TBurnout? Rheuma? – Nein, ihre Diagnose kann jeden treffen
Marina Magdalena Lewandowsky hat sich zweimal mit Borreliose infiziert. Sie rät, damit zielgerichtet Experten aufzusuchen. Foto: Katnic
Wenn Bewegungen zur Qual werden: Dass man einen Zeckenbiss nicht unterschätzen sollte, hat Marina Magdalena Lewandowsky schmerzhaft am eigenen Leib erfahren.
Hamburg. Aufgrund der milden Temperaturen in den vergangenen Wochen hat die Zecken-Saison relativ früh begonnen. Obwohl die winzigen Tiere leicht zu übersehen sind, bergen sie doch große gesundheitliche Gefahren. Diese Erfahrung musste auch Marina M. Lewandowsky machen. Die Gesundheitswissenschaftlerin wurde zweimal gestochen und hat sich mit Borreliose infiziert.
Als die 40-Jährige im Juni 2020 zum ersten Mal von einer Zecke gestochen wurde, ging sie zum Arzt, um den Stich abklären zu lassen. Da der Arzt aber keinen typischen roten Flecken entdeckte, schickte er sie wieder nach Hause, da er davon ausging, dass das Insekt nicht infiziert war. Das war jedoch eine Fehleinschätzung, wie es sich kurze Zeit später herausstellte: „Nicht immer muss sich das mit einer Wanderröte zeigen“, sagt sie. In vielen Fällen würde gar keine entstehen. Eine aufmerksame Arbeitskollegin stellte allerdings einen blassen Fleck um die Stelle fest, der nur schwer zu erkennen war.
Selbst das Fahrradfahren wurde zur Qual
Anfangs ging sie davon aus, dass auch alles in Ordnung sei, bis die ersten Symptome auftraten. Joggen und Fahrradfahren, was früher keine Probleme darstellten, entwickelten sich zu extremen Kraftanstrengungen, gefolgt von tagelangen Muskelschmerzen. Sie fühlte sich schnell erschöpft, war kraftlos und hatte Konzentrationsschwierigkeiten. „Die Ärzte schoben es darauf, dass ich zu viel arbeite“, sagt sie. Die Symptome seien für die Ärzte zu unspezifisch gewesen und sie hätten damit wenig anfangen können. Mal wurde Burnout und ein anderes Mal Rheuma diagnostiziert. „Die Ärzte haben nicht mal um die Ecke gedacht“, kritisiert sie.
Erst mit der Zeit begriff sie, dass die Symptome etwas mit dem Zeckenstich zu tun haben und drängte auf einen Borreliose-Test, der dann positiv ausfiel. Damit stand die Diagnose fest. „Das war natürlich auch gut, weil ich so endlich richtig behandelt werden konnte“, sagt sie. Für sie hieß es jetzt, drei Wochen lang täglich Antibiotika zu nehmen, und es half auch, denn ihr Körper bildete nachweislich Antikörper. Sie betont, dass das, was bei ihr gewirkt hat, bei anderen nicht der Fall sein muss, denn jeder Krankheitsverlauf sei anders.
„Ich würde dazu raten, die Zecke nicht zu entsorgen, sondern sie in einem Labor auch auf mögliche Ko-Infektionen untersuchen zu lassen“, sagt Marina Lewandowsky.
Als sie vergangenen Sommer nach einem Spaziergang im Wald nach Hause kam, merkte sie, dass sie etwas gestochen hatte und ging von einem Mückenstich aus, da die Zecke bereits abgefallen war. Schnell stellte sich jedoch heraus: Sie hatte sich ein zweites Mal mit Borreliose angesteckt und dieses Mal war das Ausmaß weitaus schlimmer. „Die zweite Infektion hat mich total aus der Bahn geworfen“, sagt Marina M. Lewandowsky.
Normaler Arbeitsalltag war nicht mehr möglich
Bereits kurze Zeit nach dem Einstich war ihr Immunsystem angegriffen, sie bekam starke Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Tinnitus und plötzliche Angstzustände. Dazu kam, dass sie extrem licht- und geräuschempfindlich wurde. Schließlich musste sie sich krankmelden, denn ein normaler Arbeitsalltag war nicht mehr möglich. „An manchen Tagen geht es mir besser, an manchen schlechter“, sagt sie. Manchmal seien die Symptome so stark, dass sie den Alltag kaum bewältigen könne. Unterstützung bekäme sie von Familie, Freunden und Ärzten, die auf Borreliose spezialisiert sind und dem „Borreliose und FSME Bund Deutschland“. „Der Verein hat mir zum Beispiel Adressen von Spezialisten gegeben“, erzählt sie.
Marina M. Lewandowsky rät allen, sich nach einem Spaziergang draußen in der Natur, genau abzusuchen, lange Kleidung zu tragen und die Hose in die Socken zu stecken. Überdies empfiehlt sie, im Freien immer achtsam zu sein, bei Gartenarbeiten Handschuhe zu tragen und beim Entfernen der Zecke mit einer Pinzette genau darauf zu achten, das ganze Tier herauszuziehen.
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Hilfe für Betroffene gibt es beim „Deutschen Borreliose und FSME Bund Deutschland“ auf der Homepage www.borreliose-bund.de. Hier gibt es eine Hotline und auch Listen von Spezialisten. (dly)
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