zerstörte ein Unglück beim Betriebsfußball. Nach einem Schien- und Wadenbeinbruch kam Helmut Willuhn nie mehr an seine vorher gezeigten Leistungen heran. Aber die Liebe zur Arminia blieb.
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Die Trainerstationen ähnelten denen als Spieler. VfL Horneburg, VSV Hedendorf/Neukloster, TuS Harsefeld, TSV Eintracht Immenbeck und Deinster SV. Viele Erfolge sowohl als Spieler sowie auch als Trainer durfte er feiern. Mit den VSV Hedendorf/Neukloster ging es in die damalige Bezirksoberliga, mit dem TSV Apensen in die Bezirksliga.
Mit dem VfL Horneburg wurde Willuhn in der Saison 2006/07 ungeschlagener Kreisliga-Meister. Was ihn damals auch freute: Die Mannschaft, die einen gewissen Ruf weg hatte, wurde zweitfairste Mannschaft der Saison. Zudem feierte der Trainer auch zwei Kreispokalsiege.
Viele Jahrzehnte Fußball in allen Bereichen
Auch das Amt als Manager steht in der Agenda. Drei Jahre lang versuchte Willuhn, den VfL Stade nach oben zu bringen. In diese Zeit fiel ein gesundheitlicher Tiefschlag. 2012 bekam er plötzlich einen Schlaganfall. „Dann denkt man über einige Dinge plötzlich ganz anders. Meine Frau Mayke hat die ganzen Jahre alles super mitgemacht. Dafür kann ich ihr nur ein ganz großes Lob aussprechen.“

Helmut Willuhn ist Vorsitzender des NFV-Kreis Stade. Foto: Tageblatt (Archiv)
Seit dem 1. Juli 2026 ist Helmut Willuhn Rentner, nach 15 Jahren Granini und über 30 Jahren Unilever. Jetzt ist dann auch mehr Zeit für die beiden Enkelkinder. Wenn da nicht der Niedersächsische Fußballverband wäre. Denn er ist ja noch immer der 1. Vorsitzende des NFV-Kreis Stade. Ganz ohne Fußball geht es dann wohl doch noch nicht.
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