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Schockanruf

TBetrüger nutzen Tod des Ehemannes aus – Buxtehuderin warnt

Betrüger legten es darauf an, eine Buxtehuder Seniorin in Trauer mit einer ausgetütftelten Geschichte am Telefon zu verunsichern.

Betrüger legten es darauf an, eine Buxtehuder Seniorin in Trauer mit einer ausgetütftelten Geschichte am Telefon zu verunsichern. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Wenige Wochen nach dem Tod ihres Mannes erhielt eine Buxtehuderin einen betrügerischen Anruf. Der Schock und die Angst sitzen tief, darum erzählt sie ihre Geschichte und warnt andere.

Von Svenja Weil 07.08.2026, 10:50 Uhr

Buxtehude. „Dieser Schock und diese Angst - das kann ich nicht vergessen. Und so etwas wünsche ich wirklich niemandem." Auch fast 18 Monate nach der Tat ist die Buxtehuder Rentnerin noch emotional aufgewühlt, während sie von dem betrügerischen Schockanruf berichtet.

Aus Sorge wieder ins Visier der Täter zu geraten, möchte sie ihre Identität nicht öffentlich preisgeben. Aber sie will andere Menschen dringend warnen. Sie geht davon aus, dass die Täter Informationen aus einer Familienanzeige nutzten. Aus der Traueranzeige für den einige Wochen zuvor verstorbenen Ehemann des Opfers wussten die Täter vom kürzlichen Verlust der 77-Jährigen.

Sohn angeblich auf dem Weg zum Haftrichter

Und dort fanden sie wahrscheinlich auch die Namen ihrer Söhne. Einen davon machten sie zum Protagonisten ihrer betrügerischen Geschichte. Er habe bei einem Verkehrsunfall ein Kind lebensgefährlich verletzt und als Erklärung für seinen Fehler angegeben, wegen der Trauer um seinen Vater unaufmerksam gefahren zu sein. Das erklärte ein vermeintlicher Polizist der erschrockenen Mutter am Telefon.

Ihr Sohn werde nun dem Haftrichter vorgeführt. Die Frage, ob sie den Sohn besuchen oder ihm Beistand durch einen der Familie bekannten Polizisten oder Juristen zukommen lassen könne, wurde brüsk abgewiesen. Man drohte ihr mit einer hohen Geldstrafe, sollte sie mit jemandem über das „schwebende Verfahren“ sprechen.

Vermeintlicher Pflichtverteidiger

Diese Drohung wurde auch durch eine automatische Ansage aufrechterhalten, während das Gespräch an einen angeblichen „Pflichtverteidiger“ des Sohnes weitergestellt wurde. Diese zweite Person gab ihr zu verstehen, dass der Sohn nach Zahlung einer Kaution zwischen 18.000 Euro und 80.000 Euro freikommen könne. „Da hat es bei mir dann endlich klick gemacht", berichtet sie und staunt selbst, wie es den Anrufern gelingen konnte, sie so unter Druck zu setzen und in die völlig frei erfundene Geschichte hineinzuziehen.

Sie legte schließlich das Festnetztelefon aus der Hand und rief über Handy aus dem Nebenraum ihren Sohn an. Dieser war glücklicherweise sofort erreichbar und konnte den Betrug aufdecken. Das Gespräch mit den Betrügern brach sie daraufhin sofort ab und informierte die Polizei.

Kriminelle Absicht noch rechtzeitig erkannt

„Ich war zum Zeitpunkt des Anrufs in tiefer Trauer und außerdem mit Fieber krank auf dem Sofa. Da hat mein Kopf wohl nicht richtig gearbeitet“, vermutet sie und ist sehr erleichtert, dass sie rechtzeitig die kriminellen Absichten erkannt hat und immerhin kein wirtschaftlicher Schaden entstanden ist.

Die Verunsicherung nach dem schockierenden Erlebnis bleibt aber. Im Nachhinein seien ihr mehrere Ungereimtheiten in der Geschichte der Betrüger aufgefallen, die sie im Gespräch aber nicht sofort erkannt habe. Die Anzeige bei der Polizei, die sie auf Anraten ihres Sohnes sofort erstattet habe, sei leider ergebnislos geblieben, berichtet sie enttäuscht.

Seniorin reagiert richtig

Rainer Bohmbach, Pressesprecher der Polizei im Landkreis Stade, kennt die Bedrohung durch solche Anrufe und lobt ausdrücklich die Reaktion der Buxtehuderin. „Sie ist misstrauisch geworden und hat den Sohn direkt kontaktiert. Das war genau richtig.“ Die Meldung an die Polizei sei wichtig, auch wenn die Aufklärungsquote sehr gering sei.

Bohmbach rät bei Anrufen unbekannter Nummern grundsätzlich zur Vorsicht. „Die Täter sind oft sehr gut geschult und bauen geschickt emotionalen Druck auf. Legen Sie beim kleinsten Verdacht sofort auf und geben Sie auf keinen Fall persönliche Daten preis und lassen Sie sich niemals auf Geld- oder Wertsachenübergaben ein!“, so seine dringende Empfehlung.

Polizei geht von hoher Dunkelziffer aus

„Wir wissen, dass solche Anrufe häufig passieren und vermuten eine hohe Dunkelziffer, weil viele Opfer sich schämen, hereingelegt worden zu sein. Darum warnen wir immer wieder und bitten darum, auch in der Familie und im Bekanntenkreis über das Thema zu sprechen.“

Ein familieninternes Codewort für Telefonate erhöhe die Sicherheit. Auch im Internet stellt die Polizei weitere Tipps zur Verfügung: www.polizei-beratung.de

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