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Jugendkultur

TBiker gefrustet: Die Stadt hat ihre Piste am Schwarzen Berg zerstört

Bitter enttäuscht: Ivars Meiborg (vorne) und seine Mountainbiker-Freunde.

Bitter enttäuscht: Ivars Meiborg (vorne) und seine Mountainbiker-Freunde. Foto: Richter

Fünf Jahre haben die Mountainbiker vom Schwarzen Berg in Stade geschuftet, um eine Piste zu schaffen, die ihresgleichen sucht. Jetzt haben Bagger sie plattgemacht. Der Frust ist groß.

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Von Anping Richter
Samstag, 27.12.2025, 17:50 Uhr

Landkreis. Die Mountainbiker vom Schwarzen Berg sind bitter enttäuscht: Sie lieben ihren Sport und haben in den vergangenen Jahren viel Zeit und Mühe investiert - in das Lernen von Tricks, bei denen sie waghalsig durch die Luft fliegen und in die Piste dafür. Trails heißen die steilen Pfade, die ganz bestimmte Schwünge haben müssen. Sie haben sie über Jahre selbst im Wald angelegt - und jetzt zerstört vorgefunden.

Nach der Schule mit Schaufeln in den Wald

„Wir haben uns hier nach der Schule getroffen mit Schaufeln und Schubkarre, um Trails zu bauen, auf denen wir üben können, oft auch am Wochenende“, berichten Jacob Grundmann und Florian Hanke. Darüber beschweren sie sich auch nicht. Schließlich lautet eine Devise der Mountainbiker „No dig, no ride“. Kein Schaufeln, kein Fahren.

Fassungslos: Florian Hanke und Jacob Grundmann (vorne) haben viele Jahre mit Schaufel und Schubkarre an den Trails gearbeitet.

Fassungslos: Florian Hanke und Jacob Grundmann (vorne) haben viele Jahre mit Schaufel und Schubkarre an den Trails gearbeitet. Foto: Richter

Grundmann und Hanke gehören zu den Jugendlichen, die vor fünf Jahren begannen, sich für den Bau eines Dirt-Bike-Parks in Stade starkzumachen. Jacob war damals 15 Jahre alt. Jetzt ist er 20. Der erst vor gut einem Jahr eröffnete Dirtpark ist aus seiner Sicht ein Fehlschlag: „Für uns bringt das nichts.“

Salto rückwärts mit dem Fahrrad

Auf Videos sind er und einige andere Mountainbiker auf der Piste am Schwarzen Berg bei beeindruckenden Kunststücken zu bewundern. Beim Backflip, einem Salto rückwärts auf dem Fahrrad, oder dabei, wie sie auf einen steilen Hang zufahren, durch die Luft fliegen und fünf, sechs Meter weiter unten wieder landen und weiterfahren.

Bei der Dirtpark-Einweihung zeigt Jacob Grundmann den Suicide - die Arme nach hinten gestreckt, die Knie fixieren den Sattel und stabilisieren das Rad im Sprung.

Bei der Dirtpark-Einweihung zeigt Jacob Grundmann den Suicide - die Arme nach hinten gestreckt, die Knie fixieren den Sattel und stabilisieren das Rad im Sprung. Foto: Klempow

„Man wird besser mit der Zeit. Um bestimmte Tricks machen zu können, braucht man auch entsprechende Trails“, erklärt Jacob Grundmann. Doch die sind nun zerstört. Bagger waren da und haben dort, wo die Jungs über die Jahre genau abgestimmte Bahnen, Kurven und Schanzen gebaut haben, alles aufgerissen und planiert.

Etwa 30 Biker in Stade im Alter zwischen 12 und 20 Jahren haben sich über Whatsapp vernetzt und auf den Trails am Schwarzen Berg trainiert. Sie haben sich gute - und teure - Räder zugelegt, dazu Protektoren und Helme, um immer besser zu werden. Auch aus dem Umland von Hamburg bis Cuxhaven seien oft Mountainbiker zum Schwarzen Berg gekommen.

Warum die Stadt die Bagger geschickt hat

„Bisher hatten wir immer ganz guten Kontakt zur Stadt. Warum hat jetzt keiner vorher mit uns gesprochen?“, fragt Jacob Grundmann. Auf Anfrage beantwortet die Pressestelle der Hansestadt Stade das wie folgt: „Bei der Errichtung des Dirt-Bike-Parks wurde klar kommuniziert, dass die Nutzung des Schwarzen Berges zukünftig unterbunden wird – zumal es sich dabei um ein Landschaftsschutzgebiet handelt und das Befahren mit Mountainbikes nicht mit Naturschutzrecht vereinbar ist.

Aufgrund von Beschwerden von Anwohnern und Spaziergängern sowie der Intervention der Unteren Naturschutzbehörde wurden Einbauten entfernt und der Boden nivelliert.“

Die Mountainbiker seien auf dem im vergangenen Jahr angelegten Dirt-Bike-Park am Cheruskerweg willkommen. Doch mit dem sind die Mountainbiker überhaupt nicht glücklich. Zum einen, weil die Pistenführung nicht geeignet sei. „Teilweise funktionieren die Strecken einfach nicht, weil sie von Anfang an falsch angelegt sind“, erklärt Jacob Grundmann. Am Schwarzen Berg hatten sie die Piste dagegen über die Jahre optimiert. Mit dem Naturschutz seien sie im Austausch gewesen und hätten darauf geachtet, Rücksicht zu nehmen.

Ist der Dirt-Bike-Park ein Fehlschlag?

„Außerdem ist die Piste am Cheruskerweg viel zu nass“, sagt Ivars Maiborg und zeigt Bilder, auf denen das Wasser in den tiefen Stellen der Trails steht. Die Piste selbst zu überarbeiten, sei fast unmöglich, erklärt Jacob Grundmann: „Dort ist Lehmboden. Wenn es trocknet, wird der wie Stein. Wir haben es mit der Spitzhacke versucht, aber das bringt nichts.“

Dabei hat die Hansestadt Stade etwa 100.000 Euro in den Dirt-Bike-Park investiert. Da es sich um ein Erdbauwerk handele, seien Pflege- und Anpassungsmaßnahmen regelmäßig notwendig, teilte die Stadt schon auf eine Anfrage im Juli mit und kündigte für Herbst 2025 eine Ausschreibung an, damit die Durchführung im Frühjahr 2026 vor dem Saisonstart erfolgen könne.

Workshop mit Mountainbikern geplant

Die Stadt räumt ein, dass insbesondere im Bereich der Entwässerung und der Deckschichten der Aufbau verbessert werden müsse, um den Platz sicherer und besser zu machen. Inhalt der Ausschreibung sei auch ein Workshop, um mit den Sportlerinnen und Sportlern Anpassungen in der Anlage abzustimmen und die zukünftige Pflege neu zu organisieren.

Für Jacob Grundmann und Florian Hanke kommt das wohl zu spät: Auf sie kommen jetzt nach der Schulzeit andere Aufgaben zu. Bei der Einweihung des Dirtparks hatte Stadtrat Carsten Brokelmann gelobt, „dass sich junge Menschen einbringen und mit ihren Ideen die Zukunft dieser Stadt gestalten“. Zurzeit sieht es bei den Mountainbikern allerdings eher nach Frust aus.

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