TBrennnessel-Chips und Waldkrimi: Was Familien im Rüstjer Forst erleben können
Die Waldpädagoginnen Carolin Schmiech (rechts) und Dunja Kölln bieten ein Programm für Familien und Kinder im Rüstjer Forst an. Foto: P. Meyer
Wie kann man im Wald ein Xylophon bauen? Das und mehr zeigen die Waldpädagoginnen Dunja Kölln und Carolin Schmiech Kindern im Rüstjer Forst.
Harsefeld. Im Rüstjer Forst gibt es jetzt einen festen Anlass, öfter mal abzubiegen statt nur vorbeizulaufen: Die Waldpädagoginnen Carolin Schmiech und Dunja Kölln haben erstmals ein gemeinsames Jahresprogramm für Kinder und Familien auf die Beine gestellt. Zwischen April und Dezember laden sie mindestens einmal im Monat dazu ein, den Wald nicht nur als Spazierstrecke zu nutzen, sondern ihn genauer kennenzulernen.
Ein Herz für Jagdhunde
T Knuffiger Nachwuchs: Harsefelder Förster-Ehepaar züchtet Dackel
73. Kreisjägertag
T Jung, modern und immer öfter weiblich: Das Ende des typischen Jägers
Die Idee dahinter ist simpel. „Runter vom Sofa, rein in den Wald“, sagt Carolin Schmiech. Spielerisch erleben Kinder und Familien den Wald und die Natur, Wissen wird ganz nebenbei vermittelt. Die beiden Waldpädagoginnen bedienen in ihrem Programm verschiedene Felder. „Es gibt kein Thema, das sich nicht in den Wald bringen lässt“, so Schmiech.

Die Waldpädagogin Carolin Schmiech beim Schnitzen eines Astes. Hieraus könnten etwa Pfeil und Bogen entstehen. Foto: P. Meyer
Wie das konkret aussieht, zeigt sich in den Angeboten. Beim Wilden Handwerk etwa entstehen aus dem, was gerade herumliegt, kleine Kunstwerke oder Gebrauchsgegenstände: Pfeil und Bogen aus Ästen, Bilderrahmen aus Zweigen oder auch ein einfaches Xylophon aus unterschiedlich langen Holzstücken. Wer die Stöcke anschlägt, merkt schnell, dass jedes Holz anders klingt.
Wie sieht eine Fichte aus und was kann aus ihr entstehen?
An anderen Tagen geht es um Kräuter und Pflanzen. Was am Wegesrand schnell übersehen wird, rückt bei den Waldpädagoginnen in den Mittelpunkt: Um Brennnessel-Chips selbst zu machen, sammeln die Kinder vorsichtig die Blätter, bereiten sie vor und rösten sie über dem Feuer. Dabei lernen sie ganz nebenbei, woran man die Pflanze erkennt und warum sie trotz ihrer brennenden Wirkung essbar und nährstoffreich ist. Auch einfache Kosmetik lässt sich herstellen. Zum Beispiel ein duftender Balsam aus Fichtennadeln.

Tannenzapfen sind - anders als viele denken - eigentlich nicht auf dem Boden zu finden, sie zerfallen noch am Baum in einzelne Schuppen. Hier sind links die Zapfen einer Douglasie, rechts der einer Kiefer zu sehen. Foto: P. Meyer
Das Programm lebe davon, dass vieles direkt vor Ort passiert und es kein vorgefertigtes Endergebnis gebe, erklären die beiden. Die Kinder reagieren auf das, was sie im Wald finden. „Wir probieren einfach viel aus“, sagt Dunja Kölln. Wichtig ist ihnen, dass es nicht nach Unterricht wirkt. Wissen wird nebenbei vermittelt, etwa wenn Kinder erst einmal lernen müssen, wie eine Fichte überhaupt aussieht, bevor daraus etwas hergestellt werden kann.
Ohne Badehose: Der Wald als Ausgleich zum Alltag
Natur spielte für die Waldpädagoginnen schon immer eine große Rolle, erzählen sie. Carolin Schmiech lebt mit ihrer Familie in Beckdorf. Die 51-Jährige arbeitet hauptberuflich in einem zahlengetriebenen Bürojob im Medienbereich. „Das bringt mir auch sehr viel Spaß“, sagt sie. „Aber der Wald ist mein Ausgleich.“ Einen Jagd- und Falknerschein hatte sie schon länger. Vor gut zwei Jahren kam dann die Ausbildung zur Waldpädagogin dazu. Ergänzend bietet sie unter anderem Waldbaden an.
Heizperiode
T Ofen aus: Im Rüstjer Forst gibt es kein Brennholz mehr
Volkhochschule
Gespräche mit Tieren führen: Blödsinn oder eine Möglichkeit?
Dabei geht es um den bewussten Gang durch den Wald. „Eine Badehose braucht man dafür nicht“, sagt Schmiech lachend. Es gehe um langsames Gehen, Entspannung, um die Wahrnehmung der Natur mit allen Sinnen. Die Luft im Wald gilt als besonders sauber, bestimmte Pflanzenstoffe, die Terpene, können sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken.

Die Waldpädagoginnen Carolin Schmiech (links) und Dunja Kölln bieten ein Programm für Familien und Kinder im Rüstjer Forst an. Foto: P. Meyer
Dunja Kölln ist auch hauptberuflich viel in der Natur unterwegs. Sie ist Berufs-Falknerin und lebt in Himmelpforten. Die 37-Jährige hat Landschaftsgärtnerin gelernt und auch als Tagesmutter gearbeitet. Natur und Pädagogik passen für sie hervorragend zusammen. Kennengelernt haben sich die beiden Frauen, als Schmiech ein Praktikum bei Kölln machte. Schnell wurde ihnen klar, dass sie ähnliche Ideen haben - und vor allem genug davon. „Der Kopf hält nie still“, sagen beide.
Ein zentrales Thema ist für sie die Wirkung des Waldes, gerade auf Kinder. Ohne Bildschirm, ohne Bewertung können sie sich ausprobieren, bauen, sammeln. „Die Kinder erleben die Natur mit all ihren Sinnen“, sagt Carolin Schmiech.
Bewusstsein bei Kindern schaffen
Neben Kreativangeboten gibt es auch Formate für ältere Kinder und Jugendliche, etwa Nachtwanderungen oder einen Waldkrimi. Immer wieder fließen dabei auch ökologische Fragen ein: Etwa wie viel Energie alltägliche Geräte verbrauchen. „Wir wollen aber nie mit dem erhobenen Zeigefinger arbeiten“, sagt Kölln. Es gehe eher darum, ein Gefühl dafür zu entwickeln.

Dunja Kölln kennt sich mit den Pflanzen des Waldes aus. Foto: P. Meyer
Das Jahresprogramm umfasst auch eine Escape-Rallye, Aktionen zu Vögeln des Waldes, kreative Workshops, einen Gruselwald im Herbst oder Angebote in der Weihnachtszeit. Gebucht werden können die Termine online über waldbegreifen.de oder Waldgruen.de.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.